US-Paar fordert eine Milliarde Dollar von Bayer

Glyphosat-Prozess : US-Ehepaar fordert eine Milliarde Dollar von Bayer

Im dritten Prozess um den Unkrautvernichter von Monsanto klagt ein krebskrankes Ehepaar in Kalifornien. Nun berät die Geschworenen-Jury. Die Bayer-Aktie fällt auf 57 Euro.

Und wieder heißt es Zittern für Bayer: Zum dritten Mal entscheidet nun eine amerikanische Geschworenen-Jury über den Unkrautvernichter Glyphosat. Geklagt hat dieses Mal das Ehepaar Alberta und Alva Pilliod, die beide 76 Jahre und an verschiedenen Arten von Lymphdrüsenkrebs erkrankt sind. Sie machen dafür Monsantos glyphosathaltiges Mittel Roundup verantwortlich, das sie jahrzehntelang in ihrem Garten eingesetzt haben. Zudem werfen sie Monsanto vor, nicht über die Risiken aufgeklärt zu haben. Neu ist die Summe, die die Pilliods an Schadenersatz vom Bayer-Konzern fordern, dem seit 2018 Monsanto gehört: eine Milliarde Dollar. Ihr Anwalt, Brent Wisner, verwies zur Begründung auf den hohen Gewinn, den Monsanto mit Agrochemikalien gemacht habe.

Das ist von der Höhe her eine neue Dimension: In den beiden ersten Fällen haben die Jurys den Klägern jeweils rund 80 Millionen Dollar zugesprochen. Bayer geht dagegen in Berufung, der Konzern verweist auf 800 wissenschaftliche Studien und die Zulassungen von Behörden und betont, Glyphosat löse bei sachgerechter Anwendung keinen Krebs aus. Bislang sieht sich Bayer in den USA 13.400 Klägern gegenüber.

Seit Donnerstag berät nun die Jury im kalifornischen Alameda über die Klage der Pilliods. Die Klage ist Teil einer Massenklage vor einem bundesstaatlichen Gericht. Die Jury muss ihr Urteil nicht einstimmig fällen, sondern nur mit einer Mehrheit der Geschworenen. Im Prozess wird erneut mit harten Bandagen gekämpft: Der Anwalt spielte laut der Agentur Bloomberg Monsanto-Werbespots ein, die Anwender in kurzen Hosen zeigen. Dabei soll Monsanto in seinen Studien empfohlen haben, dass die Anwender Overalls tragen.

Rückenwind hatte Bayer zwar von der US-Umweltbehörde EPA bekommen, die ihre Glyphosat-Zulassung unlängst bestätigte. Doch dies Argument konnte Bayer im Prozess nicht verwenden.

Die Anleger verfolgen die Entwicklung genau. Am Donnerstag gab die Bayer-Aktie zeitweise um vier Prozent nach auf 57 Euro. Das erste Urteil im August 2018 hatte einen Kurssturz ausgelöst. Seitdem ist die Aktie um 40 Prozent gefallen.

Der Druck auf Vorstandschef Werner Baumann steigt. Ein Freispruch könnte das Blatt für den Krefelder wieder wenden, ein dritter Schuldspruch den Druck aber weiter erhöhen. Ohnehin wird es noch Jahre dauern, bis Bayer mit den Tausenden Verfahren durch ist. Die Hauptversammlung in Bonn hatte unlängst dem Bayer-Vorstand die Entlastung verweigert. Die Aktionäre werfen dem Vorstand vor, die Risiken des Monsanto-Deals nicht richtig eingeschätzt zu haben. Bayer kontert mit Gutachten, die den Vorstand entlasten. 2018 hatte Bayer Monsanto für 59 Milliarden Euro übernommen. Nun will der Aufsichtsrat auf einer außerordentlichen Sitzung über Konsequenzen beraten. Die Kontrolleure haben sich aber bereits in der Nacht des Misstrauensvotums hinter Baumann gestellt.

Mehr von RP ONLINE