Taschenhersteller Bree droht die Insolvenz

Kurz vorm 50-jährigen Jubliäum : Taschenhersteller Bree droht Insolvenz

2020 feiert das Unternehmen sein 50. Firmenjubiläum. Doch nun hat Taschenhersteller Bree Insolvenz in Eigenverwaltung beantragen müssen. Denn nach einem Radikalumbau läuft vor allem das Online-Geschäft schlecht.

Ein Jahr vor seinem 50. Geburtstag hat der traditionsreiche Taschenhersteller Bree beim Hamburger Amtsgericht Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Trotz intensiver Bemühungen und einer kompletten Neuaufstellung sei es nicht gelungen, das Geschäft in die schwarzen Zahlen zurückzuführen, teilte das Unternehmen mit.

Firmenchef Stefan Treiber, der in München auch die mittelständische Unternehmensberatung Candidus führt, hatte die Zentrale des Taschenherstellers erst im Herbst 2018 – nach Verlusten und Turbulenzen in den Jahren zuvor – vom niedersächsischen Isernhagen nach Hamburg verlegt. Auch die Kollektion wurde verjüngt, die Anzahl der Mitarbeiter deutlich verringert. Zusätzlich wollte Bree mit der Modernisierung der stationären Geschäfte sowie einem neuen Online-Shop eine massive Umsatzsteigerung und damit die finanzielle Wende schaffen. Diese Strategie ging aber nicht auf. In den rund 30 eigenen Filialen würden die Geschäfte zufriedenstellend laufen, der Anteil des Online-Umsatzes liege aber noch immer nur bei fünf Prozent, hieß es. „Das ist selbst für die erfolgreiche Traditionsmarke Bree zu wenig, um überleben zu können. Andere Taschenhersteller erzielen heute bereits 20 Prozent ihres Umsatzes im Online-Geschäft“, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens. Um diese Größenordnung zu erreichen, brauche Bree deshalb einen starken, international erfolgreichen Investor aus der Branche.

Die Geschäftsführung von Bree möchte nun gemeinsam mit dem vom Amtsgericht Hamburg bestellten Sachverwalter rasch einen Investor finden, der den Umbau von Bree zu einem erfolgreichen Ende führe. Beantragt wurde ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Dieses kommt dann in Betracht, wenn ein Unternehmen dauerhaft fortgeführt werden kann und sich eine konkrete Sanierungsperspektive bietet. Der Betrieb laufe normal weiter. Die Gehälter und Löhne der Mitarbeiter seien durch das Insolvenzgeld für die nächsten drei Monate gesichert. Insgesamt seien derzeit 160 Mitarbeiter beschäftigt, teilte Bree auf Nachfrage mit.

Der Taschenhersteller war 1970 vom selbstständigen Designer Wolf Peter Bree und seiner Frau Renate in Hannover gegründet worden. Im Naturleder sahen sie die Möglichkeit, ihre Ideen ideal verwirklichen zu können. In den 80er Jahren eröffnete das Unternehmen gemeinsam mit Franchise-Partnern auch Geschäfte in Tokio und Beverly Hills (USA). 2001 übernahmen zwei Söhne die Führung. Philipp Bree verkaufte seinen Anteil 2012 an Privatinvestoren. Anfang 2018 stieg auch Miteigentümer Axel Bree als letzter Vertreter der Gründerfamilie aus.

Beim Bundesverband der Schuh- und Lederwaren-Industrie bedauerte man die Nachricht. Bree sei Mitglied im Verband und eine Traditionsmarke, sagt Hauptgeschäftsführer Manfred Junkert auf Anfrage. Die Lederwaren-Branche steckt aufgrund des Strukturwandels im Einzelhandel im Umbruch. Es sei deshalb grundsätzlich unabdingbar, über ein gutes Online-Konzept zu verfügen. „Sonst wird es schwierig“, sagt Junkert. „Denn online gibt es Wachstum, im stationären Handel nicht.“

Die Gesamtbranche wuchs im vergangenen Jahr leicht. Der Umsatz der deutschen Lederwaren- und Kofferhersteller stieg um 0,8 Prozent auf 613 Millionen Euro. Die größte Bedeutung hat nach Verbandsangaben das Inlandsgeschäft. Im Ausland erzielten die Unternehmen im Vorjahr einen Umsatz von 197,8 Millionen Euro, was einem Zuwachs von 0,2 Prozent gegenüber 2017 entspricht. Vor allem die Geschäfte außerhalb der Eurozone seien im vergangenen Jahr hinter den Erwartungen zurückgeblieben, heißt es.

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