Tesla beginnt im Frühjahr mit Fabrikbau in Brandenburg - und NRW könnte profitieren

Erstes Werk in Europa : Tesla beginnt im Frühjahr mit Fabrikbau in Brandenburg - und NRW könnte profitieren

Euskirchen hat bei der Standortwahl für das neue Tesla-Werk das Nachsehen. Dennoch könnte NRW am Ende von den Plänen des Unternehmens profitieren.

Elon Musk schätzt die deutsche Ingenieurskunst, die Bauplanung will sich der Chef des Elektroauto-Pioniers Tesla hingegen nicht zum Vorbild nehmen: „Wir werden definitiv ein höheres Tempo vorlegen müssen als der Flughafen“, sagte Musk in Anspielung auf den um Jahre verzögerten Bau des Berliner Flughafens, der künftig in der Nähe seiner geplanten Giga-Fabrik liegen könnte. Am Dienstag hat Musk überraschend angekündigt, das erste Tesla-Werk in Europa in Brandenburg errichten zu wollen.

Tesla-Fabrik nahe Berlin soll bis zu 7000 Stellen schaffen

Welche Pläne hat Tesla-Chef Elon Musk in Deutschland?

Die Fabrik soll Batterien für Elektroautos, Antriebe sowie auch ganze Fahrzeuge bauen. So soll etwa der Kompakt-SUV Model Y dort vom Band laufen. Der Start der Bauarbeiten ist laut der Landesregierung in Brandenburg für das erste Quartal 2020 geplant, bis zu 8000 Arbeitsplätze könnten entstehen.


Was sprach für Deutschland?

Deutschland ist in Europa das Autoland Nummer eins, nirgendwo sonst gibt es so viel Kompetenz. Das weiß auch Elon Musk. Die Bundesregierung wertet aber auch die eigene Energiewende als entscheidendes Kriterium bei der Standortwahl. Tesla wolle Energie allein durch Erneuerbare Energien beziehen, hieß es im Umweltministerium. Dies sei offenbar ein Punkt gewesen, der für Deutschland gesprochen habe. Zusagen für Subventionen oder einen Ausbau der Infrastruktur gebe es bislang nicht, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums.

Wie reagierte die Bundesregierung auf die Pläne?

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) spricht von einem „großartigen Erfolg“ für den Standort Deutschland. „Zum einen, weil zukunftssichere Arbeitsplätze entstehen, zum zweiten, weil damit der Automobilstandort Deutschland international weiter aufgewertet wird und zum dritten, weil wir damit auch einen Meilenstein erleben im Hinblick auf E-Mobilität und Batteriezellproduktion“, sagte Altmaier.

Was bedeutet der Plan für NRW?

Auch in NRW hat man sich Hoffnungen auf die Tesla-Fabrik gemacht. Laut NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) war Euskirchen bis zuletzt in der engeren Auswahl. Dennoch sei die generelle Entscheidung für Deutschland als Standort gut für NRW. „Die Ansiedlung eröffnet beste Chancen für die marktführenden Automobilzulieferer im Sauerland, in Südwestfalen und anderen Regionen.“

Generell profitiert laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) nicht nur Brandenburg. „Durch eine Tesla-Produktion in Deutschland würde die gesamte Zulieferindustrie hierzulande gestärkt“, sagt DIW-Ökonom Alexander Schiersch.

Was bedeuten Musks Pläne für die Debatte um Standorte für Batterieforschung und Produktion?

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) lud den Autohersteller ein, in die deutsche Batterieforschung zu investieren. „Alle Investoren können sich auch an dieser Forschung in Deutschland mit eigenen Beiträgen beteiligen“, sagte Karliczek auch mit Blick auf Tesla.

Die Ministerin fördert den umstrittenen Aufbau einer Batterieforschungsfabrik in Münster, auch Altmaier will bis zu eine Milliarde Euro bis 2022 in deutsche Batteriefabriken investieren. Susanne Eisenmann, CDU-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl 2021, hofft auf Bundesmittel für Standorte in Baden-Württemberg. „Die Ankündigung von Tesla bringt definitiv Schwung in die Debatte um die Batterieforschung“, sagte Eisenmann: „Wir hoffen deshalb sehr auf die in Aussicht gestellte Förderung durch das Wirtschaftsministerium.“


Wird die IG Metall auch bei Tesla mitregieren?

Die Macht der Gewerkschaft hat der Tesla-Chef schon beim Kauf des rheinland-pfälzischen Zulieferers Grohmann zu spüren bekommen. Dort lieferte sich die IG Metall mit dem US-Konzern über Monate eine massive Auseinandersetzung. Im Oktober 2017 gab Tesla nach und unterzeichnete ein Tarifwerk.

Diesmal ist die Gewerkschaft offenbar davon überzeugt, dass sie bei Tesla keine Probleme bei der Durchsetzung von Tarifverträgen haben wird. Der zuständige Bezirksleiter Olivier Höbel begrüßte jedenfalls die Ankündigung des Tesla-Chefs: „Wir gehen davon aus, dass die technologische Innovationskraft von Tesla Hand in Hand gehen wird mit der sozialen Innovationskraft von Tarifverträgen und Mitbestimmung.“

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