Satelliten-Fernsehen: Telekom will in Pay-TV-Markt investieren

Satelliten-Fernsehen: Telekom will in Pay-TV-Markt investieren

Die Deutsche Telekom will ihre Position im deutschen Pay-TV-Markt ausbauen. Ein Konzernsprecher sagte am Mittwoch, das Unternehmen erwäge ab 2013 auch die Satellitenrechte für die Übertragung der Fußballbundesliga zu erwerben. Bislang kann der Konzern die Spiele seinen Zuschauern nur per Internet anbieten.

Damit könnte der bislang weitgehend vom Pay-TV-Anbieter Sky beherrschte Markt für bezahlte Live-Berichterstattung von Bundesligaspielen in den nächsten Jahren vor großen Umbrüchen stehen.

Der Bonner Konzern steht unter Handlungsdruck. Der Ex-Monopolist leidet seit Jahren unter der Erosion seiner Marktanteile im klassischen Festnetzgeschäft und den sinkenden Margen im Mobilfunk. Der Ausbau des Fernsehangebots "Entertain" gilt in dieser Situation als eine der größten Wachstumshoffnungen des Konzerns. Schon 2010 hatte Konzernchef René Obermann das Ziel ausgegeben, in Deutschland Marktführer im Pay-TV zu werden.

Mit 1,5 Millionen Kunden zum Jahresende liegt "Entertain" allerdings noch deutlich hinter Marktführer Sky zurück. Beim weiteren Wachstum könnten die Fußballrechte eine Schlüsselrolle spielen. Denn die Bundesliga gilt in Deutschland als einer der wenigen Inhalte, für die Fernsehzuschauer zu zahlen bereit sind.

Eine Vielzahl von Chancen

Bis vor kurzem waren die Satellitenrechte für die Telekom nicht von Interesse, weil sie ihr TV-Paket lediglich per Internet vertrieb. Das Problem dabei: Die dafür notwendigen schnellen Internetverbindungen sind in großen Teilen Deutschlands noch nicht verfügbar. Seit September bietet der Konzern aber mit "Entertain Sat" ein Mischangebot, bei dem Satellitenübertragung und Internetanschluss kombiniert werden.

Der Vorteil: Da dafür keine superschnellen Internetverbindungen mehr nötig sind, kann das Unternehmen mit dem neuen Angebot bis zu 80 Prozent der deutschen Bevölkerung erreichen. Der Haken dabei: Ausgerechnet die Live-Berichterstattung von der Fußballbundesliga bleibt für diese Kunden bislang tabu.

Verwertungsrechte ab 2013

Doch Abhilfe scheint greifbar. Bereits Anfang nächsten Jahres will die Deutsche Fußball Liga (DFL) die Verwertungsrechte für die Bundesligaspiele ab der Saison 2013/2014 ausschreiben. Die Telekom müsste nur zu und wohl tief in die Tasche greifen.

Zwar betont die Telekom, sie wolle die Rechte "nicht um jeden Preis". Doch könnte die Entscheidung dadurch erleichtert werden, dass sich dem Unternehmen auf dem TV-Markt derzeit eine Vielzahl von Chancen bietet. So steht der Satellitenmarkt vor einem Umbruch: Ende April 2012 endet die Übertragung analoger Satellitenkanäle. Eine einmalige Gelegenheit, neue Kunden zu gewinnen.

Außerdem gelang es der Telekom kürzlich erstmals, in die Domäne der Kabelnetzbetreiber einzudringen und mit dem Immobilienkonzern Deutsche Annington einen Vertrag über die Versorgung von bundesweit 171.000 Wohnungen mit TV-Diensten abzuschließen.

Weitere könnten folgen. Denn um vom Bundeskartellamt grünes Licht für den Zusammenschluss mit Kabel Baden-Württemberg zu erhalten, hat Konkurrent Unitymedia großen Wohnungsunternehmen für die bestehenden langjährigen Verträge ein Sonderkündigungsrecht eingeräumt. Die Deutsche Telekom könnte zu den Gewinnern dieses Deals gehören.

(DAPD)
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