Stiftungschefin Gather will Aufsichtsratsvorsitz nicht

Personalchaos bei Thyssenkrupp : Chefin der Krupp-Stiftung: „Kein Interesse an Aufsichtsratsvorsitz“

Die in die Kritik geratene Chefin der Krupp-Stiftung will nicht Chef-Kontrolleurin beim Essener Industriekonzern Thyssenkrupp werden.

In Konzernkreisen hatte es geheißen, Gather selbst strebe den Posten des am Montagabend zurückgetretenen Aufsichtsratschefs Ulrich Lehner an.

Die Alfried-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung erklärte Dienstagmittag, dabei handele es sich um Spekulationen, denen Gather eine klare Absage erteile. Sie werde in konstruktiver Zusammenarbeit mit den Vertretern im Aufsichtsrat an der Neubesetzung mitwirken.

Gather bedauerte „außerordentlich, dass Professor Lehner sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender der Thyssenkrupp AG niedergelegt hat“. Lehner sei es gelungen, das Unternehmen gemeinsam mit dem Vorstand aus schwieriger Lage herauszuführen.

Gather sandte erneut ein Beruhigungszeichen in Richtung Management und Arbeitnehmerschaft: Die Krupp-Stiftung als Ankeraktionärin betrachte gemeinsam mit dem Vorstand und den Arbeitnehmervertretern die langfristige Stabilität und die Fortentwicklung von Thyssenkrupp als oberstes Ziel.

Die Investoren Cevian und Elliott arbeiten auf eine Zerschlagung des Mischkonzerns hin. Weil offenbar auch Gather Hiesingers Strategie kritisch hinterfragte, zog dieser am 5. Juli die Reißleine und erklärte seinen Rücktritt. Seitdem kommt der Konzern nicht mehr zur Ruhe. Der Versuch, mit der Ernennung von Finanzvorstand Guido Kerkhoff wieder Ruhe ins Unternehmen zu bringen, war jäh obsolet, als Lehner am Montagabend seinerseits den Rücktritt erklärte.

Nun muss der Aufsichtsrat einen Nachfolger für Lehner finden. Nachdem Gather aus dem Rennen ausgeschieden ist kursieren weitere Namen, wie beispielsweise der des Aufsichtsrats Hans-Peter Keitel, ehemals Hochtief-Chef und BDI-Präsident. Erwartet wird, dass das Gremium sich schnell auf einen Nachfolger einigt, damit sich die Lage im Konzern zumindest etwas beruhigt.

Am Montag hatte der NRW-Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler im Gespräch mit unserer Redaktion gesagt: „Der Lehner-Rücktritt ist schade, weil er für den Kurs stand, den wir unterstützen. Das muss jetzt der allerletzte Weckruf dafür sein, dass sich alle Beteiligten disziplinieren. Es geht immerhin um 39.000 Beschäftigte in NRW.“ Der Konzern komme nicht zur Ruhe, dabei sei Ruhe genau das, was er jetzt so dringend benötige, so Giesler.

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