ThyssenKrupp macht mit Heinrich Hiesinger erstmals wieder Gewinn

Heinrich Hiesinger bis 2020 Chef : ThyssenKrupp macht erstmals wieder Gewinn

Drei Jahre in Folge schrieb ThyssenKrupp Milliardenverluste. Jetzt hat Konzernchef Heinrich Hiesinger (54) die Wende geschafft. Der Aufsichtsrat bestätigte Hiesinger bereits als Vorstandsvorsitzenden.

Drei Jahre in Folge schrieb ThyssenKrupp Milliardenverluste. Jetzt hat Konzernchef Heinrich Hiesinger (54) die Wende geschafft: Wenn er heute im Essener Hauptquartier des geschichtsträchtigen Industriekonzerns vor der weltweiten Wirtschaftspresse das Geschäftsjahr 2013/14 bilanziert, steht unter dem Strich wohl erstmals wieder ein kleiner Gewinn. In Konzernkreisen ist von einem Nettogewinn in Höhe von rund 200 Millionen Euro die Rede. Auch eine Dividende soll es nach zwei Leerjahren für die Anleger jetzt wieder geben. Branchenbeobachter halten 20 Cent pro Aktie für möglich.

Heinrich Hiesinger. Foto: bauer

Aber selbst wenn der ThyssenKrupp-Flurfunk Recht behält: 200 Millionen Euro Gewinn und 20 Cent Dividende sind für einen Konzern mit 40 Milliarden Euro Umsatz noch kein Grund zum Jubeln. Aber gemessen am Schrecken der vergangenen drei Jahre, in denen der Konzern in der Spitze mehr als 14 Millionen Euro pro Tag verbrannt hat, wäre das trotzdem ein beachtlicher Erfolg. Der Aufsichtsrat hat gestern darauf reagiert und Hiesingers Vertrag um fünf Jahre verlängert. Vorzeitig - seine aktuelle Amtsperiode läuft erst im September 2015 aus.

Die Dividende war gestern Nachmittag ebenfalls Thema bei der Sitzung der ThyssenKrupp-Kontrolleure. Aufsichtsratschef Ulrich Lehner soll daran erinnert haben, dass ein riskantes Investment wie der Kauf von ThyssenKrupp-Anteilsscheinen den Konzern zu Ausschüttungen verpflichtet. Größter Einzelaktionär ist die Krupp-Stiftung, die diese Ausschüttungen braucht, um ihren wohltätigen Verpflichtungen nachzukommen. Zum Beispiel hat die Stiftung der Stadt Essen das Folkwang-Museum spendiert.

Hiesinger war aus Sicht der meisten Beobachter nicht der einzige, aber der wesentliche Faktor für die Trendwende. Mit seiner "Null-Toleranz-Politik" hat der unprätentiöse Bauernsohn aus Schwaben dem verfilzten Ruhrkonzern seinen Hang zu Kungeleien, übertriebenem Hierarchie-Gehabe und einer augenzwinkernd geduldeten Führungskultur oft am Rande und manchmal auch jenseits der Legalität ausgetrieben. Daneben baute er den Konzern um. Systematisch schneidet er das ehemals dominante Stahlgeschäft bei ThyssenKrupp zugunsten der Technologiesparten zurück, um weniger konjunkturanfällig zu sein. Inzwischen macht der Stahl weniger als ein Drittel der Konzerngeschäfte aus.

(RP)
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