1. Wirtschaft
  2. Unternehmen
  3. Start-ups

Wie Start-ups in der Krise helfen und ihr Geschäft anpassen

Beatmungsgeräte aus dem Baumarkt : Wie Start-ups in der Krise helfen und ihr Geschäft anpassen

Von Beatmungsgeräten aus Baumarkt-Materialien bis hin zur Vermittlungsplattform für Erntehelfer – viele Start-ups entwickeln in der Corona-Krise innovative Lösungen gegen große Probleme. Ein Überblick.

Eigentlich entwickeln Jan Peckolt und sein Team Hightech-Kraftwerke, die aus Meereswellen Energie gewinnen sollen. Doch in der Corona-Krise wollte auch das Duisburger Start-up Nemos seinen Beitrag leisten – und hat stattdessen gemeinsam mit Experten ein Beatmungsgerät entwickelt, dessen Teile überwiegend in jedem Baumarkt erhältlich sind: Schläuche, Kunststoffbehälter und Gebläse wie von Laubbläser oder Staubsauger. Lediglich ein kleines Einzelteil muss laut den Erfindern in einem 3D-Drucker produziert werden. Dadurch könnten solche Geräte auch vorübergehend in Regionen eingesetzt werden, wo die vorhandenen Beatmungsgeräte zur Versorgung der Patienten nicht mehr ausreichen – oder wie gerade in einigen ärmeren Ländern weltweit – aufgrund mangelnder medizinischer Versorgung gar nicht erst zur Verfügung stehen.

Nemos ist nicht das einzige Start-up, das in der Krise helfen will und dazu innovative Lösungen entwickelt. Eine ganze Reihe von Start-ups aus NRW versuchen momentan ebenfalls, im Rahmen ihrer Möglichkeiten Probleme zu lösen. Ein Überblick:

Behoerdenarzt.de Mit seinem Portal „Behoerdenarzt.de“ hat sich das Düsseldorfer Start-up D.med Works auf die Vermittlung von Medizinern an Behörden wie Justizvollzugsanstalten, Schulämter oder Ausländerbehörden spezialisiert. Das Start-up will über seine Plattform für eine schnellere Vermittlung und damit für einen geringeren Verwaltungsaufwand innerhalb der Behörden sorgen. Aufgrund der Corona-Krise suchten viele Behörden plötzlich nach zusätzlichem medizinischen Personal für ihre Beratungshotlines. Doch wie schafft man es, unter all diesen Anrufern diejenigen zu erkennen, die tatsächlich infiziert sein könnten? Gemeinsam mit dem Münchner Start-up Convaise haben die Düsseldorfer dazu den “Covid-19 Response Assistent” entwickelt, einen digitalen Fragebogen. Die Stadt Solingen nutzt als erste Kommune den digitalen Assistenten. „Solingen hat bereits eine Menge Patienten so testen können und auch schon begründetet Verdachtsfälle identifiziert“, sagt Gründer Frederik Sterthoff. Man sei daher jetzt auch mit anderen Städten im Austausch über Kooperationsmöglichkeiten.
Work & Farm Als immer mehr Meldungen auftauchten, dass in Deutschland zehntausende Erntehelfer fehlen könnten, reifte in Christian Poral aus Mönchengladbach eine Idee: Innerhalb von fünf Tagen, erzählt der 28-Jährige, habe er mit Mitstreitern die Plattform „Work & Farm“ aufgebaut, mit der er Landwirte und Saisonarbeitskräfte zusammenbringen will. Knapp 250 Landwirte haben sich rund zwei Wochen nach dem Start bereits registriert, hinzu kommen nach Angaben von Poral rund 2500 Erntehelfer. Anders als andere Anbieter konzentriere man sich ausschließlich auf Vollzeit-Kräfte, sagt Poral, der früher für die Düsseldorfer Personalberatung Amadeus Fire gearbeitet hat. Kommt ein Vertrag zwischen Landwirt und Erntehelfer zustande, wird eine Provision von 100 Euro fällig. Geholfen hat hat Poral die Erfahrung, die er zuvor mit einer anderen Idee gesammelt hat: Seit Anfang des Jahres betreibt er die Plattform „Emilya Care“, mit der osteuropäische Pflegekräfte nach Deutschland vermittelt werden.

Taxy.io Das Ziel des Aachener Start-ups ist es eigentlich, die Steuerberatung zu digitalisieren. In der Krise wurde das Angebot kurzfristig deutlich erweitert. Das Taxy.io hat eine Art Fragebogen entwickelt, mit dem Unternehmen kostenlos prüfen können, welche Hilfsprogramme und staatlichen Angebote für sie infrage kommen. Dabei geht es um Themen wie Umsatzsteuer, Liquiditätsengpässe bis hin zur Insolvenz. Nach Angaben des Unternehmens gab es seit dem Start bereits mehr als 20.000 Anfragen.

TW Legal Tech Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise sind für viele Unternehmer nicht nur mit einigen schlaflosen Nächten, sondern auch mit viel Papierkram verbunden – etwa wenn es um die Beantragung von Kurzarbeitergeld geht. Das Düsseldorfer Start-up TW Legal Tech, eine Ausgründung aus der weltweit operierenden renommierten Anwaltskanzlei Taylor Wessing, hat dafür einen Online-Generator gebaut, mit dem sowohl die Berechnung des Kurzarbeitergelds als auch dessen Beantragung für bis zu 70 Mitarbeiter durchgeführt werden kann. Der Generator ermöglicht nach Angaben des Unternehmens erhebliche Zeiteinsparungen und ist kostenlos.