1. Wirtschaft
  2. Unternehmen
  3. Start-ups

Wie Tinder, Uber und Co. ihre Nutzer vor Verbrechen schützen wollen

Weil App-Nutzer zu Opfern werden : Tinder setzt auf Panik-Knopf

Immer wieder werden Nutzer der Dating-Plattform Opfer von Verbrechen. Technologie soll sie schützen.

Das Tinder-Versprechen ist maximale Leichtigkeit: „Matchen. Chatten. Daten“. Anhand von Fotos können Nutzer in der beliebten Dating-App auswählen, wer ihnen gefällt. Gibt es dabei eine Übereinstimmung, ein Match, kann man sich schreiben – und letztlich treffen. Doch was ist, wenn der Gegenüber nicht der ist, für den er sich ausgegeben hat?

„Es gibt definitiv registrierte Sexualstraftäter auf unseren kostenlosen Portalen“, räumte ein Sprecher der Tinder-Mutter Match Group im vergangenen Jahr gegenüber dem US-Portal Buzzfeed ein. Immer wieder waren Fälle bekannt geworden, in denen Frauen bei Treffen von verurteilten Vergewaltigern missbraucht wurden.

Der Fahrdienstvermittler Uber veröffentlichte zuletzt eine eigene Untersuchung, wonach es 2018 zu mehr als 3000 sexuellen Übergriffen kam – darunter mehr als 200 Vergewaltigungen. Hinzu kamen neun tödliche Angriffe. Uber stützt sich dabei auf die Angaben von Nutzern und Fahrern. Und obwohl die Zahl der Vorfälle gemessen auf alle Fahrten, die das Unternehmen vermittelt, nach eigenen Angaben nur 0,0003 Prozent beträgt, weiß man bei Uber natürlich, dass jeder Zwischenfall einer zu viel ist.

Die Unternehmen reagieren daher und erweitern ihre Apps um Sicherheitsfunktionen. So wurde bei Tinder in den USA nun eine Art Panik-Knopf in der App eingeführt, mit dem Nutzer um Hilfe bitten können, ohne einen Anruf tätigen zu müssen. Die Match Group setzt dazu auf Technologie des Start-ups Noonlight, mit der Nutzer unter anderem ihren Standort teilen können. „Noonlight fungiert als stiller Bodyguard in Situationen, in denen man alleine unterwegs ist oder jemanden zum ersten Mal trifft“, sagte Brittany LeComte, Mitbegründerin von Noonlight. Auch Uber und Konkurrent Lyft setzen in den USA bereits auf solche Panik-Knöpfe, mit denen ein Notruf abgesetzt werden kann.

In Deutschland gibt es die Panik-Knöpfe bislang noch nicht. Aus Sicht der Unternehmen scheint die Bedrohungslage für Nutzer deutlich geringer zu sein, etwa weil man bei Uber anders als in den USA nicht auf Privatpersonen als Fahrer setzt. Gleichzeitig mangelt es auch an offiziellen Zahlen. Denn in der Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts lassen sich zwar Delikte im Zusammenhang mit dem Internet ablesen – ob es allerdings beim Benutzen von Dating- oder Fahrvermittlungs-Apps zu sexuellen Übergriffen, Körperverletzung oder anderen Straftaten kam, erfasst die Statistik nicht.

Allerdings erweitern die Dienste auch in Deutschland ihre Sicherheitsfunktionen. So kündigte Tinder an, dass bald auch in Deutschland eine „Fotobestätigung“ eingeführt werde. Ein in Echtzeit aufgenommenes Bild wird dabei mit den Profilfotos der Nutzer abgeglichen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass sich Menschen nicht für andere ausgeben.

Die Uber-App wiederum enthält einen Hilfe-Bereich, über den Fahrgäste beispielsweise einen Notruf absetzen, einen Unfall oder sonstige Vorfälle melden können. Gut möglich, dass bald eine weitere Funktion hinzukommt, die auf anderen Märkten schon getestet wird: Ride Check. Dabei registriert das System automatisch auffällige Abweichungen von der Fahrtroute oder ein unübliches langes Halten und fragt den Nutzer, ob alles in Ordnung ist.