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Übernahme durch PSA: Opel wird französisch

Übernahme durch PSA : Opel wird französisch

Die Übernahme durch den Konkurrenten PSA Peugeot-Citroën ist offiziell. Während die Chefs in Paris die Chancen lobten, informierten die Betriebsräte die Mitarbeiter über Konsequenzen. Eins steht fest: Die Sanierung wird hart. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Für Karl-Thomas Neumann ist die Übernahme durch PSA Peugeot-Citroën der Beginn einer neuen Ära. Gemeinsam mit den Franzosen, hofft der Opel-Chef nach dem Verkauf durch die bisherige Konzernmutter General Motors, könne man "einen wirklichen europäischen Champion" schaffen.

Die Franzosen werden durch den Kauf von Opel zum zweitgrößten Hersteller Europas. Gemeinsam haben die beiden zuletzt rund drei Millionen Fahrzeuge ausgeliefert, der gemeinsame Marktanteil lag bei knapp 17 Prozent in Europa (Volkswagen: 24 Prozent).

Der Verkauf ist eine Chance. Bislang musste sich Opel auf den europäischen Markt beschränken, um der Konzernmutter GM nicht auf den anderen Märkten wie China Konkurrenz zu machen. Nun könnten auch die Rüsselsheimer langfristig den Weltmarkt in Angriff nehmen. "Außerdem bekommt Opel jetzt auch eine kleine Nutzfahrzeugsparte, die Fahrzeuge musste man ja bislang teuer von anderen einkaufen", sagt Peter Dahlmann, Geschäftsführer der Neusser Dresen Gruppe, einem der größten Opel-Autohändler Deutschlands.

Übernahme durch PSA: Opel wird französisch
Foto: Ferl

Fast 90 Jahre dauerte die Partnerschaft zwischen GM und Opel - doch nun haben die Amerikaner nach Jahren hoher Verluste die Reißleine gezogen. Auch wenn GM-Chefin Mary Barra gestern die Vorteile des Verkaufs betonte, für die Amerikaner ist es ein Verlustgeschäft. 2,2 Milliarden Euro kassieren sie insgesamt für Opel, die britische Schwestermarke Vauxhall und das europäische Geschäft der Autobank GM Financial. Der niedrige Kaufpreis zeigt, wie wichtig es GM war, Opel loszuwerden. Unterm Strich wird der Deal sogar zu außerordentlichen Aufwendungen in Höhe von vier bis 4,5 Milliarden Dollar bei GM führen.

Viele müssen um ihre Jobs zittern. Opel beschäftigt rund 38.000 Mitarbeiter, rund die Hälfte davon in Deutschland. Verluste will PSA allerdings nicht akzeptieren - also muss das Unternehmen saniert werden. Einige Experten rechnen damit, dass bis zu ein Drittel der Jobs wegfallen könnte. "Opel muss das Geld für die Internationalisierung von PSA verdienen", sagt etwa Ferdinand Dudenhöffer, Auto-Experte von der Uni Duisburg-Essen.

Übernahme durch PSA: Opel wird französisch
Foto: Ferl
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PSA und Opel kooperieren bereits jetzt bei der Entwicklung von Fahrzeugen - das dürfte in Zukunft noch stärker der Fall sein. Viele Teile in künftigen Opel- und Peugeot-Modellen werden daher bald wohl identisch sein.

Peter Dahlmann, dessen Unternehmen unter anderem in Neuss, Krefeld und Düsseldorf Autohäuser betreibt, sieht in der Übernahme viele Chancen (siehe Interview). Man habe Citroën bereits im Vertrieb und mit Peugeot Service-Verträge. "Wir wissen genau, was wir bekommen", so Dahlmann. An einzelnen Standorten könne es natürlich dazu kommen, dass kleinere Opel- und Peugeot-Händler zusammengehen. Bei großen Händlern werde sich nichts ändern. "Nicht auszuschließen ist aber, dass wir künftig in Städten, in denen Peugeot bisher noch nicht vertreten ist, den Vertrieb übernehmen werden", so Dahlmann.

(frin)