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Chemiekonzern Lanxess: Stellenstreichungen treffen Rheinland

Chemiekonzern Lanxess : Stellenstreichungen treffen Rheinland

Die Autokrise hat den Dax-Konzern aus der Bahn geworfen. Der Stellenabbau fällt schärfer aus als gedacht: 1000 Stellen baut Lanxess selbst ab, weitere 1000 sollen zu anderen Arbeitgebern wechseln. Nach Informationen unserer Redaktion ist auf dem Heimatmarkt vor allem das Rheinland von den Stellenstreichungen betroffen

Der Chemiekonzern Lanxess reagiert auf die Autokrise in Europa mit einem drastischen Sparprogramm und korrigiert seine Unternehmensstrategie. Von den weltweit 17 500 Jobs werden 1000 gestrichen, 300 davon in Deutschland. Weitere 1000 Mitarbeiter sollen über Verkäufe von Konzerntöchtern und Kooperationen zu anderen Arbeitgebern wechseln — darunter auch rund 100 Mitarbeiter im Dormagener Perlon-Werk.

Chef kürz Gehälter

Außerdem kürzt Lanxess-Chef Axel Heitmann die Gehälter. Alle Mitarbeiter müssen auf drei Prozent ihrer fixen Einkommen verzichten, sein eigenes Gehalt kürzt der vierköpfige Konzernvorstand um sechs Prozent. "Ohne diesen finanziellen Beitrag, dem die Arbeitnehmer zugestimmt haben, müssten wir noch mehr Stellen abbauen", sagte Heitmann gestern am neuen Konzernsitz in Köln.

In Deutschland beschäftigt Lanxess gut 8000 Mitarbeiter. Nach Informationen unserer Redaktion ist auf dem Heimatmarkt vor allem das Rheinland von den Stellenstreichungen betroffen. So sollen allein im Werk Leverkusen 100 Stellen gestrichen werden, in der Kölner Konzernzentrale 50, in Dormagen und in Krefeld-Uerdingen jeweils 30 und in Langenfeld 15. "Diese Zahlen haben wir als Potenziale für einen Stellenabbau an den genannten Standorten identifiziert", bestätigte ein Sprecher gestern auf Anfrage. Mit einem Drittel der weltweit betroffenen Mitarbeiter würden bereits Gespräche geführt.

"Bislang immer vermieden"

Auf die Frage, ob den Mitarbeitern auch Kündigungen drohen, sagte Heitmann gestern: "Bislang haben wir dieses Instrument immer vermieden. Aber ausschließen kann man so etwas nie." Standortschließungen in Deutschland seien derzeit nicht geplant, "weil sich unsere früheren Anpassungen hier jetzt bezahlt machen", so Heitmann.

Zu den sogenannten Randgeschäften, von denen Lanxess sich jetzt trennen will, gehört auch die Dormagener "Perlon-Monofil"-Produktion, wo rund 100 Mitarbeiter den Grundstoff für Schiffstaue und Netze herstellen. Die angestrebte Trennung von "Perlon-Monofil" ist ein Sonderfall, der eigentlich nicht in die neue strategische Ausrichtung von Lanxess passt. Denn eigentlich will Heitmann künftig vor allem das bisherige Hauptgeschäft mit Kautschuken ("Performance Polymers") schwächen, zu dem "Perlon" gar nicht gehört. Stärken will er die anderen beiden Konzernsäulen : "Advanced Intermediates", die Chemikalien für die Agrarwirtschaft produziert, und "Performance Chemicals", die unter anderem Grundstoffe für die Bauwirtschaft anbietet.

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Vorprodukten für Autoreifen

Mit diesem Strategieschwenk soll Lanxess künftig weniger abhängig von der Automobilwirtschaft sein, die den Konzern in die aktuelle Krise gestürzt hat: Ein Viertel des weltweiten Umsatzes erwirtschaftet Lanxess mit Vorprodukten für Autoreifen, weitere 15 Prozent mit Kunststoffen für andere Autoteile wie etwa Ölwannen oder tragende Karosserieteile.

Das Sparprogramm, das einmalig 150 Millionen Euro kostet, soll das Ergebnis ab 2015 jährlich um 100 Millionen Euro verbessern. Bereinigt um die Kosten für das Sparprogramm erwartet Lanxess für das laufende Jahr weiterhin ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 700 bis 800 Millionen Euro. Auch unter dem Strich wird der Konzern keine roten Zahlen schreiben, wie Finanzchef Bernhard Düttmann gestern sagte. Das Ertragsziel für 2014 hatte Heitmann bereits Anfang August aufgegeben, als er für das zweite Quartal nur noch einen Gewinn von neun Millionen Euro melden konnte. Damit ist der Lanxess-Quartalsgewinn zum fünften Mal in Folge gesunken.

Für den promovierten Chemiker Heitmann ist der Stellenabbau auch ein persönlicher Rückschlag. Seit der Konzern unter seiner Führung vor knapp zehn Jahren vom Bayer-Konzern abgespalten wurde, ging es — mit einer kurzen Delle nach der Finanzkrise 2008 — fast ausschließlich steil bergauf. Allein im vergangenen Jahr legte der Aktienkurs um 50 Prozent zu. Aber seit Jahresanfang hat Lanxess an der Börse gut 1,5 Milliarden Euro an Wert verloren. Auch das Sparprogramm überzeugt die Börse nicht: Die Aktie brach gestern um 2,8 Prozent ein.

(RP)