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Streit um "Knopf im Ohr": Steiff erleidet juristische Niederlage

Streit um "Knopf im Ohr" : Steiff erleidet juristische Niederlage

Knallharter Rechtsstreit um Kuschelbären: Die Firma Steiff wollte die Position des "Knopfs im Ohr" seiner Plüschtiere europaweit schützen lassen. Das EU-Gericht macht der Firma einen Strich durch die Rechnung. Halb so wild, meinen Markenexperten.

Generationen von Kindern sind mit Teddy-Bären von Steiff groß geworden. Deren Markenzeichen ist seit mehr als hundert Jahren der "Knopf im Ohr" - der immer wieder Anlass für juristischen Streit gibt. Steiff klemmt seit dem 1. November 1904 seinen Plüschtieren einen Metallknopf ins Ohr und hat sich den Begriff gleich im ersten Jahr als Wortmarke beim Deutschen Patent- und Markenamt schützen lassen. Denn Konkurrenten haben schon immer versucht, das Markenzeichen nachzuahmen.

Margarete Steiffs Neffe Franz kam auf die Idee, sich mit dem Metallknopf von der Konkurrenz abzugrenzen. Erst war der Knopf mit einem Elefanten versehen, der später dem Schriftzug "Steiff" wich.
Bis heute tragen alle Tiere diesen Knopf. Hat ein Plüschtier keine Ohren, kommt der Knopf einfach an eine andere Stelle - bei einem Fisch etwa an die Flosse. Aus der Steiff-Werbung ist der "Knopf im Ohr" nicht mehr wegzudenken. Auch Sammler achten auf dieses Kennzeichen. Die Bären sind gutes Geld wert: Eine Sammlung historischer Teddys kam 2010 im Londoner Auktionshaus Christies für 1,23 Millionen Euro unter den Hammer.

Markenschutz von EU-Gericht verweigert

Auch wenn der "Knopf im Ohr" als Marke geschützt ist - sein Platz mitten im linken Ohr ist es nicht. Darüber hat das EU-Gericht in Luxemburg nun geurteilt. Die Richter bestätigten eine Entscheidung des Europäischen Markenamtes, das Steiff den Markenschutz verweigert hatte. "Etiketten, Verzierungen, Schlaufen, Schleifen, Ringe oder Stickereien an einem oder beiden Ohren" seien typisch für Stofftiere insgesamt. Somit erkenne das "allgemeine Publikum" nicht am "Knopf im Ohr", dass ein Teddy von Steiff stamme, argumentierte das Gericht.

Um den Richtern ihre Arbeit zu erleichtern, hatte die Klägerin, die Margarete Steiff GmbH, zur Veranschaulichung zwei Zeichnungen eingereicht. Sie zeigen den Kopf eines Teddys mit dem Knopf beziehungsweise dem Stofffähnchen im linken Ohr. Dieser Tierkopf sei "lediglich beispielhaft", heißt es in der Anmeldung. Es gehe um alle möglichen Plüschtiere, nämlich um "hart und weich gestopfte Stofftierfiguren aus Filz, Pelz, Alpakawolle, Mohair oder Polyester, die über Ohren verfügen".

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Das Unternehmen aus dem baden-württembergischen Giengen an der Brenz kann die Schlappe vor Gericht nach Expertenansicht gelassen nehmen. "Der Schutz der Positionsmarke wäre das I-Tüpfelchen gewesen, aber Steiff hat rundherum schon einen breiten Schutzwall aufgebaut", sagt Carsten Albrecht, Markenrechtler bei der Kanzlei FPS in Hamburg.

Weltweit mehrere hundert Markeneintragungen

Denn das Traditionshaus ist im Kampf gegen Nachahmer schon lange aktiv. "Das Markenportfolio von Steiff umfasst weltweit mehrere hundert Markeneintragungen", schreibt Steiff. Dazu zählten etwa die geschützten Begriffe "Steiff", "Knopf im Ohr" und das bekannte "Fähnchen" mit dem Teddykopf. Auch wenn der EU-weite Schutz für die besondere Position für das Zeichen auf dem Produkt Steiff untersagt bleibt, ist sie in Deutschland gesichert. Die Firma lässt offen, ob sie erneut in der nächsthöheren Instanz klagt.

Gegen unlautere Konkurrenz könne sich der Hersteller nach wie vor behaupten, sagt Markenjurist Albrecht: "Es scheint mir immer noch möglich, dass Steiff vor einem Gericht gewinnt, wenn ein Hersteller aus China kommt und an das Ohr seines Stofftieres einen Metallknopf anbringt." Solche Klagen würden das Geschäft nicht beeinträchtigen:
"Beim Umsatz wird Steiff das nicht merken."

Über die Geschäftsentwicklung schweigt sich das 1880 gegründete Unternehmen indes aus. Ein schrumpfender Handel mit Sammlern und eine Reihe von Chefwechseln prägten die Firmenentwicklung lange Zeit.
Zuletzt bemühte sich Steiff um eine Neuausrichtung, kehrte 2013 sogar der Spielwarenmesse in Nürnberg den Rücken. Der damalige Geschäftsführer der Steiff-Gruppe, Martin Hampe, sagte dem "Handelsblatt" im vergangenen Sommer, Steiff wolle das Plüschtier-Sortiment von 1000 auf gut 350 Tiere plus 120 Neuerungen im Jahr eindampfen und neue Kunden mit paillettenbestickten Lifestyle-Artikeln gewinnen.

Im Oktober 2013 wurde Hampe an der Spitze der Steiff-Gruppe von Daniel Barth abgelöst, der vorher für Lacoste und Faber-Castell gearbeitet hatte. Neben den Plüschtieren verdient die Gruppe unter anderem Geld mit Lizenzen für Kinder- und Babymode.

(dpa)