1. Wirtschaft
  2. Unternehmen
  3. Start-ups

Wie Start-ups wie Rightnow, Helpcheck & Co. die Corona-Krise meistern

Rightnow, Helpcheck und Co. : Geklagt wird immer – wie Rechtsdienstleister durch die Krise kommen

Viele Flugrecht-Portale stecken in der Krise. Denn wenn keiner fliegt, will auch niemand Flugverspätungen erstattet bekommen. Auch viele andere Start-ups im Rechtsbereich sind von Corona betroffen – mit unterschiedlichem Ergebnis.

Wenn wegen der Corona-Krise flächendeckend Flüge storniert und Pauschalreisen abgesagt werden, dann ist das für viele Kunden sehr ärgerlich – aber aus Sicht von Rightnow eine große Chance: „Corona-Spezial! Rightnow sorgt für Cash statt Gutscheine!“, wirbt das Düsseldorfer Start-up auf seiner Seite. Und damit die Botschaft auch wirklich ankommt, sieht man den TV-bekannten Anwalt Ingo Lentzen mit einem Fächer aus Euro-Scheinen in der Hand.

Waren es anfangs speziell verspätete oder ausgefallene Flüge, die bei vielen Portalen im Fokus standen, versprechen Anbieter wie Rightnow und Helpcheck aus Düsseldorf oder auch Legal Data Technology aus Wuppertal Hilfe bei Problemen mit der Lebensversicherung, Mieterhöhungen, Bahn-Verspätungen oder Verkehrsunfällen. Das hilft, um durch die Corona-Krise zu kommen, die auch in der Start-up-Branche viele Unternehmen hart getroffen hat. So ist das Geschäft von Flugrechte-Portalen wie Flightright eingebrochen, das Unternehmen musste Kurzarbeit anmelden – wenn keiner fliegt, braucht auch keiner Angebote, die bei der Erstattung bei Verspätungen helfen.

Rightnow berichtet von 600 Prozent mehr Anfragen

“Anfangs hatten wir einen riesigen Zulauf wegen der Stornierung von Urlauben“, sagt Rightnow-Gründer Phillip Eischet. Die Anfragen hätten zu Beginn um 600 Prozent zugenommen: „Und durch die coronabedingten Schließungen hatten viele Leute plötzlich viel Zeit, um Dinge wie alte Nebenkostenabrechnungen aufzuarbeiten.“

Eischet hat Rightnow 2017 zusammen mit seinem Schulfreund Benedikt Quarch und Torben Antretter gegründet. Nachdem man früh mit dem Unternehmer Carsten Maschmeyer einen schillernden Investor gewinnen konnte, stiegen zuletzt auch die Gründer der Hotelsuchmaschine Trivago bei dem Start-up ein. Dieses war eigentlich in Wiesbaden gestartet, hatte seinen Firmensitz dann aber nach Düsseldorf verlegt – auch aus strategischen Gründen. „Hier sitzen viele Prozessgegner“, sagt Phillip Eischet, der gebürtig aus Aachen kommt: „Viele Fluggesellschaften sind in Düsseldorf, Köln oder Weeze aktiv, Versicherungen sitzen wiederum oft in Düsseldorf oder Köln.“

Das Geschäftsmodell ist eigentlich ganz einfach: Rightnow kauft Kunden ihre Ansprüche ab, etwa bei einem nicht angetretenen Flug oder einer verspäteten Bahn, bündelt diese und gibt sie dann an Anwälte weiter. Seit der Gründung hat das Start-up inzwischen nach eigenen Angaben zwischen 150.000 bis 200.000 Forderungen bearbeitet. Dabei verdient man einerseits an der Differenz zwischen dem Wert der Forderung und dem, was man dem Kunden dafür bietet, und andererseits an Servicegebühren, die Anwälte an Rightnow zahlen müssen.

Righnow will eine Art Check24 der Rechtsdienstleister werden

Das Geschäft ist kapitalintensiv, auch deswegen hat Rightnow schon rund 25 Millionen Euro von Investoren eingesammelt. „Wir mussten uns schon in der Seed-Phase mit Kapital aufpumpen, um im Kampf David gegen Goliath überhaupt eine Chance zu haben“, sagt Eischet. Langfristig wollen die Düsseldorfer mit den verschiedenen Themenbereichen wie Wohnen, Reise, Arbeit oder Finanzen zu einer Art Check24 der Rechtsdienstleister werden. Auch das Vergleichsportal bündelt unter seinem Dach verschiedene Dienstleistungen. „Ökonomisch macht es keinen Sinn, zehn bis 15 Marken parallel aufzubauen“, sagt Eischet.

