Marktführer zieht nach Eon erhöht Strompreise in NRW um 45 Prozent

Düsseldorf · 98 Grundversorger haben in NRW die Preise erhöht oder dies angekündigt, zum Juni zieht Marktführer Eon nach. Die Preisbremsen helfen nur begrenzt. Das Kartellamt plant Ermittlungen gegen Anbieter.

Strom wird in NRW teurer trotz Preisbremse (Symbolbild).

Strom wird in NRW teurer trotz Preisbremse (Symbolbild).

Foto: dpa/Philipp von Ditfurth

Tausende Verbraucher in Nordrhein-Westfalen müssen für Strom tiefer in die Tasche greifen: Marktführer Eon erhöht zum 1. Juni seine Preise in der Grundversorgung, wie er dieser Tage vielen Kunden mitteilt. „In Teilen von NRW liegt der neue Arbeitspreis bei 49,44 Cent brutto je Kilowattstunde, das bedeutet für einen durchschnittlichen Verbrauch eine Anpassung um rund 45 Prozent“, bestätigte ein Sprecher von Eon Energie. Das Vergleichsportal Verivox berechnet, was das für einen Dreipersonen-Haushalt in NRW bedeutet, der von Eon in der Grundversorgung beliefert wird: Er zahlt ab Juni 2125 Euro für einen Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden Strom.

Verbraucherschützer sind alarmiert. „Die Steigerungen, die Eon angekündigt hat, sind sehr drastisch“, sagte Amelie Vogler, Energieexpertin der Verbraucherzentrale NRW. Das sei für Bürger vor allem ärgerlich, weil die Energiepreise an der Börse seit einer Weile wieder sinken würden. Zudem können die vom Bund eingeführten Bremsen den Preisschock nur mildern. „Grundsätzlich dämpft die Strompreisbremse natürlich die Erhöhung. Aber für 20 Prozent des Verbrauchs müssen Verbraucherinnen und Verbraucher dennoch den hohen neuen Preis zahlen“, erläuterte Vogler. Die Strompreisbremse deckelt den Preis für 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs auf 40 Cent je Kilowattstunde.

Der Konzern verteidigt die Erhöhung: „Wir haben die vielfach teureren Einkaufskosten während der Energiekrise überdurchschnittlich lange für unsere Kunden abgefedert“, so der Sprecher. Doch natürlich habe Eon im vergangenen Jahr an den Großhandelsmärkten zu hohen Preisen zukünftige Energiemengen für Kunden sichern müssen: „Daher ist es unvermeidbar, dass sich dies zeitlich versetzt, aber immer noch gedämpft auch in den Endkundenpreisen niederschlägt.“ Die Krise sei noch nicht vorbei.

Wenn der Marktführer so stark erhöht, hat das breite Folgen. Doch Eon ist kein Einzelfall. Seit Jahresbeginn wurden in NRW 98 Strompreiserhöhungen von Grundversorgern angekündigt oder durchgeführt – um zwar durchschnittlich um 45 Prozent, so Verivox. „Grundversorger haben in der Regel eine langfristige Beschaffungsstrategie. Daher gehörten sie zu Hochzeiten der Energiekrise zu den günstigsten Anbietern“, sagte Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox. Nun habe sich das Bild gedreht.

„Ob Erhöhungen rechtmäßig sind, muss im Einzelfall geprüft werden. In der Vergangenheit waren durchaus nicht alle Erhöhungen von Stromanbietern zulässig“, erklärte der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Es häufen sich hier Beschwerden: Allein in den ersten beiden Monaten des Jahres gab es 56 Prozent mehr Beschwerden von Verbrauchern zu Strompreiserhöhungen, nicht nur über Eon.

Mehr als 1000 Beschwerden sind auch beim Bundeskartellamt eingegangen, wo eine Abteilung zur Missbrauchsaufsicht bei den Energiepreisbremsen die Arbeit aufgenommen hat. „Es ist alles andere als trivial, unter Tausenden Versorgern mit verschiedensten Tarifen die schwarzen Schafe ausfindig zu machen. Aber wir kommen sehr gut voran“, sagte Kartellamtschef Andreas Mundt unserer Redaktion. „Die Planung von konkreten Ermittlungsmaßnahmen ist bereits weit fortgeschritten.“ Das Amt untersucht, ob Versorger missbräuchlich Subventionen in Anspruch nehmen. „Der Anreiz dafür ist offenkundig, da die Kunden ,nur‘ den gedeckelten Preis zahlen“, so Mundt.

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