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Wie NRW Milliarden-Start-Ups heranzüchten will

Lernen von den großen Mittelständlern : Wie NRW Milliarden-Start-Ups heranzüchten will

Nordrhein-Westfalen hat als Start-up-Region ehrgeizige Ziele. Doch Wirtschaftsminister Pinkwart musste sich bei einem „Gründerfrühstück“ auch Kritik von Jungunternehmern anhören.

Aus Nordrhein-Westfalen sollen endlich auch neue Start-ups mit einer Marktbewertung von einer Milliarde Dollar kommen. Das Ziel, mehr dieser sogenannten Einhörner zu schaffen, hatte eigentlich Hendrik Wüst (CDU)  ausrufen wollen. Doch der NRW-Ministerpräsident ist an Covid-19 erkrankt. Er musste das einstündige Online-Gründerfrühstück des IT-Branchenverbands Bitkom absagen. Dabei tauschen sich Jungunternehmer und Politiker in Kurzvorträgen und Diskussion über die Situation von Startups im Land aus. Und so oblag es seinem Vertreter, Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP), die Ambitionen des Landes zu verkünden.

Pinkwart verwies zunächst auf das Potenzial des Landes für eine stärkere Start-up Szene. Der Mix aus Universitäten, mittelständischen Unternehmen, Konzernen und Hilfen für Start-ups biete gute Voraussetzungen, um aus lokalen Gründungen globale Unternehmen zu formen. Es gelte, sich in der Breite und in der Spitze zu verbessern, sagte der Minister.

Deutschland bei der Startup-Finanzierung hintendran

In der Breite, das heißt für Pinkwart vor allem: mehr Gründungen. „Wir können die Strukturen verbessern.” Er will nun die 75 Startercenter und die sechs Digi-Hubs des Landes vor allem enger mit Universitäten in Kontakt bringen. Startercenter beraten Existenzgründer bei ihrem Weg in die Selbstständigkeit, Digi-Hubs vernetzen Startups mit etablierten Unternehmen.

„Die Hochschulen sind der zentrale Treiber”, sagte Pinkwart. Er verwies auf bereits bestehende Kooperationen aus Wissenschaft und Wirtschaft, für die das Land ein Budget von insgesamt 150 Millionen Euro zur Verfügung stellt.  Der Minister setzt neben dem Geld auch auf einen Mentalitätswandel. Lange sei es kritisiert worden, wenn Professoren sich als Unternehmer versuchten, weil sie dann weniger Zeit für die Forschung hätten, sagte Pinkwart. Doch diese Sichtweise ändert sich. „Entrepreneurship ist mittlerweile Treiber für Spitzenforschung. Das müssen wir deutlicher machen.”

In der Spitze indes heißt für Pinkwart vor allem: „In fünf Jahren wollen wir zu den Top Ten der Startup-Regionen in Europa gehören.” Das Programm „Scale up“ soll dabei helfen. Es greift 13 ausgewählten Startups des Landes unter die Arme. Anderthalb Jahre werden die Jungunternehmen von Coaches und Mentoren begleitet, um sich professioneller Strukturen zu geben und Auslandskontakte für stärkeres Wachstum zu knüpfen.

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Diesen Schritt hat Cognigy bereits geschafft. Das Düsseldorfer Start-up entwickelt eine Künstliche Intelligenz, mit der Unternehmen automatisiert auch auf individuelle Kundenfragen antworten. Mitgründer Sascha Poggemann erklärte, warum es aus seiner Sicht schwierig werden wird, für mehr Einhörner in NRW zu sorgen. „Es fehlt an Ausbildung. Wir gehen in Deutschland zu wenig in technische Berufe. Man muss auch geeignete Mitarbeiter finden, um ein Unicorn zu werden”, sagte der Gründer. 

Zudem kritisierte er bürokratischen Hürden: „Förderprogramme haben zu hohe Auflagen.” Ein Bremsschuh beim Wachstum junger Unternehmen droht auch an anderer Stelle. Denn nicht nur die Förderprogramme greifen spät.  Oft würden auch Investoren durch zu hohe bürokratische Anforderungen abgeschreckt.  „Deutschland ist bei der Finanzierung von Startups nicht wettbewerbsfähig”, folgerte Poggemann. Sein eigenes Unternehmen dient ihm als Beispiel. „Unsere Investoren sitzen nicht Deutschland.” Cognigy erhielt erst im vergangenen Sommer 44 Millionen Dollar von den internationalen Investoren DN Capital, Nordic Makers und Insight Partners.

Pinkwart verspricht Treffen zwischen Startups und Firmenchefs

Yvonne Therese Mertens ist Co-Gründerin und Geschäftsführerin von Oniq. Die Kölner entdecken für ihre Kunden aus Industrie und Logistik mittels Software Schwachstellen in Prozessketten. Mertens bemängelte vom Land organisierte Treffen zwischen etablierten Unternehmen und Start-ups. Der Kritikpunkt: Die Start-ups würden häufig als Anschauungsmaterial benutzt. Eine Kooperation zwischen den Unternehmen käme oft nicht zustande, stattdessen nähmen Mittelständler die Ideen der Jungunternehmen gerne als Anregung mit. Die Geschäftsführerin verknüpfte ihre Kritik mit einer Forderung an die Politik. „Wir können uns eine Förderung für Unternehmen vorstellen, wenn sie Produkte von Startups einsetzen.”

Minister Pinkwart ging darauf nicht ein. In einem anderen Punkt jedoch versprach er konkrete Abhilfe. Denn für Start-ups ist es schwer, mit ihren Digitalisierungsthemen bei großen Unternehmen Gehör zu finden. „Digitalisierung kommt dort von ganz oben, an diese Leute kommen wir nicht ran”, sagte Mertens. Pinkwart versprach ein Treffen für Start-ups mit Mittelständlern auf höchster Ebene. „Da kommen dann auch die Chefs”, kündigte der Minister an.