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Uniper warnt vor Aus für Ostsee-Pipeline

Politisch umkämpfte Röhre : Uniper warnt vor Aus für Ostsee-Pipeline

Wegen der US-Sanktionsdrohung wird die Röhre womöglich nie fertig. Dann müssten die Düsseldorfer 950 Millionen abschreiben. Auch auf Aussagen des neuen Großaktionärs Fortum müssen die Beschäftigten weiter warten.

Es sollte ein Prestigeprojekt sein und war wie gemacht für den größten deutschen Gashandelskonzern: die Beteiligung von Uniper an der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2. Doch die massiven Sanktionsdrohungen der USA gegen die Röhre, die Gas von Westrussland nach Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern bringen soll, nehmen zu. Und nun schließt der Düsseldorfer Konzern ein Scheitern des Projektes nicht mehr aus: „Die USA haben ihre Anstrengungen in Bezug auf gezielte Sanktionen gegen das Nord-Stream-2-Projekt intensiviert, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass es zu Verzögerungen im Bau der Gasleitung oder überhaupt nicht zu einer Fertigstellung kommt“, erklärte Uniper im Risikobericht zum zweiten Quartal.

Die Nord Stream 2 AG hat bereits vor Jahren ein Konsortium aus Uniper, Wintershall, Engie, OMV und Shell als Finanzgeber gewonnen. Allein Uniper hat 950 Millionen Euro als Kredit gegeben. Erstmals hält Uniper nun öffentlich ein Scheitern des Projektes für möglich, wenn auch Finanzvorstand Sascha Bibert erklärte, dies sei ein Extrem-Szenario. Doch dieses ist immerhin so wahrscheinlich, dass die Aktionäre darüber informiert werden müssen. Und Uniper macht auch bereits die möglichen Folgen eines Scheiterns deutlich: „Für den Fall, dass das Projekt nicht fertig gestellt werden kann, muss Uniper gegebenfalls den für Nord Stream 2 bereit gestellten Kredit wertberichtigen“ – also 950 Milliarden Euro abschreiben. Das ist mehr, als der Konzern an Jahresgewinn anpeilt.

Der Hintergrund des Streits ist schmutzige Weltpolitik: Hinter der Nord Stream 2 AG steht der russische Gasriese Gazprom. Er beliefert bereits seit Jahrzehnten Deutschland mit Erdgas per Piepline. Nun soll die neue Röhre durch die Ostesee hinzukommen. Das Projekt ist den USA ein Dorn im Auge – vor allem Präsident Donald Trump, aber auch republikanischen und demokratischen Senatoren. Offiziell sorgen sie sich um die Abhängigkeit Europas von russischem Gas. Tatsächlich geht es aber auch darum, dass sie den Europäern gerne amerikanisches Flüssiggas (LNG) verkaufen wollen. Befürworter wie Eon-Chef Johannes Teyssen haben immer wieder betont, dass die Russen selbst auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges immer zuverlässige Lieferanten gewesen seien.

Trump verschreckt Firmen, die an Bau und Betrieb der Pipeline beteiligt sind, immer wieder mit Sanktionsdrohungen. Vergangene Woche drohten drei US-Senatoren dem Fährhafen Sassnitz in Mecklenburg-Vorpommern in einem Brief, weil Sassnitz den russischen Verlegeschiffen helfe. Es helfen nur noch rund 100 Kilometer. Die republikanischen Senatoren Ted Cruz, Tom Cotton und Ron Johnson erklärten, man könne den Hafen „kommerziell und finanziell abschneiden“ von den USA.  Bundesaußenminister Heiko Maas hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und sich die Einmischung in deutsche Energiepolitik verbeten. Deutschland bezieht ein Drittel seines Erdgases aus Russland.

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Uniper-Chef Andreas Schierenbeck erklärte nun: „Ich habe keinen Brief von den Senatoren bekommen.“ Von den angedrohten Sanktionen sei Uniper nicht direkt betroffen, man sei aber wachsam. „Wir sind mit allen wesentlichen Institutionen im Gespräch.“ Sollte Trump Uniper vom US-Geschäft abschneiden, wäre das ein Schlag. Der Konzern bezieht Flüssiggas aus den USA und unterhält dort  große Handelsabteilungen.

Dabei läuft das Geschäft gerade gut: Uniper konnte den Gewinn (Ebit) im ersten Halbjahr mehr als verdoppeln auf 691 Millionen Euro. Die Corona-Krise verzögert zwar die Reparaturarbeiten am russischen Kraftwerk Berjosowskaja, das durch ein Feuer beschädigt worden war. Ansonsten aber spürt der Konzern die Pandemie kaum. Auch die Gespräche mit dem finnischen Großaktionär Fortum kommen voran. Immerhin gibt es nun erste Grundsätze zur Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmern. Auf klare Aussagen zum Thema Jobsicherheit und Jobabbau sowie der Zukunft der Zentrale in Düsseldorf müssen die 11.000 Beschäftigten aber weiter warten. „Die Gespräche über die strategische Ausrichtung laufen weiter“, so Schierenbeck.