Uniper im Griff der Heuschrecken

Düsseldorfer Energiekonzern : Uniper im Griff der Heuschrecken

Der Düsseldorfer Energiekonzern ist in der Hand aggressiver Fonds. Am 22. Mai entscheidet die Hauptversammlung über die Zerschlagung. Uniper weiß noch nicht, ob Großaktionär Fortum den Anträgen von Knight Vinke zustimmen wird. Zugleich bricht der Gewinn ein.

Die Umzugskartons bei Uniper sind ausgepackt: Seit März arbeiten 2400 Mitarbeiter in der neuen Zentrale im Düsseldorfer Medienhafen. Doch die Unruhe ist weiter groß. Gleich drei unbeliebte Großaktionäre sind bei dem jungen Energiekonzern eingestiegen, in den Eon einst seine Kraftwerke abgespalten hat: der brave finnische Versorger Fortum (44,99 Prozent) sowie die aggressiven US-Hedgefonds Elliott (17,8 Prozent) und Knight Vinke (5,0 Prozent). Und Knight Vinke will nun die Hauptversammlung darüber abstimmen lassen, ob der Uniper-Vorstand das Russlandgeschäft (4300 Mitarbeiter) verkaufen soll.

Das ist nicht irgendein Antrag. Damit würde für Fortum der Weg frei, die Mehrheit an Uniper zu übernehmen. Bislang verhindert dies die russische Kartellbehörde: Sie will ausländischen Staatskonzernen wie Fortum keine Mehrheit an sicherheitsrelevanten russischen Firmen geben. Uniper hat Knight Vinkes Antrag zwar auf die Tagesordnung der Hauptversammlung gesetzt. „In den nächsten Tagen werden Vorstand und Aufsichtsrat sich inhaltlich äußern“, kündigte nun Finanzvorstand Christopher Delbrück an.

Das Kalkül von Knight Vinke ist klar: Der Investor, der auch schon Eon mit Zerschlagungs-Anträgen strubbelig machte, setzt darauf, dass Fortum nach Übernahme der Mehrheit viel Geld zahlen wird, um Knight Vinke aus dem Konzern zu drängen. Sollte die Hauptversammlung dem Verkauf des Russlandsgeschäfts nicht zustimmen, will Knight Vinke alternativ das Schweden-Geschäft (1000 Mitarbeiter) verkauft sehen. Womoglich hofft Knight Vinke, dann Kasse über eine Sonderausschüttung machen und Fortum zum Ausstieg bringen zu können.

Anders geht das Kalkül von Elliott: Der aggressive Fonds des US-Milliardärs Paul Singer will, dass Fortum einen Beherrschungsvertrag mit Uniper abschließt. Wenn Fortum nach Lösung des russischen Kartellproblems die Mehrheit übernimmt, hofft Elliott, sein Pakt mit hohen Aufschlägen an die Finnen zu verkaufen, so Branchenkreise.

Am 22. Mai kommt es auf der Hauptversammlung in der Messe Düsseldorf zum Showdown. Und dabei wird es auf die Finnen ankommen. Wird sich Fortum mit einem der Fonds verbünden? Haben die Finnen ganz andere Pläne? „Wir wissen nicht, wie Fortum abstimmen wird“, sagte Delbrück.

2018 hatte Eon handstreichartig seine Tochter Uniper an Fortum verkauft. Gegen den Willen des Uniper-Vorstands, der eine Komplettübernahme bis heute erfolgreich verhindert hat. Nun müssen der an Krebs erkrankte Uniper-Chef Klaus Schäfer und auch Finanzchef Delbrück das Unternehmen verlassen.

Bis heute haben die Finnen nicht gesagt, was sie mit Uniper, den 12.000 Mitarbeitern und der Zentrale in Düsseldorf vorhaben. „Die Gespräche laufen auf unterschiedlichen Ebenen“, sagte Delbrück. Aber er teile die Einschätzung von Fortum, dass es vor Ende des Sommers keine Ergebnisse geben werde.

Ungewissheit herrscht weiter auch über die Zukunft des Kohlekraftwerks Datteln 4. Die Kohlekommission rät zwar, es gar nicht erst ans Netz zu lassen. Doch der überforderte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier kommt bei Gesprächen über die Entschädigung für die Energiekonzerne nicht voran. Und so treibt Uniper Datteln 4 voran. Nach Schlampereien der Kesselfirma Hitachi und Ärger mit dem Stahl muss der Kessel komplett ausgetauscht werden. „Die Remontage schreitet voran, schon die Hälfte der Wände sind wieder montiert“, sagt Delbrück. „Wir gehen von einer Inbetriebnahme von Datteln 4 im Sommer 2020 aus.“ 1,5 Milliarden Euro hat Uniper bislang in Datteln investiert, 70 Millionen würde ein Abriss kosten. Das Schicksal der Industrieruine ist so ungewiss wie die Zukunft von Uniper.

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