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Fleischfabrikant aus Rheda-Wiedenbrück: Tönnies will Blutverdünner herstellen

Fleischfabrikant aus Rheda-Wiedenbrück : Tönnies will Blutverdünner herstellen

In einem neuen Werk soll künftig der Grundstoff für Heparin gewonnen werden. Bisher kam der fast ausschließlich aus Asien.

Rund 16 Millionen Schweine schlachtet der Konzern von Clemens Tönnies pro Jahr. Den Darmschleim der getöteten Tiere will Europas größter Verwerter von Schweinefleisch künftig gewinnbringend zum Blutgerinnungshemmer Heparin weiterverarbeiten — und damit den Einstieg in den Pharma-Markt wagen.

In einer Fabrik, die an der Autobahn 2 zwischen Rheda-Wiedenbrück und Oelde für 21 Millionen Euro entsteht, sollen 20 Mitarbeiter ab Mitte des Jahres 2014 täglich rund 60 Tonnen Roh-Mucosa (Schleimhaut) als Rohstoff für das Medikament verarbeiten, teilte Tönnies mit. Daraus entstehen dann rund 150 Liter Grundstoff, die bei dem Berliner Heparin-Spezialisten Action Pharma in die Produktion einfließen sollen.

Bereits im Mai hatte sich Tönnies dafür die Mehrheitsanteile an dem Berliner Unternehmen gesichert. Mit dem Geschäft will die Tönnies-Gruppe künftig zusätzlich 60 bis 70 Millionen Euro Umsatz generieren. Neben Heparin sei später auch die Produktion von Insulin denkbar, sagte der Unternehmer. Für dieses Geschäftsjahr kündigte er insgesamt erstmals mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz an.

Das Naturprodukt Heparin gilt als unproblematischer Wirkstoff. Es sorgt dafür, dass das Blut langsamer gerinnt. Ärzte setzen Heparin zum Beispiel ein, um Thrombosen und Embolien zu verhindern. Nach Operationen an Gelenken kann das wichtig sein. Auch bei Herzkrankheiten kommt Heparin in unterschiedlichen Präparaten zum Einsatz. Dass Heparin als Beiprodukt in fleischverarbeitenden Betrieben gewonnen werde, sei nicht neu, sagte Rolf Hömke, Sprecher des Verbandes der forschenden Pharma-Unternehmen (Vfa). Dass sich nun ein deutscher Hersteller auf dem Markt etablieren will, offenbar aber schon. Denn bisher werde Heparin in erster Linie in Ostasien, vor allem in China hergestellt, sagte Hömke.

Clemens Tönnies will mit dem Argument einen Fuß in die Tür bekommen, dass er dann als erster Heparin-Produzent "eine hundertprozentige Rückverfolgbarkeit vom Bauern bis zum Endprodukt garantieren kann". Das werde zum 31. Januar des kommenden Jahres Pflicht in der Europäischen Union, so der Unternehmer. Tatsächlich hatte es im Jahr 2008 einen Skandal um gestrecktes Heparin aus China gegeben. Allein in den USA starben damals mehr als 80 Patienten, aus Deutschland wurden zunächst 31 Fälle mit schweren Nebenwirkungen bekannt.

(RP/csi)