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Wie Start-ups sich auch um das Gemeinwohl in NRW kümmern

Grüner Umbau : Gründen fürs Gemeinwohl - NRW-Start-ups mit neuen Horizonten

Mehr als nur eine finanzielle Rendite: Soziale Unternehmen setzen immer häufiger auf Start-up-Methoden, um möglichst viel Wirkung für die Gesellschaft entfalten zu können. Die Balance zwischen Gutes tun und Geldverdienen bleibt dabei die größte Herausforderung.

Mehr als nur „höher, schneller, weiter“: Mit diesem Anspruch treten sogenannte Social-Start-ups an. Dahinter stecken junge Unternehmen, die zwar häufig auf Technologie und schnelles Wachstum setzen – aber nicht nur den Gewinn für Gründer und Investoren maximieren wollen. Ihnen geht es darum, eine größtmögliche Wirkung für die Gesellschaft zu erreichen. Im Sog des generellen Start-up-Booms legt auch dieser Sektor zu: „Social Entrepreneurship ist in Deutschland weiter auf dem Vormarsch“, meldet der Verein Social Entrepreneurship Network Deutschland (SEND), der nun seinen jährlichen Bericht veröffentlicht hat.

In NRW sind viele dieser Gründerinnen und Gründer zu Hause: Von den etwa 800 Mitgliedern von SEND haben 125 ihren Sitz in diesem Bundesland. Die Spannbreite ist groß: Dazu zählt etwa Gdexa aus Recklinghausen, dessen Software den Zugang zu Bildungsangeboten vereinfachen soll. Aber auch der Versicherungsmakler Good24 aus Meerbusch, der Provisionen in Nachhaltigkeitsprojekte umleitet. Oder Wildling Shoes aus Engelskirchen – das junge Unternehmen lässt seine Schuhe in Europa fertigen und setzt sich für Renaturierungsprojekte ein.

Start-ups als Treiber für soziale Innovationen

Gemeinsam haben Social-Start-ups in der Regel, dass eines der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen im Fokus steht, zum Beispiel das Streben nach höherwertiger Bildung, nach weniger Ungleichheit oder der Einsatz für eine bessere Gesundheitsversorgung. „Gemeinwohlorientierte Start-ups sind ein wichtiger Treiber für soziale Innovationen“, lässt sich Sven Giegold (Grüne), seit Dezember Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, im Vorwort der aktuellen Studie zitieren.

In den vergangenen Jahren sind dabei immer mehr Anlaufstellen entstanden, die den Austausch dieser Social-Start-ups fördern. In NRW gehört dazu beispielsweise die „Impact Factory“ in Duisburg, die unter anderem von der Beisheim-Stiftung und dem Familienkonzern Haniel angeschoben wurde. In diesen Tagen endet dort gerade wieder die Bewerbung für ein Accelerator-Programm: Über einige Monate werden junge Green- und Social-Start-ups aus ganz Deutschland unterstützt. In Essen sitzt der „Impact Hub Ruhr“, der sich als Teil eines globalen Netzwerkes von sozialen Unternehmern versteht. „Immer mehr Unternehmen und Stiftungen in NRW verstehen, dass es bei einem Social-Business darum geht, wirkungsorientiert zu gründen – egal, ob man es gemeinnützig macht oder nicht“, sagt Daniel Bartel, einer von zwei Regionalsprechern von SEND in NRW.

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Schwierige Finanzierungsphase nicht nur beim Start

Ein wichtiger Fortschritt. Doch immer noch haben Social-Start-ups mehr Mühe, ihr Geschäftsmodell zu erklären: Sie wollen nicht auf Spendenbasis arbeiten – zielen aber häufig auf Budgets der öffentlichen Hand, etwa bei den Themen Bildung oder Gesundheit. Gerade der Staat als Auftraggeber könnte in Zukunft noch deutlich an Bedeutung gewinnen, hoffen viele Sozialunternehmer. Besonders an einer Stellschraube müsste dafür gedreht werden, sagt NRW-Sprecher Bartel: „Es wäre wichtig, dass soziales und ökologisches Handeln ein entscheidendes Kriterium bei Ausschreibungen wird.“ Solange vor allem ein niedriger Preis den Ausschlag gibt, können viele Social-Start-ups nicht mithalten.

Bis dahin bleibt die Finanzierung für Social-Start-ups die drängendste Frage. Dabei geht es zum einen um den absoluten Anfang. Einige Bundesländer wie Hessen, Bremen oder Schleswig-Holstein werden im SEND-Monitor positiv hervorgehoben, weil hier eigene Programme für soziales Unternehmertum existieren. In NRW fällt diese Rolle dem landeseigenen Förderinstitut NRW-Bank zu. Die bietet nach eigenen Angaben spezielle Informationsangebote für Social-Start-ups – hat aber keine explizite Förderung für diese Art von Gründungen im Angebot. Unter den NRW-Teilnehmern des aktuellen Monitors nutzen 60 Prozent eigene Ersparnisse und 50 Prozent staatliche Fördermittel, diese Anteile sind deutlich höher als bei rein gewinnorientierten Start-ups.

Schwierig wird es für Social-Start-ups auch in späteren Phasen. Stiftungen stellen meist ihre Gelder nur für einen begrenzten Zeitraum bereit, dann muss sich das Geschäftsmodell selbst tragen. In den vergangenen Jahren sind in Deutschland einige Risikokapitalgeber entstanden, die sich auf wirkungsorientiere Gründungen fokussieren wollen. Doch im Vergleich steht immer noch deutlich weniger Kapital zur Verfügung.

Diese Balance müssen die Social-Start-ups meistern. Zum einen wollen sie wachsen, um ihre Modelle in die Breite zu tragen. Hier besteht noch Nachholbedarf: Laut Auswertung des Social-Entrepreneurship-Monitors schafft nur knapp die Hälfte der NRW-Teilnehmer einen Jahresumsatz von mehr als 50.000 Euro, nur ein Zehntel der jungen Firmen beschäftigt mehr als zehn Mitarbeiter. Zum anderen wächst mit dem Unternehmen auch der Aufwand für die eigene Organisation – und der Fokus auf die ursprüngliche Mission kann verschwinden. „Von 1000 Initiativen mit jeweils zehn Mitarbeitern hat die Gesellschaft mehr als von einem Großunternehmen mit 10.000 Beschäftigten“, sagt Bartel.