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Jobabbau: Ultimatum: Bayer soll bei Schering Ängste lindern

Jobabbau : Ultimatum: Bayer soll bei Schering Ängste lindern

Berlin (rpo). Im Berliner Pharmaunternehmen Schering greift die Angst um sich. Die rund 5.400 Mitarbeiter fürchten den Jobabbau. Jetzt hat der Betriebsrat Bayer ein Ultimatum gesetzt: Bis Ende Juni wollen die Beschäftigten wissen, wie es mit ihnen weitergeht.

Der Betriebsrat des Berliner Pharmaunternehmens Schering hat der Führung des Bayer-Konzerns eine Frist bis 29. Juni gesetzt, um die Zukunftsängste der rund 5.400 Schering-Mitarbeiter auszuräumen. "Der Frust ist sehr hoch", sagte Betriebsratschef Norbert Deutschmann am Donnerstag am Rande einer Betriebsversammlung der Berliner Firma. Zumindest müsse die Bayer AG, die Schering in ihren Konzern integrieren will, zusagen, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen gebe.

Auf der Versammlung machten rund 2.000 Mitarbeiter ihrem Frust über die Unsicherheit Luft, in der sie nach Deutschmanns Angaben seit Monaten gelassen werden. Weltweit soll die Übernahme zum Abbau von 6.000 Stellen führen. Bayer-Chef Werner Wenning hatte am Vortag bei der Besiegelung der Übernahme erklärt, betriebsbedingte Kündigungen seien nur die "ultima ratio".

Der Schering-Arbeitnehmervertreter interpretierte dies aber nicht als Ausschluss der Maßnahme, sondern als Formulierung, die lediglich die Gesetzeslage widerspiegelt, nach der ohnehin zuvor alle anderen Mittel zur Sanierung ausgeschöpft sein müssten.

Schering-Chef Hubertus Erlen habe auf der Betriebsversammlung "nicht viel Neues" gesagt, meinte Deutschmann. Vor allem hätten konkrete Aussagen zur Zukunft der Arbeitsplätze gefehlt. Das Äußerste, was die Arbeitnehmer in Berlin hinnehmen würden, wäre der sozial verträgliche Abbau von 500 Stellen bis 2010, meinte Deutschmann.

Als weitere Forderungen nannte der Betriebsratschef den Erhalt der bei Schering üblichen sozialen Standards, die Transparenz der Unternehmensentscheidungen und die Offenlegung aller eventuellen Absprachen mit dem gescheiterten Übernahme-Bewerber Merck. Erlen habe allerdings auf der Betriebsversammlung die Existenz solcher Absprachen, etwa über Kooperation in bestimmten Bereichen, dementiert.

Deutschmann verlangte vor allem, dass den Arbeitnehmern bis zum Beginn der Sommerferien konkrete Perspektiven für ihre Arbeitsplätze eröffnet würden. "Ob die Situation sich zuspitzt, das liegt jetzt bei Bayer", meinte er. Die Frage, ob und wenn ja, welche Maßnahmen die Belegschaft ergreifen wolle, wenn sich Bayer nicht bis zum 29. Juni äußern sollte, beantwortete Deutschmann nicht.

(ap)