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Ministerin Thoben verärgert: Tausende Strommasten aus sprödem Thomasstahl in NRW

Ministerin Thoben verärgert : Tausende Strommasten aus sprödem Thomasstahl in NRW

Düsseldorf (RP). In Nordrhein-Westfalen stehen weit mehr bruchgefährdete Strommasten als befürchtet. Masten aus sprödem Thomasstahl waren im vergangenen Dezember unter Schneelasten umgeknickt und hatten für tagelange Stomausfälle im Münsterland gesorgt. Das Engagement der Netzbetreiber, das Problem in den Griff zu bekommen, lässt zu wünschen übrig.

Düsseldorf (RP). In Nordrhein-Westfalen stehen weit mehr bruchgefährdete Strommasten als befürchtet. Masten aus sprödem Thomasstahl waren im vergangenen Dezember unter Schneelasten umgeknickt und hatten für tagelange Stomausfälle im Münsterland gesorgt. Das Engagement der Netzbetreiber, das Problem in den Griff zu bekommen, lässt zu wünschen übrig.

Dennoch sind sowohl die Sanierungsbemühungen als auch die Sensibilität für das Thema seitens der Netzbetreiber aus Sicht von NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) "völlig unzureichend", so Thoben auf Anfrage.

Nach Informationen unserer Zeitung haben von 90 von der Ministerin angeschriebenen Netzbetreibern in NRW lediglich 39 geantwortet, darunter waren sieben Unternehmen mit Masten aus Thomasstahl im Bestand.

Dieser Stahl wurde häufig in den 60er Jahren verwandt und gilt als sehr bruchanfällig. Das Bundesamt für Materialprüfung hatte zusammen mit extremen Schneefällen im Dezember des vorigen Jahres Thomasstahl als Ursache für den massenhaften und tagelang andauernden Stromausfall bei RWE im Münsterland ausgemacht.

Thoben ist zunehmend verärgert über die zögerliche Haltung der Netzbetreiber, was die Sanierung angeht. So seien selbst Unternehmen, die eine Vielzahl von Thomasstahl-Masten in ihrem Bestand haben, nicht bereit, ein Sanierungsprogramm aufzulegen. "Und das, obwohl die Gutachterergebnisse und die Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde eine Sanierung für erforderlich halten."

In der Tat: So hat etwa Eon Westfalen Weser, einer der größten Stromversorger in NRW, zwei Drittel seiner Masten aus besagtem Thomas-Stahl erstellt. Von 1834 Hochspannungsmasten der Eon-Tochter seien 1218 Stück bis zum Jahr 1965 wie bis dahin üblich aus Thomasstahl erstellt worden. Ein Eingreifen hält das Unternehmen trotz der spektakulären Vorkommnisse im Münsterland nicht für nötig. In einem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, heißt es, Bestandteile dieser Leitungen seien auf die Stahlqualität untersucht worden.

"Die in den bisherigen Ergebnissen nachgewiesene Stahlqualität entspricht den üblichen Vorgaben, wie sie zur Bauzeit der Leitungen üblich waren." Mit anderen Worten: Der Thomasstahl entspricht der Qualität von Thomasstahl in den 60er Jahren.

"Da keine Mastumbrüche aufgetreten sind und die Untersuchungsergebnisse keine Hinweise für einen Handlungsbedarf ergaben, existiert kein explizit durch Thomasstahl begründetes Sanierungsprogramm", so Eon Westfalen Weser. Für morgen hat Thoben die Spitzen des Verbandes deutscher Elektrizitätswerke und des Verbandes der Netzbetreiber einbestellt.

(Rheinische Post)