Verbraucherschützer sehen das Geschäftsmodell zwiespältig: „Solche Angebote sind natürlich bequem. Wenn die Unterlagen weiter in irgendeinem Pappkarton schlummern, ist ja auch keinem geholfen“, sagt Philipp Opfermann, Finanz-Experte der Verbraucherzentrale NRW: „Nutzer müssen sich aber klar darüber sein, dass sie nicht so viel herausbekommen wie auf anderem Wege. Die Bequemlichkeit ist am Ende teuer erkauft.“ Wer eine Rechtsschutzversicherung hat, sollte sich aus seiner Sicht speziell bei Versicherungen lieber direkt an einen Anwalt wenden. „Es gibt vereinzelt aber auch tatsächlich kostenlose Angebote, wie beispielsweise die Flugärger-App der Verbraucherzentrale NRW bei Ärger mit der Fluggesellschaft", ergänzt Opfermann.

Auf Bewertungsportalen im Internet ist das Echo zu Rightnow geteilt. Beim Portal Trustpilot ist die Mehrheit der Kunden zufrieden mit dem Angebot, es gibt jedoch auch einige kritische Stimmen, die sich beispielsweise über Probleme bei der Erreichbarkeit und die Dauer der Auszahlung beschweren.

In Corona-Zeiten wurden kaum noch Unfälle gemeldet

In Situationen wie diesen kann man viel falsch machen, aber umgekehrt auch vieles richtig. Für viele Start-ups ist daher speziell Flexibilität wichtig. Das hat auch Tim Platner gemerkt, Gründer des Wuppertaler Start-ups Legal Data Technology. Das Unternehmen bietet über sein Portal „Unfallanwaelte.de“ die komplett digitale Erfassung und Abwicklung bei Verkehrsunfällen an. Dafür kooperiert das Unternehmen mit spezialisierten Anwälten, die anschließend die digitalen Fallakten übernehmen. Die Idee: Für Mandanten und Anwälte beschleunigt sich dadurch die Abwicklung. Einziger Haken: In Corona-Zeiten wurden plötzlich kaum noch Unfälle gemeldet.

„Wir sind mit unserer Plattform zum Erliegen gekommen“, gesteht Platner ganz offen. Doch dann habe man umgeschwenkt und schnell die Plattform Vinqo.de gegründet, um so neue Rechtsgebiete wie etwa den Widerruf von Krediten oder Schmerzensgeld bei Hundebissen oder anderen Verletzungen zu erschließen. „Das haben wir an mehrere Rechtsschutzversicherer vertreiben können und damit den Umsatz in der Coronakrise verfünffacht.“

Viele Gerichtstermine wurden zunächst aufgehoben

Während sich Vingo auf den Widerruf von Krediten konzentriert, hat sich das Düsseldorfer Start-up Helpcheck auf den Widerruf von Lebensversicherungen spezialisiert. Auch hier blickt man auf die vergangenen Monate mit gemischten Gefühlen. Einerseits hätte man allein im März 50 Prozent mehr organische Anträge erhalten als sonst und im April hätte sich der Wert sogar nahezu verdoppelt, sagt Gründer Peer Schulz: „Gleichzeitig stehen wir – wie andere – vor Herausforderungen, da eine ganz Reihe an Gerichtsterminen zunächst aufgehoben wurden.“

Bei den Start-ups hofft man, dass sich die Lage schnell wieder verbessert, zumal es bei Rightnow auch Einschränkungen in anderer Hinsicht gab: „Wir planen gerade eine Series-A-Finanzierung“, sagt Phillip Eischet: „Dafür haben wir ursprünglich auch mit sehr interessierten Risikokapitalgebern aus dem Silicon Valley gesprochen, welche sich aber seit Ausbruch der Corona-Krise einzig und allein auf ihre Portfolio-Unternehmen konzentrieren. Auch die deutschen Risikokapitalgeber sind zurückhaltender, aber weiterhin aktiv.“