Chef der Duisburger Grillo-Werke: Ulrich Grillo wird BDI-Präsident

Chef der Duisburger Grillo-Werke: Ulrich Grillo wird BDI-Präsident

Der Chef der Duisburger Grillo-Werke, Ulrich Grillo, soll den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) führen. Der Industrie-Verband hat zwar an Bedeutung verloren, gehört aber immer noch zu den wichtigsten Stimmen der deutschen Wirtschaft.

Der nächste BDI-Präsident kommt vom Niederrhein: Der Familienunternehmer Ulrich Grillo (52), Chef der Duisburger Grillo-Werke, soll im November von der BDI-Mitgliederversammlung gewählt werden. Vorgeschlagen hat ihn gestern bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz Noch-BDI-Präsident Hans-Peter Keitel (64), dessen zweite Amtszeit zum Jahreswechsel ausläuft.

Grillo ist seit vergangenem Jahr BDI-Vizepräsident. Einen industriepolitischen Namen gemacht hat sich der Firmenpatriarch und Multi-Aufsichtsrat als Gründer der BDI-Rohstoffinitiative, die für mehr politische Rückendeckung beim Ringen der deutschen Wirtschaft um die Versorgung mit Öl, Erzen, seltenen Erden und anderen Rohstoffen aus dem Ausland wirbt. Die 170 Jahre alten Grillo-Werke in Duisburg (1607 Mitarbeiter) sind der größte Zinkverarbeiter weltweit und gehören zum Gründungsfundament der Ruhr-Industrie.

Zu Beginn seiner Laufbahn hatte Grillo zunächst eine Banklehre absolviert, bevor er als Manager, Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater unter anderem als stellvertretender Chef der Düsseldorfer Rheinmetall-Gruppe Erfahrungen sammelte. "Ich bin überzeugt, dass Ulrich Grillo mit seiner ausgewiesenen Erfahrung als Manager und Unternehmer über hervorragende Eigenschaften für das Amt des BDI-Präsidenten verfügt", sagte Keitel über seinen designierten Nachfolger. Grillo selbst betonte die vielen Übereinstimmungen mit Keitel in Fragen der Industrie- und der Rohstoffpolitik. Die Industrie sei Rückgrat der deutschen Wirtschaft und solle das auch bleiben — trotz wachsender Anforderungen des Umweltschutzes.

Grillo: "Es geht nicht um einen Gegensatz von Ökologie und Ökonomie, sondern um Stabilität und Wachstum bei gleichzeitiger Schonung der Umwelt und der Ressourcen." Neben dem Dachverband der Industrie- und Handelskammern (DIHK) gehört der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zu den wichtigsten Ansprechpartnern der Bundesregierung in industriepolitischen Fragen. Im BDI sind über 100 000 deutsche Unternehmen mit gut acht Millionen Beschäftigten organisiert.

Allerdings hat der Verband im Vergleich zu früheren Jahrzehnten, als er noch von Persönlichkeiten wie dem späteren RAF-Opfer Hanns Martin Schleyer oder dem IBM-Manager Hans-Olaf Henkel geführt wurde, an Einfluss verloren. Nicht, weil seine späteren Repräsentanten wie der aktuelle Präsident und ehemalige Hochtief-Chef Hans-Peter Keitel weniger Format hätten. Grund für den gesunkenen Einfluss ist die komplexer und internationaler gewordene deutsche Industrie-Landschaft, in der zunehmend widersprüchliche Interessen konkurrieren. Heute muss der BDI oft Formelkompromisse vertreten. Beispiel Energiewende: Netzausrüster wie Siemens oder die Hersteller von Windkraftanlagen profitieren vom Ausstieg aus der Atomkraft.

Die großen Energieverbraucher und die Betreiber der Atomkraftwerke lehnen die Energiewende aber teilweise ab. Das hat es auch Keitel nicht immer leicht gemacht, die Interessen seiner Mitglieder zu vertreten. In die Kritik geraten ist Keitel wegen seines angeblich zu weichen Kurses in der Euro-Debatte.

(sap)
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