Köln: Telekom hofft auf Milliarden-Geschäft in den USA

Köln : Telekom hofft auf Milliarden-Geschäft in den USA

In Deutschland will Vorstandschef Tim Höttges den Service deutlich verbessern - auch um Vodafone auf Distanz zu halten.

Steht bei der Telekom das große Stühlerücken bevor? Zumindest bei der Hauptversammlung gestern in der Kölner Lanxess Arena geschah das schon. Vorstand und Aufsichtsrat saßen mitten in der Halle vor den Aktionären mit einer riesigen Leinwand hinter sich statt wie bisher an der Längsseite. So fiel es nicht so auf, dass nur rund 2500 Aktionäre statt wie früher bis zu 11 000 Besucher gekommen waren. Und nachdem es in den vergangenen Tagen Berichte über eine geplante Umstrukturierung des Vorstands gab, stellte Aufsichtsratschef Ulrich Lehner im Gespräch mit unserer Zeitung klar, dass er an sich auf Kontinuität setzt: "Solche Artikel sind unverantwortlich und falsch. Das schafft nur völlig unnötige Unruhe."

Der seit Januar amtierende neue Vorstandschef Tim Höttges forderte in seiner Rede, eine neue Regulierung des europäischen Telefon - und Internetgeschäftes. Die Telekom wolle gerne mehr in neue Netze investieren. Aber es könne nicht sein, dass US-Internetkonzerne wie Google oder Facebook ohne eigenen Kostenbeitrag die europäischen Netze nutzen, um mit Videotelefonie (Skype von Microsoft) oder Nachrichtendiensten wie Whatsapp (neuerdings ein Ableger von Facebook) das Geschäft der Telefonkonzerne zu attackieren. Es sei insbesondere nicht akzeptabel, dass die US-Angreifer die Daten der Kunden ohne Rücksicht auf europäisches Recht auswerten, wogegen europäische Anbieter an hiesiges Recht gebunden sind. Höttges: "Wir befürworten eine EU-Datenschutzverordnung mit hohen Standards. Diese müssen aber auch für außereuropäische Anbieter gelten, wenn sie Dienste hier anbieten."

Zum wichtigen USA-Geschäft deutete der Vorstandschef an, die Telekom könne ihren Ableger T-Mobile USA nun möglicherweise schon bald verkaufen. Entscheidend sei nun "die Sicht der amerikanischen Wettbewerbsbehörden" - das klingt so, als ob die Behörde schon prüfe, ob T-Mobile USA an den etwas größeren Wettbewerber Sprint verkauft werden darf. Dann kämen mehr als zwölf Milliarden Euro in die Kasse, um in Europa zu wachsen.

Für Deutschland kündigte Höttges an, dass die Telekom den Service deutlich verbessern wolle. Nachdem sie bereits "Nummer Eins" beim Kundendienst sei, solle sich bis 2018 die Zahl der Beschwerden halbieren. Dazu will er das Netz in Deutschland und ganz Europa komplett digitalisieren. Als ein Ergebnis würden Kunden dann bei einem Umzug einfach ihren Internet-router in der alten Wohnung ausstöpseln und in der neuen Wohnung wieder einstöpseln - die neue Freischaltung liefe dann automatisch in Sekunden.

Höttges betonte, er nehme die Düsseldorfer Vodafone Deutschland zunehmend als den entscheidenden Wettbewerber im Heimatmarkt wahr, seit Vodafone für zehn Milliarden Euro Kabel-Deutschland (KD) kaufte. Aber die Telekom liege bei der Integration von Festnetz- und Mobilfunk weit vorne und decke ganz Deutschland mit einem eigenen Festnetz ab - Kabel-Deutschland als neuer Festnetzableger von Vodafone sei dagegen nur in einem "Drittel des Landes" präsent - die Telekom werde also noch sehr lange führen.

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(RP)
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