Altmodische Kurznachrichten Post stellt Telegramm-Dienst ein – fast niemand wird es mitbekommen

Düsseldorf · Über Jahrzehnte war das Telegramm ein beliebter Weg, schriftliche Kurznachrichten zu verschicken. Spätestens seit der SMS ist die Technik jedoch überholt. Was viele nicht wissen: Die Post bietet noch heute Telegramme an – aber nicht mehr lange.

 Das Logo der Deutschen Post (Archiv).

Das Logo der Deutschen Post (Archiv).

Foto: dpa/Martin Schutt

Die Deutsche Post stellt zum 31. Dezember ihren Telegramm-Dienst ein. Darüber berichten „Paketda.de“ und die „Welt“. Zuvor hatten demnach auch Frankreich, Österreich, die Schweiz und Ungarn das Telegramm abgeschafft.

Die Anfänge des Telegramms liegen bereits im frühen 19. Jahrhundert, als die technische Grundlage gelegt wurde. Der Clou damals: Statt einer tage- oder wochenlangen Zustellung einer Nachricht per Post wurde die Nachricht per Morseverbindung über weite Distanzen zugestellt. Anschließend musste sie nur noch am Empfängerort verschriftlicht und zugestellt werden – das war binnen weniger Stunden möglich.

 Ein Modell des von Samuel Morse erfundenen Telegrafen aus dem Jahr 1837. Am 24. Mai 1844 verschickte Morse sein erstes Telegramm (Archivfoto).

Ein Modell des von Samuel Morse erfundenen Telegrafen aus dem Jahr 1837. Am 24. Mai 1844 verschickte Morse sein erstes Telegramm (Archivfoto).

Foto: dpa/Sanjeev Gupta

Das Telegramm war entsprechend über viele Jahrzehnte sehr beliebt, auch wenn man sich beim Formulieren sehr kurzfassen musste. Laut „Welt“ wurden beispielsweise im Jahr 1978 in Deutschland noch 13 Millionen Telegramme verschickt. Doch seit der Erfindung von SMS und Internet ist die Technik aus der Mode gekommen: Ein Telegramm braucht heute niemand mehr.

Doch immerhin: Bisher bot die Deutsche Post das Telegramm weiter als Zustellform an. Beworben wird es auf der Website als „unvergessliche Nachricht für den besonderen Anlass“. Die Beauftragung sei bis 3 Uhr nachts für die Zustellung am selben Tag möglich. Die Übergabe erfolge schließlich persönlich durch den Postboten.

Doch das hat auch seinen Preis: Ein Mini-Telegramm ohne Schmuckblatt für bis zu 160 Zeichen kostete zuletzt 12,57 Euro – ein Maxi-Telegramm von bis zu 480 Zeichen inklusive Schmuckblatt ganze 21,98 Euro.

Die Post spricht von einem „aufmerksamkeitsstarken Produkt“. Laut „Welt“-Bericht wurde das Telegramm zuletzt noch von Firmen für Grußbotschaften an langjährige Mitarbeiter genutzt – oder zum Versand von Mahnungen.

Doch damit ist nun Schluss, die Telegramm-Zustellung wird eingestellt. Mitbekommen werden es aber nur wenige. Der Grund für die Einstellung laut Post: Die Nachfrage war zu gering.

(hebu)
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