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Sparprogramm: Thyssen-Stahlsparte schrumpft

Sparprogramm : Thyssen-Stahlsparte schrumpft

Duisburg (RP). Die abstrakte Zahl von einer Milliarde Euro, die Konzernchef Ekkehard Schulz dem Konzern als jährliches Sparziel verordnet hat, bekommt ein Gesicht: Die Duisburger Stahlsparte wird Hunderte von Jobs abbauen müssen.

Die Stahlsparte muss den Löwenanteil zu dem milliardenschweren Sparpaket von ThyssenKrupp betragen. Wie ein Sprecher von ThyssenKrupp Steel gestern unserer Zeitung bestätigte, soll die Stahltochter mit ihren weltweit 41 000 Mitarbeitern vom nächsten Geschäftsjahr an 340 Millionen Euro pro Jahr einsparen. Das gesamte Sparpaket, das Konzernchef Ekkehard Schulz Ende November angekündigt hatte, beläuft sich auf eine Milliarde Euro pro Jahr.

Die Zahl von 1500 Stellen, die ThyssenKrupp deshalb am Hauptsitz der Stahlsparte in Duisburg abbauen wolle, bezeichnete der Sprecher allerdings als "völlig aus der Luft gegriffen". Er wollte einen Stellenabbau nicht ausschließen, aber über konkrete Zahlen werde im Konzern noch nicht gesprochen. Der mögliche Stellenabbau sei auch nur eine von zehn Tätigkeitsfeldern, die ein achtköpfiges Projektteam bei ThyssenKrupp Steel identifiziert habe, um das ehrgeizige Sparziel zu erreichen. "Andere sind zum Beispiel die Optimierung des Einkaufs und das Sparen von Energiekosten", sagte der Sprecher.

"Betriebsbedingte Kündigungen"

Willi Segerath, Chef des Gesamtbetriebsrates von ThyssenKrupp Steel, sagte gestern gegenüber unserer Redaktion, er könne sich "betriebsbedingte Kündigungen" im Rahmen des neuen Sparpaketes bei ThyssenKrupp Steel "derzeit nicht vorstellen". Schließlich gebe es eine Vereinbarung mit der Konzernspitze vom Oktober 2006, in der solche Kündigungen bis September 2013 ausgeschlossen seien.

"Ich erwarte von dem Konzern gerade jetzt, in diesen schwierigen Zeiten , unbedingte Vertragstreue", so Segerath. Schließlich habe man sogar bei der Fusion von Thyssen und Krupp die Zahl der Stahl-Mitarbeiter von 24 500 auf 18 000 senken können, ohne dass es zu Kündigungen gekommen sei. Auch der Steel-Sprecher verwies auf diesen Vertrag und sprach verwies für den Fall von einem Stellenabbau auf "sozialverträgliche Maßnahmen wie die Nicht-Nachbesetzung ausscheidender Mitarbeiter oder Altersteilzeit".

Personalkosten größter Kostenblock

Das Sparziel von 340 Millionen Euro pro Jahr dürfte allerdings kaum ohne einen Stellenabbau zu realisieren sein. Selbst wenn andere Bereiche wie der Energiebedarf oder der Einkauf optimiert werden können, machen die Personalkosten auch bei ThyssenKrupp immer noch den größten Kostenblock aus. In der Stahlbranche werden die Durchschnittskosten pro Arbeitsplatz inklusive Schulungen und Ausrüstung mit 150 000 Euro pro Jahr angenommen. Laut dieser groben Schätzung kosten 670 MItarbeiter die Stahlsparte also rund 100 Millionen Euro pro Jahr.

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Als Industriegüterkonzern ist ThyssenKrupp von der Wirtschaftsflaute überproportional betroffen. Vor allem der Einbruch in der Autoindustrie schlägt sich bei dem Düsseldorfer Dax-Riesen als rapide eingebrochene Nachfrage nach Qualitätsflachstahl nieder. Ungeachtet dessen hält der Konzern an seinen milliardenschweren Neubau-Projekten für je ein neues Stahlwerk in Brasilien und in Nordamarika fest.

(RP)