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Thyssenkrupp: Unternehmen verkauft Aufzugsparte für 17,2 Milliarden Euro

Zuschlag für Advent, Cinven und RAG-Stiftung : Thyssenkrupp verkauft Aufzugsparte für 17,2 Milliarden Euro

Cinven, Advent und die RAG-Stiftung bekommen von Thyssenkrupp den Zuschlag. Die Krupp-Stiftung als größte Einzelaktionärin begrüßte den Schritt.

Der Verkauf des Aufzuggeschäfts von Thyssenkrupp ist unter Dach und Fach. Wie der Konzern am Abend per Pflichtmitteilung bekannt gab, erhält das Konsortium um Advent, Cinven und die RAG-Stiftung den Zuschlag. Dafür stimmte der Aufsichtsrat nach mehrstündiger Sitzung. Der Kaufpreis beträgt 17,2 Milliarden Euro. Ganz zurückziehen werden sich die Essener allerdings nicht: 1,25 Milliarden Euro werden als Rückbeteiligung investiert.  Wie der Konzern mitteilte, soll das Closing der Transaktion bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres erwartet – also bis Ende September. Das übrige Geld soll im Konzern bleiben und zur Entschuldung sowie Finanzierung der Pensionsverpflichtungen genutzt werden.

Die Krupp-Stiftung als größte Einzelaktionärin begrüßte den Schritt: „Die getroffene Entscheidung ist richtig, auch wenn es bedauerlich ist, dass Thyssenkrupp Elevator nicht im Konzern verbleiben kann“, teilte die Stiftung mit und schickte gleich noch ein Lob an Interims-Konzernchefin Martina Merz hinterher: Der professionell gemanagte Prozess habe zu einem guten Ergebnis geführt. „Der Vorstand hat jetzt die Aufgabe, die Erlöse rasch und gezielt so einzusetzen, dass das Unternehmen sich erfolgreich entwickeln kann.“ Thyssenkrupp müsse wieder wettbewerbs- und dividendenfähig werden. Das sei auch im Sinne aller Beschäftigten.

Die äußerten sich ebenfalls zufrieden: „Es ist gut, dass die Beschäftigten von Thyssenkrupp Elevator nun endlich Klarheit und Sicherheit haben“, sagte der NRW-Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler. Jürgen Kerner, Hauptkassierer der IG Metall und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Thyssenkrupp, erklärte, nun gelte es, die bestehenden Geschäfte weiterzuentwickeln und Vertrauen zurückzugewinnen. „Dafür sind Investitionen und Qualifizierung der Beschäftigten dringend nötig. Thyssenkrupp hat eine schwierige, aber auch spannende Zeit vor sich und kann Vorreiter grüner Technologie in Europa werden.“

Tatsächlich sehen viele in dem Mittelzufluss die letzte Patrone für den angeschlagenen Industriekonzern. Zusätzlich zum Schuldenabbau und der Umstellung von Kohle auf sauberen Wasserstoff im Stahl sind weitere Milliardeninvestitionen nötig. Nach Meinung von Branchenbeobachtern sind für den geplanten Abbau von 6800 Stellen im Konzern Restrukturierungskosten von mindestens einer Milliarde Euro nötig.

Das Elevator-Geschäft hatte der frühere Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger einmal ins Zentrum seiner Mischkonzern-Strategie stellen wollen. Der Stahl sollte dagegen perspektivisch aus dem Konzern herausgelöst werden. Das Vehikel dafür sollte das Joint-Venture mit Tata Steel Europe werden. Der Deal kam nie zustande. Bedenken der EU-Wettbewerbshüter konnten nicht ausgeräumt werden.

Inzwischen stehen die Zeichen diametral entgegengesetzt. Konzernchefin Merz wurde in den vergangenen Wochen nicht müde, die Bedeutung des Stahlgeschäfts für den Konzern zu betonen. Also jener Sparte, die als äußerst zyklisch gilt und in die nach Ansicht der Beschäftigten in den vergangenen Jahren viel zu wenig investiert worden ist. Die Belegschaft hatte deshalb zusätzlich zu den ohnehin anstehenden Instandhaltungsinvestitionen weitere Mittel in Höhe von 1,5 Milliarden Euro gefordert. Etwa 800 Millionen Euro hat das Management zugesagt.

Das Konsortium Advent, Cinven und RAG-Stiftung  hat mit seinem Angebot die zweite Gruppe (Carlyle, Blackstone und den Kanadischen Pensionsfonds) aus dem Feld geschlagen. Bereits am 17. Februar waren die letzten strategischen Investoren wie der finnische Aufzughersteller Kone aus dem Rennen ausgeschieden. Thyssenkrupp-Aktien zogen nachbörslich deutlich an.