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Ratingen: Tarifverhandlungen bei Karstadt starten in die heiße Phase

Ratingen : Tarifverhandlungen bei Karstadt starten in die heiße Phase

Für fast 20.000 Menschen geht es um die berufliche Zukunft: Die Tarifverhandlungen für die Karstadt-Beschäftigten gehen am Dienstag in die entscheidende Phase.

Nachdem bei den ersten drei Treffen der Tarifpartner eine genaue Analyse der Unternehmenssituation im Mittelpunkt gestanden habe, gehe es bei den Gesprächen in Ratingen um die konkreten Verhandlungen, sagte der Verdi-Verhandlungsführer Arno Peukes am Montag.

Peukes rechnet mit einer harten Auseinandersetzung. "Die Arbeitgeberseite hat Maximalforderungen auf den Tisch gelegt, die nicht akzeptabel sind", sagte er. Statt in das Unternehmen zu investieren, setze Karstadt auch nach dem Einstieg des österreichischen Immobilien-Investors René Benko ausschließlich auf weitere Zumutungen für die Beschäftigten und auf eine konzeptlose Sparpolitik. Nach Betriebsratsangaben will das Unternehmen eine Streichung des Urlaubsgelds und der tariflichen Sonderzahlung (Weihnachtsgeld) ab 2015 sowie eine Erhöhung der Arbeitszeiten durchsetzen.

Ziel der Gewerkschaft ist es nach Peukes Worten, "so viele Arbeitsplätze und Standorte wie möglich zu erhalten, und dass für die Beschäftigten perspektivisch wieder die Tarifbindung gilt". Außerdem müsse eine schnelle Lösungen für die Karstadt-Mitarbeiter der sechs Häuser gefunden werden, die schon im kommenden Jahr geschlossen werden sollen.

Das Management unter dem neuen Eigner Rene Benko hat Arbeitnehmervertretern zufolge ein "Paket der Grausamkeiten" geschnürt - hier die wichtigsten Punkte:

SCHLIESSUNG VON FILIALEN Das Karstadt-Management hat das Aus für Karstadt-Warenhäuser in Stuttgart und Hamburg beschlossen. Zudem sollen die zwei K-Town-Filialen, mit denen der Traditionskonzern junge Kunden gewinnen wollte, in Göttingen und Köln die Pforten schließen. Auch für zwei Schnäppchen-Zenter in Paderborn und Frankfurt/Oder ist das Aus beschlossen. 331 Mitarbeiter sind von den Plänen betroffen, deren Großteil bis zum 30. Juni 2015 umgesetzt werden soll. Weitere Filialen stehen auf dem Prüfstand.

PERSONALABBAU In den Filialen sollen Personalkosten gespart werden. Dem Betriebsrat zufolge sind knapp 2000 Vollzeitstellen bedroht. Berücksichtigt man auch Teilzeitstellen, stünden insgesamt rund 3000 Stellen auf der Kippe.

ABBAU VON LEISTUNGEN Das Urlaubsgeld soll Arbeitnehmervertretern zufolge nach dem Willen des Managements wegfallen, Sonderzahlungen in Gestalt des Weihnachtsgelds sollen ab 2015 gestrichen werden.

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TARIFBINDUNG Karstadt hatte im Mai 2013 eine "Tarifpause" verkündet — seitdem spart sich der Konzern anders als Konkurrent Kaufhof Tariferhöhungen. Die Gewerkschaft Verdi pocht auf eine Rückkehr des Warenhausriesen in den Tarifvertrag. Zumindest "perspektivisch" müsse dies geschehen, fordert die Gewerkschaft. Das Management will die Wochenarbeitszeit den Arbeitnehmern zufolge zudem auf 40 Stunden erhöhen.

(dpa)