Zeche Zollverein wird zum Digital Campus

Weltkulturerbe in Essen : Zeche Zollverein wird zum Digital Campus

Große Unternehmen wie Eon, Thyssenkrupp oder die RAG wollen auf dem ehemaligen Zechengelände mit Start-ups und Wissenschaftlern an der digitalen Zukunft der Region arbeiten.

30 Jahre hat es gedauert, bis Franz Haniel die erste Fettkohle an die Erdoberfläche befördert hatte. So erzählt es Stephan Gemkow und schiebt hinterher: „So viel Zeit haben wir nicht.“ Mit „Schacht One“, jenem Digitallabor, das der Chef der Beteiligungsgesellschaft der Haniel-Erben 2016 auf der Zeche Zollverein eröffnete, sollte das Unternehmen in die Zukunft aufbrechen. Ein „Beschleuniger für die ganze Haniel-Gruppe“ solle das Projekt sein, so Gemkow.

Inzwischen ist der Chef bei Haniel Geschichte – und Schacht One ist es in seiner jetzigen Form demnächst auch. Das Konzept habe sich ein Stück weit überholt, sagte Gemkows Nachfolger Thomas Schmidt zuletzt in einem Interview mit der WAZ. Doch letztlich war es in der Geschichte des Ruhrbergbaus schon immer so: Wenn ein Stollen versiegt, werden einfach neue erschlossen. Deshalb gibt es jetzt Schacht XII.

Ab dem 1. Januar 2020 soll hier der Digital Campus Zollverein seine Arbeit aufnehmen. War Schacht One noch ein Einzelprojekt eines Unternehmens, ist der Digital Campus eine Gemeinschaftsaufgabe. Passenderweise wurde der Verein am Dienstag im Rahmen der Start-up-Woche gegründet, die alle Städte des Ruhrgebiets miteinander verbindet.

„Wir haben die große Chance, innovative Ideen in einem starken Verbund gemeinsam weiterzuentwickeln“, sagt Andre Boschem, Chef der Essener Wirtschaftsförderung EWG und einer der Initiatoren des Vereins. Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung sollen hier gemeinsam Leuchtturmprojekte im Bereich „Industrial B2B“ vorantreiben. Dadurch soll der Campus zu einer Art Reallabor für den digitalen Wandel werden. Neben der Wirtschaftsförderung sind unter anderem auch Haniel, der Energiekonzern Eon, der Kohlekonzern RAG, die Unternehmensberatung Accenture und der Stahlkonzern Thyssenkrupp beteiligt.

Die Macher sind überzeugt, mit dem Bereich „Industrial B2B“, also dem Geschäft zwischen Firmenkunden im Industriebereich, eine Lücke in Deutschland zu schließen. Erste Projekte sollen im Laufe des nächsten Jahres auf den Weg gebracht werden. Dann dürfte auch klarer sein, wie genau die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren aussehen soll.

Bei der Eröffnung von Schacht One sagte der damalige Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD): "In gar nicht allzu ferner Zeit werden wir auf diesen Tag zurückblicken und sagen: Das ist der Tag, an dem sich in NRW etwas verändert hat." Schacht XII wird zeigen, ob er am Ende recht hatte.

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