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Streik bei Germanwings: Köln besonders hart getroffen

Streik bei Germanwings : Mehr als jeder zweite Flug in Köln gestrichen

Der Streik bei den Fluggesellschaften geht in die siebte Runde. Zwölf Stunden lang legen heute die Piloten der Lufthansa-Tochter Germanwings ihre Arbeit nieder. Der Flughafen Köln/ Bonn ist besonders hart getroffen - dort fällt mehr als jeder zweite Flug aus.

Wer derzeit in NRW mit Bahn oder Flugzeug unterwegs ist, hat es nicht leicht. Die Streiks der Lokführer und der Lufthansa-Piloten treffen Tausende Bürger. Heute legen die Germanwings-Piloten ihre Arbeit nieder. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wann streiken die Piloten?

Von 12 bis 24 Uhr - und das deutschlandweit. Bestreikt werden dabei ausschließlich die Flüge von Germanwings, nicht der Lufthansa.

Wie viele Flüge sind betroffen?

Am Flughafen Köln/Bonn sollen nach Angaben des Airports 46 von 86 im Streikzeitraum bis Mitternacht geplanten Flüge ausfallen. Die Zahl der von den ausfällen betroffenen Passagiere schätzt der Flughafen auf etwa 5000. In Düsseldorf wurden laut dem Notflugplan 4 von 64 Flügen gestrichen. Kurz vor dem Ferienende in NRW sind es vor allem Urlaubsreisende, die mit den Streiks zu kämpfen haben. Allein 1100 Babys und Kinder seien während des Streikzeitraums auf Flüge von Germanwings gebucht, sagte ein Sprecher. Ein Teil der ausgefallenen Flüge wird durch die Lufthansa-Tochter Eurowings aufgefangen. Zudem sind zwei Dutzend Mitglieder des Managements als Piloten im Einsatz. Germanwings hat einen Ersatzflugplan erstellt. Kunden können ihren Flugstatus hier abrufen.

Am Mittwoch kam es bereits am Flughafen Düsseldorf zu chaotischen Szenen. Lag das auch am Streik?

Nein. Die Entschärfung eines Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg sorgte dafür, dass der Flughafen schwer erreichbar war. Der Bahnhof am Flughafen, Bus- und Bahnlinien sowie die A utobahn 44 waren gesperrt. Der Flugbetrieb war aber nicht betroffen. Die Sperrungen dauerten bis in die Abendstunden.

Können Passagiere heute kostenlos auf Bus und Bahn umsteigen?

Wenn den Reisenden kein alternativer Flug angeboten wird, dürfen Passagiere auf die Bahn umsteigen. Hierfür teilt Germanwings an den Ticket-Schaltern Reisegutscheine aus. Die Bahntickets können auch selbst gekauft werden und anschließend, zusammen mit den verfallenen Flugtickets, der Lufthansa in Rechnung gestellt werden.

Welche Leistungen stehen Passagieren zu?

Flugkunden haben während der Wartezeit am Flughafen das Recht auf Betreuung. Ab zwei Stunden Wartezeit haben Reisende Anspruch auf Leistungen wie zwei Telefonate, zwei E-Mails, Getränke, Essen und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Die Wartezeit gilt für Flüge ab einer Strecke von 1500 Kilometern. Ab einer Strecke von 1500 bis 3600 Kilometern gibt es nach drei Stunden Unterstützung, ab 3600 Kilometern ab vier Stunden. Erst ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere vom Beförderungsvertrag zurücktreten und eine Erstattung des Ticketpreises verlangen.

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Müssen Passagiere am Flughafen übernachten, um auf einen späteren Flug zu warten?

Nein. Wenn feststeht, dass der eigene Flug nicht mehr stattfindet (und keine Alternative zum Beispiel mit der Bahn gefunden wird), beziehungsweise ein Ersatzflug erst am nächsten Tag starten kann, muss die Airline entweder Hotelgutscheine ausstellen oder später die Kosten für einen eigens organisierten Hotelaufenthalt übernehmen.

Worum geht es den Piloten?

In dem Tarifkonflikt geht es um Einbußen bei der Übergangsrente für 5400 Piloten und Co-Piloten der Lufthansa, Lufthansa-Cargo und Germanwings. Die Lufthansa hat die bisherigen Regeln zum Jahresende 2013 gekündigt. Sie will erreichen, dass die Piloten frühestens mit 60 (bislang 55) Jahren in den bezahlten Vorruhestand gehen können. Zudem soll das durchschnittlich zu erreichende Austrittsalter von 58 auf 61 Jahre angehoben werden.

Wie steht es um den Tarifstreit bei der Deutschen Bahn?

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat bis heute früh um 4 Uhr die Arbeit ruhen lassen. Züge, die nicht am vorgesehenen Abfahrtsort sind, können auch Auswirkungen auf den morgendlichen Pendelverkehr haben. Arbeitnehmer sollten entsprechend mehr Zeit einplanen.

Wie steht es um den Güterverkehr?

Zahlreiche Unternehmen haben nach Angaben von Mathias Krage, Präsident des Deutschen Speditions- und Logistikverbandes, von der Schiene auf die Straße umgesattelt. "Dennoch werden Sendungen zu spät ankommen und Container nicht rechtzeitig die Seehäfen erreichen." Auch in den Binnenhäfen wie in Duisburg machen sich die Streiks bemerkbar: "Die Lokführerstreiks führen an einigen Terminals zu massiven Verzögerungen und Zugausfällen", sagte ein Duisport-Sprecher. "Insgesamt sind die Auswirkungen aber überschaubar, da auch viele private Bahnoperateure im Duisburger Hafen tätig sind, die nicht von den Streiks betroffen sind."

Was verlangen die Lokführer?

Sie wollen fünf Prozent mehr Lohn und eine um zwei Stunden kürzere Wochenarbeitszeit. Außerdem verhandelt die GDL erstmals auch für Disponenten, Zugbegleiter, Bordgastronomen und Trainer der Bahn.

Wie reagierte die Bahn auf den Streik? In den Leitstellen wurden im Vorfeld eine Reihe Zugverbindungen auf Strecken mit wenig Pendlerverkehr für die Dauer des Streiks gestrichen, um Kapazitäten für die Hauptstrecken im Ruhrgebiet und im Rheinland freizusetzen. "Obwohl wir von dem Streik vorher wussten, konnten wir die Ausfälle der Lokführer nicht überall auffangen", sagte ein Bahnsprecher. Der Ersatzfahrplan wurde von vielen Reisenden kritisiert, da sie zu spät über ausfallende Züge informiert worden seien. Die Mitarbeiter an den Informationsständen der Hauptbahnhöfe waren oft selbst ratlos.

Welche Region war besonders betroffen?

Im Rheinland und im Ruhrgebiet kam es zu erheblichen Verspätungen. Besonders betroffen war Köln. Dort bildeten sich auf den Gleisen lange Warteschlangen. Ähnlich sah es in Essen und Duisburg aus.

Gibt es eine Hotline für Notfälle?

Bei der Bahn können sich Reisende unter der Rufnummer 0800 0 9966 33 melden, bei Germanwings unter 0180 6320320.

Hier geht es zur Infostrecke: Diese Rechte haben Sie als Flugpassagier

(RP)