Steag - Städte sollen 100 Millionen zubuttern

Anschlussfinanzierung für Steag : Städte sollen 100 Millionen Euro zubuttern

Bei dem Essener Kohleverstromer brechen Umsatz und Gewinne ein. Gleichzeitig ringen die Städte, die die Steag einst auf Pump kauften, mit den Banken um die Anschlussfinanzierung für ihre Beteiligungsgesellschaft.

Der Versorger Steag wird zum Fass ohne Boden für seine Eigentümer, die Städte Duisburg, Dortmund, Essen, Oberhausen, Bochum, Dinslaken. Derzeit verhandelt die Beteiligungsgesellschaft KSBG, in der die Städte ihre Steag-Anteile gebündelt haben, mit den kreditgebenden Banken über eine Anschlussfinanzierung. Die Kommunen hatten die Steag einst von Evonik übernommen und dies zum einem großen Teil über Kredite finanziert. Die Verträge laufen 2020 aus.

Nun muss für 400 Millionen Euro eine Anschlussfinanzierung gefunden werden, wie Steag-Finanzchef Michael Baumgärtner bestätigte. Und hiervon sollen die Städte laut kommunalen Kreisen 100 Millionen als eigene Kredite oder Bürgschaften zubuttern. „100 Millionen - das hören wir auch, Beiträge der Gesellschafter kann ich nur begrüßen“, sage Finanzchef Michael Baumgärtner bei der Vorstellung der Bilanz.

Steag-Chef Joachim Rumstadt spielte das herunter: „Anschlussfinanzierung ist ein ganz gewöhnlicher Vorgang bei einer Akquisitionsfinanzierung, wie ihn auch Hausbesitzer kennen.“ Dumm nur, dass die Besitzer hier ihr Haus gar nicht mehr haben wollen. Erste Städte wie Essen prüfen den Verkauf ihrer Anteile und den kompletten Ausstieg aus der Steag. Zugleich haben einzelnen Städte ihre Beteiligung bereits kräftig abgeschrieben.

Immerhin fließt Dividende an die KSBG: Für 2018 zahlt die Steag 45 Millionen an die KSBG - und das, obwohl die Steag 2018 unterm Strich nur einen Gewinn von 12,7 Millionen Euro gemacht hat. Das ist ein Einbruch um 79 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Man habe eben auch Gewinne ausgeschüttet, die Steag-Töchter in früheren Jahren erwirtschaftet und nun überwiesen hätten, erklärte Baumgärtner. Von der Dividende der Steag an die KSBG sehen die Städte übrigens nichts: Sie geht voll für den Schuldendienst der KSBG drauf.

Steag, einer der größten Kohleverstromer im Land ist, leidet unter der Energiewende. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern brach im vergangenen Jahr um 19 Prozent ein auf 160 Millionen Euro. Grund sind geringere Einsatzzeiten und die endgültige Stillegung von drei Kraftwerksblöcken. Ohne das Auslandsgeschäft hätte es noch schlechter ausgesehen: Dieses trägt mittlerweile 57 Prozent zum Gewinn bei. Der Umsatz der Steag brach um 20 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro.

Zwar fielen insgesamt 140 Stellen weg, doch insgesamt ist die Zahl der Mitarbeiter bis Ende 2018 sogar noch gestiegen auf 6600 Mitarbeiter.

Rumstadt setzt nun darauf, dass der Staat im Zuge des Kohleausstiegs Entschädigungen auch für die Steag zahlt. „Wir begrüßen, dass die Kohlekommisssion sich gegen einen entschädigungslosen Eingriff ausspricht“, sagt er. Sein Aufsichtsratschef Guntram Pehlke hatte bereits 600 Millionen Euro an Entschädigung pro Gigawatt Stillegung gefordert. „Das sehe ich als Untergrenze“, so Rumstadt.

Zugleich betonter er: „Der Kohle-Ausstieg ist schmerzhaft für uns, Steag hat seine Wurzeln in der Steinkohleverstromung, aber wir nehmen die Herausforderungen an.“ Es kann sein, dass einzelne Städte das ganz anders sehen.

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