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Kritik an hohen Margen: Studie: Stromkonzerne kassieren zu viel

Kritik an hohen Margen : Studie: Stromkonzerne kassieren zu viel

Saarbrücken (RPO). Und wieder einmal zahlt der Verbraucher mehr: Im Januar werden etliche Stromkonzerne erneut ihre Preise anziehen. Und das offenbar auch noch ohne Grund, wie aus einer Studie im Auftrag der Grünen hervorgeht. Dabei gebe es durchaus Möglichkeiten, Preissenkungen an den Kunden weiterzugeben.

Die angekündigten Strompreiserhöhungen für Haushaltskunden zum Jahreswechsel sind nach Einschätzung des Gutachtens ungerechtfertigt. "Die Preise dürften nicht auf breiter Front steigen", heißt es in der Studie des Leverkusener Energiewirtschaftsexperten Gunnar Harms.

Würden die Energiekonzerne auf ihre erhöhten Gewinnmargen verzichten, könnten die Preiserhöhungen vermieden werden — trotz der zu Jahresbeginn steigenden EEG-Umlage zur Förderung der Erneuerbaren Energien, die die Kunden bezahlen.

Energie aus Wind, Sonne oder Biomasse soll bis zum Jahr 2050 massiv ausgebaut werden und den Strom aus Kohle, Gas und Atomkraft weitgehend ersetzen. Die Bundesregierung hebt daher die sogenannte EEG-Umlage — EEG steht für das Erneuerbare-Energien-Gesetz — zu Jahresbeginn um mehr als 70 Prozent auf etwa 3,5 Cent pro Kilowattstunde an. Das Geld erhalten die Produzenten des Ökostroms über die Einspeisevergütung.

Anstieg um durchschnittlich sieben Prozent

Kaum war diese Entscheidung gefallen, hatten die großen Energiekonzerne deutliche Strompreiserhöhungen zum 1. Januar 2011 angekündigt. Durchschnittlich klettern die Preise um sieben Prozent gegenüber 2010, die höchsten Anstiege verzeichnen Hamburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die Energieversorger begründeten den Schritt vor allem mit der Anhebung der EEG-Umlage.

Da die Konzerne auf der anderen Seite Preissenkungspotenzial ungenutzt ließen, könne die Umlage allein nicht für die Preiserhöhungen herangezogen werden, argumentiert Harms. Seit 2008 seien die Beschaffungskosten für Strom um 30 bis 40 Prozent gesunken, wenngleich sie in jüngster Zeit wieder angestiegen sein dürften.

Zudem sei auch die Umlage für Energie aus der Kraft-Wärme-Kopplung rückläufig. Die Versorger hätten ihre Gewinnmargen seit 2006 nahezu verdreifacht. "Durch die nicht nachvollziehbaren Preiserhöhungen zahlen die Verbraucher in 2011 deutschlandweit rund zwei Milliarden Euro zu viel an die Stromversorger", schreibt Harms im Gutachten.

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn forderte die Kunden auf, häufiger den Stromanbieter zu wechseln. "Gerade große Konzerne wie Vattenfall und EnBW langen jetzt noch mal richtig zu", sagte Höhn.

2010 Rekordjahr für Konzerne

Das Gutachten kommt überdies zu dem Ergebnis, dass 2010 ertragsmäßig ein Rekordjahr insbesondere für die vier großen Stromversorger wird. "Ihr gesamter Jahresgewinn dürfte bei rund 30 Milliarden Euro liegen. Nie zuvor haben sie einen höheren Gewinn eingefahren", analysiert Harms.

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Energie wird derzeit allerdings auch wegen des besonders kalten Winters teurer: Stark steigende Nachfrage nach Heizöl im Nordosten der USA und in Europa ließ den Rohölpreis zum Jahresende noch einmal nach oben schnellen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete zeitweise 94,52 US-Dollar und damit so viel wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Dass die Gewinne der Konzerne in den letzten Jahren gestiegen sind, zeigen nun auch Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Demnach kassierten die Versorgungsunternehmen im Jahr 2009 im Durchschnitt 17,75 Cent je Kilowattstunde, das waren 7,3% mehr als 2008.

Teuer war das Jahr 2009 auch für Sondervertragskunden. Dort lag der Durchschnittserlös für Stromlieferungen bei 10,49 Cent je Kilowattstunde. Das sind 15,8 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren. Sondervertragskunden sind dabei diejenigen, die einen besonders hohen Stromverbrauch haben und dadurch Preise individuell aushandeln.

Laut den Statistikern lässt sich der starke Anstieg durch die längeren Laufzeiten der Lieferverträge und die darin vereinbarte Preisen erklären. Denn als Basis für die Stromlieferungen im vergangenen Jahr galt das oft hohe Preisniveau in der zweiten Hälfte des Jahres 2008.

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(RP/dapd/das)