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Thyssenkrupp baut 11.000 Stellen ab - Kündigungen nicht ausgeschlossen

Kündigungen nicht ausgeschlossen : Thyssenkrupp baut 11.000 Stellen ab

Der Stahlkonzern rutscht immer tiefer in die Krise: Er macht fünf Milliarden Euro Verlust und weitet den Stellenabbau massiv aus. In den nächsten drei Jahren müssen Tausende Mitarbeiter gehen. Auch Kündigungen sind möglich - ein Tabubruch.

Ein Schlag für NRW: Thyssenkrupp rutscht immer tiefer in die Krise und weitet den Stellenabbau massiv aus: Statt der angekündigten 6000 sollen nun 11.000 Jobs wegfallen, wie der Essener Konzern am Donnerstag mitteilte. „Wir befinden uns mitten im größten Restrukturierungsprozess seit Bestehen von Thyssenkrupp. Dazu gehört auch ein weiterer Stellenabbau, daran führt leider kein Weg vorbei“, sagte Personalvorstand Oliver Burkhard. Schlimmer noch: „Betriebsbedingte Kündigungen sind die Ultima Ratio. Wir können sie im Moment aber nicht ausdrücklich ausschließen.“ Das ist ein Tabubruch in dem Konzern, der stets viel auf partnerschaftlichen Umgang mit den Arbeitnehmern gesetzt hatte. Die Stellen sollen in den kommenden drei Jahren wegfalllen.

Die Bilanz des Konzerns fiel verheerend aus: Im Geschäftsjahr, das im September endete, machte Thyssenkrupp einen Verlust (Ergebnis vor Steuern) von 5,6 Milliarden Euro. Im Vorjahr lag der Verlust bei 0,9 Milliarden. Nur dank des einmaligen Erlöses aus dem Verkauf des Aufzuggeschäfts (Elevator) kam es unterm dem Strich zu einem Konzerngewinn von zehn Milliarden Euro. Doch nun ist das Tafelsilber weg.

„Die Corona-Pandemie ist eine gewaltige Belastungsprobe für Thyssenkrupp“, sagte Konzern-Chefin Martina Merz. Die Stärkung der Bilanz durch den Elevator-Verkauf gebe zwar Spielraum. „Aber: Wir sind noch nicht da, wo wir hin müssen. Die nächsten Schritte können schmerzhafter werden als die bisherigen. Wir werden sie dennoch gehen müssen.“ Die Gespräche über Fusionen, Partnerschaften und Staatsbeteiligung beim Stahl laufen. Der Konzern kündigte an: „Eine Grundsatzentscheidung für den Stahlbereich wird voraussichtlich im Frühjahr 2021 getroffen.“

Im Geschäftsjahr 2019/2020 sind die Aufträge um 17 Prozent eingebrochen. Der Umsatz verringerte sich um 15 Prozent auf 28,9 Milliarden Euro. Der Konzern hat massiv Geld verbrannt: Der freie Cash Flow lag bei minus 5,5 Milliarden Euro. Ohne den Elevator-Verkauf wäre es für Thyssenkrupp eng geworden. Mit dem Elevator-Verkauf kam man auf einen Cash Flow von neun Milliarden Euro. Dem Konzern stehen noch härtere Zeiten bevor. Die Aktionäre gehen ohnehin leer aus: „Auch vor dem Hintergrund der bestehenden operativen Herausforderungen ist für eine Dividende in diesem Jahr kein Raum“, so Thyssenkrupp.