Großschlachter im Visier des Kartellamts: Tönnies soll 90.000 Euro Bußgeld zahlen

Großschlachter im Visier des Kartellamts : Tönnies soll 90.000 Euro Bußgeld zahlen

Das Bundeskartellamt verlangt von Großschlachter Tönnies 90.000 Euro Bußgeld. Tönnies soll in einem Kaufantrag für die Übernahme des Schlachtunternehmens Tummel wichtige Informationen verschwiegen haben.

Bei der angestrebten Übernahme des Schlachtunternehmens Tummel (Schöppingen)
hätten wesentliche Angaben zur Mehrheitsbeteiligung von Tönnies an dem Wursthersteller zur Mühlen gefehlt, teilte die Bonner Kartell-Behörde am Dienstag mit. Das Gesetz schreibe aber vor, dass alle mit den Fusionspartnern verbundenen Unternehmen und deren Aktivitäten aufgeführt werden müssen. Sonst bestünde die Gefahr, dass das Amt aufgrund falscher Informationen entscheide, sagte Amtschef Andreas Mundt.

Das Bundeskartellamt hatte die Übernahme im November 2011 gestoppt. Bei der Beschaffung von Schlachtsauen sowie dem Vertrieb von Sauenfleisch an Fleischverarbeiter in Deutschland habe die Tönnies-Gruppe bereits eine marktbeherrschende Stellung, hieß es damals in der Begründung. Diese Stellung hätte sich durch die Übernahme von Tummel weiter verstärkt. Der Beschluss ist aufgrund der beim OLG Düsseldorf anhängigen Beschwerde von Tönnies nicht rechtskräftig.

Die Anmeldung der Tönnies Holding enthielt zwar Informationen zur Struktur der Unternehmensgruppe Tönnies, berichtete das Bundeskartellamt jetzt. "Sie enthielt jedoch keinerlei Angaben zu den Mehrheitsbeteiligungen, die Herr Clemens Tönnies als beherrschender Gesellschafter der Tönnies Holding seit 1998 nach und nach über den Treuhänder Peter zur Mühlen an Unternehmen der zur Mühlen-Gruppe erworben hatte."

Die zur Mühlen-Gruppe ("Böklunder", "Könecke", "Redlefsen", "Schulte" und "Plumrose") ist nach eigenen Angaben die Nr. 1 in Deutschland bei SB-Wurst- und Wurstkonserven. Die Tönnies-Gruppe hatte 2012 einen Umsatz von 5 Milliarden Euro. In den Betrieben werden jährlich 16 Millionen Schweine geschlachtet.

(lnw/jre/rm)