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Frenzel verteidigt Strategie: TUI-Aktionäre nehmen sich Vorstand zur Brust

Frenzel verteidigt Strategie : TUI-Aktionäre nehmen sich Vorstand zur Brust

Hannover (rpo). Obwohl Europas größter Touristikkonzern TUI auf der Hauptversammlung in Hannover verbesserte Gewinnaussichten präsentieren konnte, sind die Aktionäre hart mit dem Vorstand ins Gericht gegangen. Die Entwicklung des Aktienkurses gefällt ihnen gar nicht.

Vor allem die Kursentwicklung stand in der Kritik der Anteilseigner. Konzernchef Michael Frenzel forderte die Anleger am Mittwoch in Hannover zu mehr Geduld auf.

Die Abkürzung TUI stehe für "Tränen unter Aktionären", erklärte Thomas Körfgen vom Aktienfonds der Bank SEB. Der Geschäftsführer der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS, Klaus Kaldemorgen, sprach von einem "deprimierenden Bild". Wolfgang Krafzcyk von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sagte: "Ein langer Atem wird von uns Aktionären erwartet."

Viele Aktionäre kritisierten das Zwei-Säulen-Modell von Vorstandschef Michael Frenzel, wonach Touristik und Schifffahrt die beiden Standbeine des Konzerns sind. Kaldemorgen schlug vor, den Konzern zu teilen. Frenzel lehnte das ab.

Zahlreiche Redner kritisierten die Entwicklung des Aktienkurses. Der Kurs der TUI-Aktie liegt unter dem Vorjahreswert, obwohl der DAX kräftig angezogen hat. "Mir wäre lieber, ich verträte hier nur eine Aktie", sagte SEB-Manager Körfgen. Die Verantwortung für die schwache Entwicklung wurde dem Vorstand um Frenzel angelastet. Der Manager bat: "Geben Sie uns die Zeit zu beweisen, wozu dieses Unternehmen in der Lage ist."

Höhere Gewinne aus Geschäft mit Schifffahrt

Zuvor hatte Frenzel angekündigt, er erwarte höhere Gewinne aus dem Geschäft mit der Schifffahrt. Ab 2008 zählt der Konzernchef auf jährlich 220 Millionen Euro Synergieeffekte statt wie bisher angenommener 180 Millionen Euro. Frenzel bekräftigte auf der Hauptversammlung seinen Ausblick, wonach im Jahr 2008 ein Ergebnis von 700 Millionen Euro in der Touristik erzielt werden soll. 2005 lag der vergleichbare Wert bei 365 Millionen Euro.

In der Schifffahrt sollen bis 2008 rund 650 Millionen Euro erzielt werden, kündigte Frenzel an. Bisher hatte er von 600 Millionen Euro gesprochen. Er begründete die höheren Gewinnerwartungen mit der schnelleren Integration der übernommenen kanadischen Reederei CP Ships.

Um das Ziel in der Touristik zu erreichen, will Frenzel in den kommenden zwei Jahren 210 Millionen Euro durch Kostenkürzungen und bessere Effizienz verbuchen. Vor allem das Geschäft in Deutschland soll dazu überarbeitet werden.

Weitere 120 Millionen Euro sollen die Billigfluggesellschaften des Konzerns abliefern, sowie neue Produkte. Im Hotelgeschäft will Frenzel 40 Millionen Euro mehr verdienen, indem der Konzern 25.000 neue eigene Hotelbetten schafft.

TUI kündigte außerdem eine Erweiterung des Vorstandes an: Der Chef der Reedereitochter Hapag-Lloyd, Michael Behrendt, rückt in die oberste Leitungsebene mit Verantwortung für die Schifffahrt auf. Durch die Übernahme der kanadischen Reederei CP Ships ist die Bedeutung dieser Sparte deutlich gestiegen.

Außerdem wird Peter Rothwell als neuer Touristik-Chef Vorstandsmitglied. Rothwell war bisher Bereichsvorstand mit der Zuständigkeit für Europa-Nord, also Großbritannien und Skandinavien.

Am Dienstag hatte TUI im Quartalsbericht mitgeteilt, dass der Konzern im Kerngeschäft die Verluste ausgeweitet hatte, aber mit dem Ertrag aus dem Verkauf eines Tochterunternehmens unter dem Strich mehr verdient hatte. Der Umsatz lag vor allem wegen der Übernahme von CP Ships mit 4,48 Milliarden Euro um 25,1 Prozent über dem Vorjahr.

(ap)