Thyssenkrupp-Aufsichtsrat: Grolms führt Geschäfte

Krise bei Industriekonzern : Gewerkschafter führt vorerst Thyssenkrupp-Aufsichtsrat

Das Kontrollgremium hat sich auf keinen Nachfolger für Ulrich Lehner einigen können. Damit übernimmt nun sein Stellvertreter, Markus Grolms, die Geschäfte des Gremiums. Der wurde von der IG Metall entsandt.

Nach dem Abgang von Vorstandschef Heinrich Hiesinger und Chefkontrolleur Ulrich Lehner findet der Essener Traditionskonzern vorerst nicht zur Ruhe. Nachdem bereits Finanzvorstand Guido Kerkhoff nur übergangsweise den Vorstandsposten übernommen hat, tritt nun die zweite Interrimslösung an zentraler Stelle in Kraft. „Mit Ablauf des heutigen Tages wird zunächst Markus Grolms als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats die Geschäfte des Aufsichtsrats weiterführen“, sagte ein Konzernsprecher.

Für die Nachbesetzung von Lehners Aufsichtsratssitz kann der Thyssenkrupp-Vorstand nun einen externen Kandidaten vorschlagen. Ein Gericht würde nach Anhörung der Aufsichtsräte den Kandidaten dann berufen. Für die Wahl zum Aufsichtsratsvorsitzenden wäre eine Zweidrittelmehrheit nötig.

Für Grolms, der dem Thyssenkrupp-Aufsichtsrat seit 2009 angehört, ist es eine Aufgabe auf Zeit. Er führt nur die Geschäfte, ist kein Vorsitzender. Grolms hatte zuletzt scharfe Kritik an Hiesinger und Lehner geübt: „Manager können wegrennen. Unsere Leute in den Werken und Verwaltungen können das nicht“, hatte er gesagt.

Der gelernte Glaswerker hat berufsbegleitend an der Fern-Universität Hagen Sozialpsychologie, Politikwissenschaften und Jura studiert. 2007 schlug er die Laufbahn eines hauptamtlichen IG-Metall-Funktionärs ein – zunächst als Trainee in der Vorstandsverwaltung in Frankfurt, ab 2008 holte ihn NRW-Bezirksleiter Oliver Burkhard, heute Personalvorstand bei Thyssenkrupp, als Projektleiter nach Düsseldorf. Im gleiche Jahr zog Grolms auch in den Aufsichtsrat der Thyssenkrupp AG ein.

Hiesingers und Lehners Rücktritt vorausgegangen war ein Streit um die Strategie des Traditionskonzerns. Aktivistische Investoren wie Cevian und Elliott dringen darauf, lukrative Unternehmensteile abzuspalten und zu verkaufen. Hiesinger und Lehner dagegen galten als Verfechter des Mischkonzerns. Das Thyssenkrupp-Portfolio umfasst neben dem klassischen Stahlgeschäft auch den Bau von Aufzüge, U-Boote, Industrieanlagen und Automobil-Teilen. Auch der Werkstoffhandel bildet eine Business Area.

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