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Streit um Subvention: Steuerbonus für Handwerker-Rechnungen in Gefahr

Streit um Subvention : Steuerbonus für Handwerker-Rechnungen in Gefahr

Handwerkskosten werden gern von der Steuer abgesetzt. Das soll nach dem Willen von Ökonomen und Spitzenpolitikern vorbei sein. Handwerk und das Land NRW fürchten einen Anstieg der Schwarzarbeit.

Deutschland streitet über die steuerliche Absetzbarkeit von Handwerker-Rechnungen. Der Vize-Chef der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, stellte den Bonus infrage. Unionsfraktionsvize Michael Fuchs sagte unserer Redaktion: "Wir wollen keine singulären Maßnahmen, die das Handwerk und die Bürger belasten. Wenn wir aber eine richtige, große Steuerreform mit der SPD hinbekommen würden, die das Steuersystem vereinfacht, müssten wir auch an Dinge wie den Steuerbonus für Handwerkerleistungen herangehen."

Derzeit kann jeder Bürger 20 Prozent der Arbeitskosten, die ihm ein Handwerker für Renovierungen, Gartenarbeit oder Heizungs-Wartung in Rechnung stellt, steuerlich geltend machen. Maximal 1200 Euro pro Jahr können so abgesetzt werden. Dieser Handwerker-Bonus zählt zu den beliebtesten Möglichkeiten der Deutschen, um Steuern zu sparen. Dem Fiskus entgehen damit im Jahr 1,52 Milliarden Euro.

Die Universität Freiburg hatte zuvor für die Bundesregierung eine Studie zur Wirksamkeit der Subvention erstellt. Danach war die Schwarzarbeit jüngst zwar rückläufig. Dies lasse sich aber kaum auf den Bonus zurückführen — 90 Prozent der Haushalte hätten ihren Auftrag auch ohne ihn legal vergeben. Die Steuerermäßigung sei daher mit Mitnahmeeffekten verbunden, schreiben die Experten und raten, die Förderung für Handwerkerleistungen zu streichen.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) lehnt das ab. "Die Wirkung des Steuerbonus steht doch außer Frage. Schwarzarbeit wird so verhindert, mehr Aufträge gehen an legal arbeitende Betriebe", sagte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer unserer Redaktion. Er kann sich sogar eine Erhöhung des Bonus auf bis zu 4000 Euro im Jahr vorstellen, wie er bereits für haushaltsnahe Dienstleistungen gilt.

Auch mit NRW wird eine Abschaffung des Bonus nicht zu machen sein. "Für diese Debatte habe ich als Handwerksminister nicht das geringste Verständnis", sagte Garrelt Duin (SPD). Der Steuerbonus verringere Schwarzarbeit und unterstütze Haushalte bei der energetischen Modernisierung ihrer Wohnungen. Unterm Strich flössen sogar mehr Abgaben und Sozialversicherungsbeiträge in die Kassen, als die Auftraggeber an Steuern sparen können.

Auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wollen an dem Rabatt festhalten. Die Koalition wolle zwar die "kalte Progression" bei der Einkommensteuer abschaffen, aber nicht auf Kosten Tausender Handwerksbetriebe, so Gabriel.

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Kleine Einschnitte hat es aber bereits gegeben. Das Bundesfinanzministerium hat im Januar festgelegt, dass gesetzlich vorgeschriebene Tätigkeiten etwa von Schornsteinfegern nur noch eingeschränkt abzugsfähig sind. Zudem wollen SPD-Länder über eine Bundesratsinitiative durchsetzen, dass nur noch Rechnungen von mehr als 300 Euro abgesetzt werden können.

(RP)