Thyssenkrupp beendet eine Ära

Kommentar: Ende der Stahl-Ära

Krupp: Der Name stand über 200 Jahre für Stahl. Auf die vielen Krisen, die die Branche seit den 1960er Jahren durchgemacht hat, hat das Unternehmen mit immer neuen Fusionen und Schrumpfkuren reagiert, bis es in Deutschland keinen Partner oder Gegner mehr zum Fusionieren gab.

Jetzt legt Konzern-Chef Heinrich Hiesinger den Stahl mit der indischen Tata zusammen und legt damit zugleich die Basis für die endgültige Trennung vom Stahlgeschäft in sechs Jahren. Dass die Stahlwerke in Duisburg künftig einer in Amsterdam sitzenden Holding gehören, macht den Standort auf Dauer noch unsicherer.

Nun ist Tradition kein Argument im Wirtschaftsleben, zudem liegt Hiesinger im Trend: Bayer hat mit der Abspaltung von Covestro seine Wurzeln als Chemiekonzern gekappt, Eon mit der Abspaltung von Uniper die als Stromerzeuger.

Dass Hiesinger am Ende erfolgreich ist, muss dennoch bezweifelt werden. Sieben Jahren steht er nun an der Spitze. Zu seinen Verdiensten gehört, dass er das von seinen Vorgängern angerichtete Brasilien-Desaster beendet hat, das Thyssenkrupp fast ruiniert hätte. Doch eine echte Wachstumsstrategie für den großen Rest des Konzerns ist bis heute nicht erkennbar. Das zeigt sich auch darin, dass er gleich drei Aufsichtsräte der Kapitalseite nicht für seine Pläne gewinnen konnte. Ohne den Pakt mit den Arbeitnehmer-Vertretern hätte der Aufsichtsrat ihn abserviert. Das ist schon ein Vorgang für das Kontrollgremium eines deutschen Industriekonzerns, in denen es meistens viel zu friedlich zugeht.

Hiesinger hat sich mit der Auslagerung des Stahl Zeit gekauft. Aus der Krisenzone sind weder er noch der Konzern. Und was von der alten Thyssenkrupp am Ende überhaupt noch bleibt, ist eine Frage. Womöglich wird es ein mittelgroßer Aufzugs- und Anlagenbauer, bei dem nur noch der Name an alte Glanzzeiten erinnert. So bleibt Thyssenkrupp das Dax-Sorgenkind des Ruhrgebiets.

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