Milliardengewinn für Düsseldorfer Energiekonzern Ein Gasembargo wäre für Uniper kein Problem

Düsseldorf · Die Aktie des verstaatlichten Düsseldorfer Konzerns legt nach dem Milliardengewinn zunächst zu. So macht er sich hübsch für die künftige Privatisierung. Die spannende Frage ist, wie diese erfolgt und was aus dem Kraftwerk Datteln wird.

Antje Höning
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 Die Uniper-Zentrale in Düsseldorf: Der Konzern hat prächtig verdient.

Die Uniper-Zentrale in Düsseldorf: Der Konzern hat prächtig verdient.

Foto: dpa/Oliver Berg

Das ging schnell: Im Jahr 2022 hatte Uniper noch einen Rekordverlust von 10,8 Milliarden Euro gemacht, im vergangenen Jahr lieferte der Düsseldorfer Energiekonzern einen Gewinn von 6,4 Milliarden ab. Uniper hat zwar weniger Strom aus Kohle produziert, diesen aber gut verkauft. „Uniper hat von einem vorteilhaften Marktumfeld profitiert. Darüber hinaus schlugen sich erfolgreiche Termingeschäfte zur Absicherung der offenen Gaslieferverpflichtungen positiv nieder, die aus der Kürzung russischer Gaslieferungen resultierten“, erklärte Uniper.

Wie viel Steuergeld hat Uniper bekommen?

Der stark von Russland abhängige Konzern, der aus Ruhrgas hervorgegangen war, war 2022 auf dem Höhepunkt der Energiekrise in eine existenzielle Krise geraten und musste mit Steuergeld gerettet werden. Der Bund hatte 13,5 Milliarden Euro über Kapitalerhöhungen bereitgestellt und ist nun Großaktionär mit 99,2 Prozent. „Insgesamt haben wir ,nur´ 13,5 Milliarden der ursprünglich von der Bundesrepublik zur Verfügung gestellten 33 Milliarden Euro in Anspruch genommen, um die Versorgungssicherheit aufrecht zu erhalten“, erklärte Finanzchefin Jutta Dönges. „Der Bund wird das Geld zurückbekommen, wenn er die Aktien wieder verkauft“, sagt Uniper-Chef Michael Lewis.

Wann steigt der Staat wieder aus?

Der Staat will absehbar auch wieder raus aus dem Düsseldorfer Konzern: Laut EU-Vorgaben muss er Uniper bis 2028 bis auf 25 Prozent plus eine Aktie wieder privatisieren. Da passt es gut, dass Uniper sich gerade mit guten Zahlen hübsch macht. Das Wie der Privatisierung ist aber noch offen. „Einen Börsengang halten wir für einen geeigneten Weg, dann bleibt Uniper unabhängig. Aber auch diese Frage entscheidet unser Eigentümer“, hatte Michael Lewis unlängst gesagt.

Der Konzern arbeitet derweil noch die Auflagen ab, die die EU-Kommission für den Staatseinstieg gemacht hat: Im Februar wurde der Verkauf des Gaskraftwerks Gönyű in Ungarn vereinbart, der Verkauf des nordamerikanischen Stromgeschäfts läuft. Offen ist, wann und an wen Uniper das Kohlekraftwerk Datteln verkauft – auch das hat die EU gefordert. Bis Ende 2026 muss Uniper die Auflagen erfüllen. Der Versorger EPH von Daniel Kretinsky gilt als Interessent, auch wenn Klagen das Kraftwerk Datteln weiter belasten. „Wir haben den Prozess noch nicht begonnen“, so der Uniper-Chef. Man bereite diesen nun intern vor.

Wie entwickelt sich die Uniper-Aktie?

Die Aktie legte am Mittwoch zeitweise um sechs Prozent zu auf 59,40 Euro - und gab dann wieder nach. Nach einem großen Kapitalschnitt im Verhältnis 20 zu 1 zum Jahreswechsel hatte sich der Wert einer Aktie bereits nominal erhöht. Allerdings werden wegen des großen Staatsanteils nur 0,8 Prozent der Aktien gehandelt, was zu Verzerrungen und großen Ausschlägen führt.

Ist der Kohleausstieg 2030 machbar?

„Uniper hat seine finanzielle Stabilität innerhalb kurzer Zeit zurückgewonnen“, freut sich Michael Lewis. Nun richte man den Konzern konsequent auf die Zukunft aus: „Wir werden rund acht Milliarden Euro bis 2030 in Unipers grüne Transformation investieren.“ Uniper würde gerne in neue Gaskraftwerke investieren, die Deutschland dringend braucht. Wie andere Versorger wartet man auf Details zur Kraftwerks-Strategie, die Robert Habeck bisher nur in Umrissen skizziert hat. „Das ist wichtig für Deutschland und für Uniper. Wir stehen bereit“, so Lewis. 20 bis 25 Gigawatt seien nötig, um alle Blöcke zu ersetzen. Die Bundesregierung plant bislang nur Ausschreibungen für zehn Gigawatt. Ist der Kohleausstieg 2030 noch möglich? „Sechs Jahre sind sehr knapp“, mahnte Lewis.

Bezieht Uniper noch russisches Gas?

Lewis verneint - weder über Pipelines noch über Flüssiggas (LNG). Ein Gasembargo sei daher für Uniper kein Problem. „Alles andere ist eine politische Frage“, so der Uniper-Chef. Ein Embargo wäre für Europa möglich, genug LNG gebe es - dies sei aber eine Frage des Preises, ergänzte Uniper-Vorstand Carsten Poppinga. Die Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier hat gerade eine Sanktionierung des russischen Gas gefordert. Das neue LNG-Terminal in Wilhelmshaven hat im vergangenen Jahr bereits rund sechs Prozent des deutschen Gasverbrauchs gesichert.

Wie geht es mit Uniper weiter?

Uniper-Chef Michael Lewis.  Foto: dpa

Uniper-Chef Michael Lewis. Foto: dpa

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Nach der Berg- und Talfahrt setzt der Konzern nun auf Normalisierung: In diesem Jahr peilt Uniper einen niedrigeren Gewinn an: Der bereinigte Konzernüberschuss werde 2024 zwischen 0,7 bis 1,1 Milliarden Euro betragen, nach 4,4 Milliarden Euro in 2023. Uniper erwartet niedrigere Rohstoffpreise. „2024 soll ein Jahr des Aufbruchs werden“, sagte Lewis. Bis 2029 will Uniper aus der Kohle-Verstromung aussteigen, bis 2040 klimaneutral sein.

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