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Boni-Zahlungen: Steinbrück empört über Dresdner-Bank-Manager

Boni-Zahlungen : Steinbrück empört über Dresdner-Bank-Manager

Düsseldorf (RP). Die Boni an Manager der Dresdner Bank stoßen auf Unverständnis bei der Politik. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück reagierte empört. "Mit solch einem unanständigen Verhalten fügen diese Leute, die zur wirtschaftlichen Elite unseres Landes gehören wollen, unserem Gesellschaftssystem schweren Schaden zu", sagte Steinbrück. Er habe dafür keinerlei Verständnis. Kritik kam auch von Innenminister Schäuble.

Die Vorsitzende der Grünen im Bundestag, Renate Künast, reagierte ähnlich. "Das Verhalten der Banker ist eine Sauerei: Es widerspricht dem Gerechtigkeitsempfinden aller arbeitenden Menschen, die ihre Steuern zahlen", sagte Künast unserer Redaktion.

Die neun Vorstandsmitglieder der Dresdner Bank haben im vergangenen Jahr 58 Millionen Euro an Gehalt, Aktienoptionen und Abfindungen erhalten. Das sind 31 Millionen mehr als im Jahr 2007, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht. Die Dresdner-Spitze verdiente damit weit mehr als jeder andere Bank-Vorstand in Deutschland. Allein Vorstandschef Herbert Walter soll 3,6 Millionen Euro als Abfindung erhalten haben.

Die Commerzbank hatte die Dresdner Bank 2008 übernommen, sämtliche Dresdner-Vorstände schieden daraufhin aus. Auch der Leiter der Investmentbank Dresdner Kleinwort, Stefan Jentzsch, der fast acht Millionen Euro an Abfindung erhalten haben soll. Sein Sprecher rechtfertigte dies damit, dass Jentzsch die Dresdner schließlich nicht freiwillig verlassen habe. Jedoch ist Dresdner Kleinwort im wesentlichen für die milliardenschweren Abschreibungen verantwortlich, die die Dresdner Bank 2008 vornehmen musste und die ihr einen Verlust von 6,3 Milliarden Euro beschert haben. Im Jahr zuvor hatte sie noch einen Gewinn von 470 Millionen Euro gemacht. Das Dresdner-Minus schlug auf die Mutter Commerzbank durch, die einen Verlust von 6,6 Milliarden Euro auswies und vom Bankenrettungsfonds gestützt wird.

Für Ärger sorgte auch eine Klage von zwei früheren Vorständen der Förderbank KfW. Sie klagen vor dem Landgericht Frankfurt auf Fortzahlung ihrer Gehälter und spätere Pensionsansprüche, wie KfW-Chef Ulrich Schröder bestätigte. Detlef Leinberger und Peter Fleischer waren 2008 fristlos entlassen worden. Sie sollen dafür verantwortlich sein, dass die KfW nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman noch 320 Millionen Euro an die Pleitebank überwies.

Die große Koalition hat sich bereits darauf geeinigt, dass Aktienoptionen von Vorständen erst nach vier Jahren eingelöst werden dürfen. Zudem muss künftig der gesamte Aufsichtsrat (und nicht nur das Präsidium) über die Vorstands-Vergütung entscheiden.

Auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble kritisierte die Millionenbezüge der Vorstände. "Das sind Totengräber der sozialen Marktwirtschaft", sagte der CDU-Politiker am Samstag in Ludwigsburg bei einem Parteitag der baden-württembergischen CDU.

Hier geht es zur Infostrecke: Der Commerzbank-Deal und seine Folgen

(RP)