Nach Protesten von Datenschützern: Telefónica nimmt Abstand von "Smart-Step"

Nach Protesten von Datenschützern : Telefónica nimmt Abstand von "Smart-Step"

Nach heftigem öffentlichem Protest unter anderem der Bundesregierung und einiger Datenschützer wird der Münchener Mobilfunker O2 darauf verzichten, Kundendaten an andere Unternehmen zu verkaufen. Dies erfuhr unsere Redaktion aus Kreisen des Top-Managements.

Man wolle wegen des geplanten Projektes keine weiteren Auseinandersetzungen, heißt es intern. Allerdings habe es sowieso noch keinen konkreten Plan gegeben, das Produkt "Smart Steps" in Deutschland einzuführen. Und es sei von vornherein klar gewesen, dass das Schwesterunternehmen Telefonica Dynamic Insights aus London nur aggregierte, anonyme Daten und Bewegungsinformationen verkauft und/oder ausgewertet hätte. Im Kern hätten Unternehmen erfahren, welche Kundengruppen sich besonders gerne an besonderen Orten aufhalten und wie diese möglicherweise auf Marketinganreize reagieren.

"Datenschutz und Kundenzufriedenheit haben bei Telefónica oberste Priorität. Nach dem Feedback unserer Kunden haben wir uns nun allerdings entschieden, Smart Step in Deutschland nicht einzuführen", sagte ein Telefónica-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag. Telefónica habe immer betont, dass es keine konkreten Pläne gebe, ein Produkt wie "Smart Step" in Deutschland einzuführen, betonte der Sprecher.

Telefónica hatte Anfang Oktober angekündigt, Kundendaten vermarkten und sich damit neue Einnahmequellen erschließen zu wollen. Für die Verwertung der Datenberge - unter dem Schlagwort "Big Data" einer der wichtigsten Trends in der Informationstechnik - gründete Telefónica Anfang Oktober die Tochtergesellschaft Telefónica Dynamic Insights.

Ziel sei es, Unternehmen, aber auch der öffentlichen Verwaltung, "analytische Einsichten" zu liefern, "die es diesen ermöglichen, effektiver zu werden", teilte Telefónica bei der Gründung mit. Das erste Produkt mit der Bezeichnung "Smart Steps" soll anonymisierte Bewegungsdaten von Kunden analysieren und dann zum Beispiel Einzelhändlern Erkenntnisse über das Verhalten von Besucherströmen liefern.

(RP/dpa)
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