Tesla: NRW, Rheinland-Pfalz und Saarland werben um Gigafabrik

US-Autobauer : NRW, Rheinland-Pfalz und Saarland werben um Teslas Gigafabrik

Macht Elektroautobauer Tesla bald Gewinn?

Für die wirtschaftlich eher schwächeren Bundesländer Rheinland-Pfalz und Saarland wäre der Bau einer Großfabrik ein Standortvorteil. Deshalb umwerben sie den US-Elektroautobauer Tesla. Der will eigenen Angaben zufolge eine Gigafabrik in Deutschland bauen.

Auch Nordrhein-Westfalen bringt sich als Standort für ein europäisches Werk des amerikanischen Elektroautobauers Tesla ins Spiel. "Das Land hat über seine Wirtschaftsförderungsgesellschaft NRW.Invest auf verschiedenen Kanälen Kontakt zu Elektromobilitäts-Anbietern in aller Welt aufgenommen, auch zu Tesla Motors", teilte das Düsseldorfer Wirtschaftsministerium am Dienstag auf Anfrage mit. Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) habe in einem Brief das Unternehmen über den geplanten Green Battery Campus in Euskirchen als idealen grenznahen Standort informiert.

Wie ein Sprecher des saarländischen Wirtschaftsministeriums am Dienstag sagte, steht die dortige Wirtschaftsförderungsgesellschaft mit Tesla in Kontakt. Zuvor hatten Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) und die stellvertretende Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) einen Brief an Tesla-Gründer Elon Musk geschrieben, auf den das Unternehmen mittlerweile geantwortet habe.

Inhalt und Fortgang der Gespräche wollte die saarländische Regierung zunächst nicht kommentieren. Zuerst hatte das "Wall Street Journal" über die Werbungsversuche der Bundesländer berichtet. Demnach habe Tesla Anfang Juli einem Treffen zugestimmt, zitierte das Blatt Wirtschaftsministerin Rehlinger. Der Konzern prüfe, ob das Bundesland seinen Ansprüchen genüge, sagte die SPD-Politikerin demnach. Offizielle Verhandlungen hätten aber noch nicht begonnen.

Dem "Wall Street Journal" zufolge ist neben dem Saarland auch Rheinland-Pfalz stark an der Fabrik interessiert. "Wir haben alles mögliche getan, um sicher zu gehen, dass Rheinland-Pfalz im Rennen um die Fabrik ist", sagte ein Beamter des dortigen Wirtschaftsministeriums der Zeitung. Doch auch mit ihnen wolle Tesla noch nicht verhandeln.

Tesla will international expandieren. Anfang Juli vereinbarte der Konzern mit der chinesischen Stadt Shanghai den Bau einer sogenannten Gigafabrik. Darin sollen sowohl die E-Autos als auch die Batterien dafür gebaut werden. Die chinesische Fabrik würde die knappen Produktionskapazitäten des Autobauers extrem erhöhen. In den USA baut Tesla seine Autos im Bundesstaat Kalifornien, die Batterien produziert das Unternehmen im benachbarten Bundesstaat Nevada. Dort hatte Tesla immer wieder mit massiven Problemen zu kämpfen.

Mitte Juni hatte Tesla-Chef Musk auf Twitter über eine mögliche europäische Fabrik geschrieben: "Deutschland ist eine Top-Wahl in Europa". Er brachte damals die Region an der deutsch-französischen Grenze und in der Nähe der Benelux-Staaten ins Spiel.

Dem Bericht zufolge werben auch die Niederlande um die "Gigafabrik". Ein Sprecher des niederländischen Wirtschaftsministeriums bestätigte der Zeitung, dass es Kontakte gab. "Aber wir sprechen nicht über vertrauliche Gespräche mit potenziellen Investoren".

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer findet es grundsätzlich gut, dass sich auch NRW um den Standort der Fabrik bemüht, schränkt aber ein: „Natürlich macht es für NRW Sinn, sich um Unternehmen aus dem Bereich Elektromobilität zu bemühen. Das muss aber nicht Tesla sein, es wäre viel sinnvoller, um Firmen wie BYD, Samsung oder Panasonic zu werben“, sagt der Leiter des Car Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen: „Kooperationen mit chinesischen oder koreanischen Firmen sind wertvoller für NRW als auf den kalifornischen Weihnachtsmann zu warten.“

(felt/AFP/dpa/frin)