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Teldafax: Zweiter Anlauf im Prozess um den Billigstromanbieter

Billig-Stromanbieter : Zweiter Anlauf im Teldafax-Strafprozess

Das Verfahren gegen drei ehemalige Top-Manager des insolventen Billigstromanbieters Teldafax wird ab heute neu aufgerollt. Der erste Prozess war im Februar 2014 wegen eines Verfahrensfehlers geplatzt. Bis Anfang August hat der Vorsitzende Richter der 9. Großen Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht Bonn 34 Prozesstage terminiert.

Weitere Sitzungen sind danach bis kurz vor Weihnachten eingeplant. Ob es in dem spektakulären Strafverfahren noch in diesem Jahr ein Urteil geben wird, ist ungewiss.

Vor einem Jahr war der Prozess schon nach zwei Verhandlungen abgebrochen worden. Die Verteidigung hatte zuvor die Zusammensetzung des Gerichts gerügt, das kurzfristig als Hilfsstrafkammer eingerichtet worden war. Um keinen Revisionsgrund zu liefern, erklärte sich das Gericht für nicht zuständig.

Die Chefankläger werfen den drei Ex-Managern gewerbsmäßigen Betrug, Bankrotthandlungen in mehreren Fällen und Insolvenzverschleppung vor. Bei einer Verurteilung drohen ihnen mehrjährige Haftstrafen.

Teldafax hatte mit einem höchst fragwürdigen Geschäftsmodell gearbeitet, der Vorkasse. Verbraucherschützer und Bundesnetzagentur warnten zwar schon frühzeitig vor solchen Angeboten, die Kunden kümmerte das aber wenig - am Ende waren es mehr als 700 000. Teldafax sah sich als "größter unabhängiger Energiedienstleister" Deutschlands und gab sich als Trikotsponsor des Fußball-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen einen seriösen Anstrich. Die günstigen Tarife, die über weite Strecken unter den Einkaufspreisen gelegen haben sollen, mussten mit immer mehr Vorauszahlungen neuer Kunden finanziert werden. Kritiker sprachen bald von einer Art Schneeballsystem. Später konstatierte Insolvenzverwalter Biner Bähr unmissverständlich: "Hier haben Leute versucht, mit dem Unternehmen Geld zu verdienen auf Kosten anderer."

Obwohl Teldafax längst als überschuldet galt, lief das Geschäft weiter. Erst im Juni 2011 meldete die Firma Insolvenz an. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft viel zu spät. Schon 2009 soll das Unternehmen reif für die Insolvenz gewesen sein. Der Insolvenzverwalter ist immer noch dabei, ausstehende Forderungen einzutreiben.

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(dpa)