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Tesla unterbricht Produktion in Grünheide​

Elektroautobauer : Tesla unterbricht Produktion in Grünheide

Die Fertigung ruht zehn Arbeitstage und soll in dieser Zeit beschleunigt werden. Bislang rollten 1000 Autos pro Woche vom Band. Die Produktionsgeschwindigkeit soll ab August verdoppelt werden.

Es ist etwas mehr als drei Monate her, dass der US-amerikanische Elektroautobauer Tesla unter großem öffentlichen Tamtam sein erstes europäisches Werk eröffnete. Damals reiste Konzernchef Elon Musk aus Kalifornien an, um in Grünheide die ersten Modelle der Marke werbewirksam an die Kunden zu übergeben. Der Ort ist weniger als 40 Kilometer entfernt von Berlin – und so reiste nicht nur die politische Spitze des Landes Brandenburg an, sondern auch der Bundeskanzler persönlich: „Der Osten ist industriell vorne mit dabei“, sagte Olaf Scholz damals.

15 Wochen später hinkt der Osten hinterher – zumindest vorübergehend. Denn Tesla will die Produktion in Grünheide einem Bericht des Magazins „Teslamag“ zufolge ab dem kommenden Montag in Grünheide unterbrechen. Bis 22. Juli soll demnach dann die Fertigung ruhen – und in dieser Zeit will Tesla die Kapazitäten ausbauen, sowohl technisch als auch personell. Dieser Schritt sei schon seit Ende März so geplant gewesen, heißt es.

Angesichts der stets großen Ambitionen des Elon Musik erscheint eine Beschleunigung der Produktion auch geboten. Rund eine halbe Million Autos soll Tesla den Plänen seines Vordenkers zufolge fertigen. Das freilich war nie für die ersten Monate nach dem Produktionsstart gedacht. Musk hat stets betont, dass das Erreichen der 500.000er-Marke nicht von heute auf morgen funktionieren könne. Aber wenn man wie momentan nur 1000 Autos pro Woche schafft, dann wären das gerade mal gut zehn Prozent des Zielwertes, und das ist bei aller Vorsicht in der Prognose schon ein deutlicher Unterschied.

Ab Montag sind also offenbar zwei Wochen Pause. In der Zwischenzeit sollen die Abläufe in Grünheide so umgestellt werden, dass ab August an jeder Stelle des Produktionsprozesses das neue Auto maximal 45 Sekunden stillstehen soll. Was eine Verdoppelung des bisherigen Arbeitstempos bedeuten würde und damit, einfach gerechnet, eine Verdoppelung der Stückzahlen. Gelingt der Plan, könnte der E-Autobauer den Rückstand vermutlich bald wieder aufgeholt haben.

„Solche vorübergehenden Werksschließungen sind heute durch die Flexibilisierung von Arbeitszeiten leichter zu handhaben“, sagt Jürgen Pieper, Autoanalyst beim Bankhaus Metzler. Er schätzt die Kosten, die durch den zweiwöchigen Produktionsausfall entstehen, auf 50 Millionen bis 100 Millionen Euro. Das ist aber vergleichsweise wenig, wenn man bedenkt, dass Tesla Milliardenbeträge in das Werk in Brandenburg investiert hat und vom Bund und vom Land Brandenburg auch in ähnlichen Größenordnungen gefördert worden ist.

Und womöglich sind zwei Juli-Wochen des Jahres 2022 auch ein günstiger Zeitpunkt, weil Tesla wie andere Autobauer zuletzt unter den extremen Störungen in den Lieferketten gelitten hat, die die Autobranche schon lange beeinträchtigen. Als die Corona-Krise begann und die Beschäftigten aufgefordert wurden, so weit wie möglich im Home­office zu arbeiten, waren auch Laptops, Drucker und Spielekonsolen stark gefragt. Dadurch ist der Bedarf an Computerchips enorm gewachsen, und das hat natürlich auch die Autoindustrie zu spüren bekommen. Ganz abgesehen von Lieferstaus durch die Stilllegung von Werken in China.

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Tesla hat jedenfalls im zweiten Quartal dieses Jahres nur noch etwas mehr als 250.000 Fahrzeuge ausgeliefert, ein Rückgang von etwa 20 Prozent gegenüber den ersten drei Monaten des laufenden Jahres. Elon Musk hat in dem Zusammenhang mit den Lieferproblemen bereits von einem Albtraum für die Branche gesprochen und auch einen Personalabbau nicht ausgeschlossen. Dazu kamen zuletzt Probleme mit der Software, die dazu geführt haben, dass der US-amerikanische Konzern knapp 60.000 Fahrzeuge weltweit zurückrufen muss.

In Grünheide ist den bisherigen Planungen zufolge noch in diesem Jahr eine Belegschaft mit 12.000 Beschäftigten geplant. Das bedeutet, dass Tesla beim Personal noch einmal deutlich zulegen müsste. Rund 5000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt es in Brandenburg derzeit, rein rechnerisch müssten also pro Woche im Durchschnitt noch einmal um die 200 dazukommen. Ob es dafür eine dritte Schicht geben soll, ist derzeit noch offen.

Der E-Auto-Pionier Elon Musk hatte die Milliardeninvestition in Grünheide im November 2019 angekündigt und schon drei Monate später mit dem Bau des Werkes begonnen. Ursprünglich wollte er die Fertigung in Brandenburg schon Mitte des vergangenen Jahres anlaufen lassen, doch dann verzögerte sich die Genehmigung, weil Tesla eine Batteriefabrik erst nachträglich anmeldete.