Thyssenkrupp gibt wegen Kartellverfahren Gewinnwarnung ab

Sorgen wegen Kartellverfahren: Thyssenkrupp gibt Gewinnwarnung heraus

Wegen neuer Erkenntnisse in einem Kartellverfahren geht der Konzern von einem Jahresüberschuss von nur noch 100 Millionen Euro aus. Die Fusion der Stahlsparte mit Tata sei aber nicht gefährdet, so das Management.

Neuer Ärger bei Thyssenkrupp. Am Donnerstagabend gab der Essener Industriekonzern per Pflichtmitteilung eine Gewinnwarnung ab. Für das Geschäftsjahr 2017/18 rechnet das Management nur noch mit einem Jahresüberschuss von 100 Millionen Euro – nach 271 Millionen im Vorjahr. Der Aktienkurs brach nachbörslich um 7,9 Prozent ein.

Auslöser für die schlechteren Zahlen ist ein laufendes Kartellverfahren gegen den Konzern. Konkret geht es um den Vorwurf von Preisabsprachen mehrerer Hersteller von Grobblechen und Flachstahl. Ins Visier der Kartellbehörde ist dabei auch der Branchenverband Wirtschaftsvereinigung Stahl geraten. Nach einem Bericht des „Manager Magazins“ wird auch gegen dessen Präsidenten Hans Jürgen Kerkhoff ermittelt.

Wie Thyssenkrupp in der Pflichtmitteilung schreibt, habe man den Sachverhalt „mit externer Unterstützung“ intern geprüft. Mit einem offenbar besorgniserregenden Ergebnis. Schließlich schreibt der Konzern weiter: „Nach derzeitiger Erkenntnislage können wir erhebliche nachteilige Auswirkungen auf Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns nicht ausschließen.“

In einem internen Brief an die Belegschaft, der unserer Redaktion vorliegt, schreibt Rechtsvorstand Donatus Kaufmann: „Mittlerweile haben wir Erkenntnisse in dem Ermittlungsverfahren, die uns dazu bewogen haben, im Konzernjahresabschluss eine Rückstellung zu bilden. Das ist eine Form der Risikovorsorge, zu der wir als Kapitalgesellschaft gesetzlich verpflichtet sind.“

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Da es sich bei dem Vorgang um ein noch laufendes Verfahren des Bundeskartellamts handele, könne er nicht viel dazu sagen, so Kaufmann. „Nur so viel: Es geht um Altfälle. Die handelnden Personen arbeiten bereits allesamt nicht mehr in ihren Verantwortungsbereichen beziehungsweise sind nicht mehr im Unternehmen.“

Der Vorstand erklärte, die „aktuellen Entwicklungen werden keinerlei Auswirkungen auf die beabsichtigte Partnerschaft mit Tata Steel Europe haben; die Parteien tragen etwaige Risiken aus der Vergangenheit selbst“.

Das Kartellverfahren ist nicht das einzige Problem, das Thyssenkrupp bewogen hat, seine Prognose anzupassen: Auch für im vierten Quartal aufgetretene Qualitätsprobleme im Bereich Components Technology (Automobilzulieferung) musste der Konzern Rückstellungen bilden. Hinzu komme, dass das Ergebnis der Aufzugsparte unter den Erwartungen liege, teilte Thyssenkrupp mit. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern für das Geschäftsjahr 2017/18 werde voraussichtlich bei 1,6 Milliarden Euro liegen. Ursprünglich war der Industriekonzern von 1,8 Milliarden ausgegangen.

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