Sparte war Kartellsünder ThyssenKrupp stößt Gleistechnik ab

Düsseldorf · ThyssenKrupp gibt nach den illegalen Preisabsprachen seinem Gleistechnikgeschäft den Laufpass. Der Konzern kündigte am Montag an, die Sparte zu verkaufen. Er begründete dies damit, dass die Tochter GfT Gleistechnik im deutschen Markt nur noch begrenzte Wachstumschancen habe.

Historische Bilder von ThyssenKrupp
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Zudem stehe sie unter einem verstärkten Kostendruck. Neben der Gleistechnik stößt Konzernchef Heinrich Hiesinger auch die Bautechnik-Aktivitäten ab. Beide Bereiche beschäftigen insgesamt rund 800 Mitarbeiter und erzielten zuletzt einen Umsatz von 400 Millionen Euro. Der Prozess stehe noch ganz am Anfang, erläuterte ein Sprecher.

Verkaufsverhandlungen gebe es noch nicht. Die Aussicht auf eine Veräußerung gab dem Aktienkurs umgehend Auftrieb. Das Papier baute seine Gewinne zeitweise auf 1,6 Prozent aus. Die Gleistechnik verkauft als Handelsunternehmen Schienen, Schwellen und Weichen. Die Bautechnik hat Maschinen und Geräte im Programm. ThyssenKrupp hat in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Firmen abgestoßen, darunter große Teile der Automobilzulieferung oder das Edelstahlgeschäft. Hiesinger sucht zudem einen Käufer für das verlustreiche Stahlgeschäft in Amerika. Dies hat im Geschäftsjahr 2011/12 maßgeblich zum Verlust von fünf Milliarden Euro beigetragen.

ThyssenKrupp machte keine Angaben dazu, wie schnell ein Verkauf über die Bühne gehen könnte. Da solche Prozesse aber Monate dauern, ist mit einem Abschluss im noch bis Ende September laufenden Geschäftsjahr 2012/13 kaum zu rechnen. ThyssenKrupp hat nach eigenen Angaben das Bundeskartellamt und die im Schienenkartell ermittelnde Staatsanwaltschaft über seine Pläne informiert. Der Konzern machte keine Angaben dazu, wie sich sein Vorhaben auf die Gespräche mit der Deutschen Bahn auswirken könnten. Die Bahn fordert wegen der illegalen Preisabsprachen Schadenersatz in dreistelliger Millionenhöhe. Zum Schienenkartell gehörten auch die österreichische Voestalpine und der Bahntechnikkonzern Vossloh. Voestalpine hatte sich vergangene Woche als erstes Kartellmitglied mit der Bahn auf Schadenersatz geeinigt.

(REU/felt)
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