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Wie das Coronavirus Co-Working-Spaces wie Startplatz, Wework und Co. trifft

Plötzlich No-Working-Space : Wie das Coronavirus die Co-Working-Anbieter in der Region trifft

Die Umsätze von Startplatz, Super7000 und Co. sind massiv eingebrochen. Und doch hört man in der Szene viel Optimismus. Wieso?

In Zeiten des Wirtschaftswachstums waren Co-Working-Spaces attraktiv: Gegen einen Festpreis bekamen Kunden nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern mussten sich auch nicht um lästige Dinge wie die IT-Infrastruktur oder die Einrichtung kümmern – und das bei maximaler Flexibilität. So wirbt der international agierende Co-Working-Space-Anbieter Wework: „Spare Kosten ein und rüste dein Immobilienportfolio für die Zukunft, indem du nur die Räume nutzt, die du gerade brauchst.“

Und genau das tun inzwischen offenbar viele Unternehmen und Selbstständige. Speziell die Buchungen von Konferenzräumen sind bei vielen Anbietern rapide eingebrochen. Wegen der Ausbreitung des Coronavirus setzen viele Unternehmen inzwischen lieber auf Video-Konferenzen, während Selbstständigen teilweise schlichtweg die Aufträge fehlen. Gleichzeitig ist auch das Geschäft mit Veranstaltungen betroffen. Die Räume von Wework und Co. werden durch das Virus zum No-Working-Space.

Konferenzräume werden nicht mehr gebucht, Veranstaltungen abgesagt

„Alle Events und Konferenzraumbuchungen sind weggefallen. Damit fehlen etwa 80 bis 100 Besucher pro Tag“, sagt Markus Lezaun, Geschäftsführer des Düsseldorfer Co-Working-Anbieters Super7000. Knapp die Hälfte des Umsatzes sei durch den Wegfall des Event- und Konferenzgeschäftes weggebrochen, wodurch man momentan rund 1000 Euro pro Tag verliere.

Ähnlich sieht es beim Startplatz aus, der Büros in Köln und Düsseldorf betreibt. „Insgesamt haben wir mehr als 50 Prozent Umsatzausfall“, sagt Gräf. Es kämen immer mehr Kündigungen herein. Gleichzeitig musste das Team sogar die erfolgreiche Veranstaltungsreihe Rheinland-Pitch absagen. Man werde staatliche Finanzhilfen benötigen, weil man den ausfallenden Umsatz bis Ende des Jahres nicht wieder ausgleichen könne, so Gräf.

Es ist ein Satz, den man nicht nur von ihm hört. Auch Super7000-Chef Lezaun will sich um Landesmittel bewerben, ähnlich wie die Betreiber des größten Co-Working-Spaces in Wuppertal Codeks. „Ein Großteil des Gesamtumsatzes wird über Businessveranstaltungen mit externen Unternehmen generiert. Diese Einnahmen sind zu 100 Prozent weggefallen“, sagt Florian Kroll, Chief Operation Officer des Codeks. Vereinzelt habe es auch Kündigungen von Bestandsmietern gegeben, deren Geschäftsmodell durch die Krise ebenfalls unter Druck geraten ist.

In Mönchengladbach soll im April ein neuer Co-Working-Space eröffnen

Etwas weniger dramatisch ist die Lage bislang bei Christoph Schlee, der in Mönchengladbach unter dem Namen CO21 gleich zwei Co-Working-Spaces betreibt. Er denke nicht, dass es bald keine Mieter mehr geben werde, doch die Dynamik in Sachen Co-Working werde sich verringern, sagt Schlee.

Beim Mönchengladbacher Anbieter fällt die Ausbreitung des Virus ausgerechnet in eine Zeit, in der er im Stadtteil Rheydt neue Räumlichkeiten eröffnen will. „Hier habe ich noch gar keine Mieter, die Eröffnung ist im April“, sagt Schlee: „Trotzdem habe ich auch hier konkrete Anfragen und gehe davon aus, das zumindest das eine oder andere Unternehmen einziehen wird – sollte es keinen Worst Case wie in Italien geben.“ In dem extrem vom Virus betroffenen Land werden öffentliches Leben und Wirtschaft momentan auf Minimalbetrieb geschrumpft. Falls es zu wenig neue Mieter geben sollte, will Schlee noch einmal das Gespräch mit dem Eigentümer der Immobilie suchen.

Ähnlich geht er auch bei seinen zweiten Standort im Zentrum von Mönchengladbach vor. Dort habe bislang nur ein Co-Worker seinen Vertrag gekündigt, so Schlee: „Zwei weitere bitten um reduzierte Mieten.“ Solange dies im kleinen Rahmen bleibe, bemühe er sich, diesen die Hälfte der Miete zu erlassen. „Wenn es mehr derartige Fälle geben sollte, werde ich zunächst versuchen, mit dem Eigentümer ebenfalls eine Mietreduzierung zu verabreden“, sagt Schlee.

Andere Anbieter schweigen lieber über ihre Lage

Im Krefelder Pionierhaus gibt es bislang keine Probleme, was aber auch an einer etwas anderen Konzeption liegt. „Ich betreibe kein gewinnorientiertes Co-Working“, sagt Knut Habicht. Die vier Plätze, die er in dem Gemeinschaftsbüro vermietet, werden zudem nicht tages-, sondern monatsweise vermietet. Zwei der vier Plätze sind momentan belegt.

Andere Anbieter wie Wework, die in Köln einen Standort betreiben, oder die Düsseldorfer Anbieter Factory Campus und Tribes wollten sich nicht zu den wirtschaftlichen Auswirkungen äußern oder ließen eine Anfrage unbeantwortet.

Strenge Hygiene und Sicherheitsabstand

Gleichzeitig erhöhen die Anbieter die Hygienemaßnahmen zum Schutz ihrer Kunden. Beim Startplatz werden die Gemeinschaftsflächen laut Gräf inzwischen zweimal am Tag gereinigt, neuralgische Stellen wie Eingangstüren täglich desinfiziert. Außerdem dürfen Co-Worker momentan auch die verwaisten Konferenzräume nutzen. Ziel ist, dass nie mehr als eine Person in jedem Raum sitzt.

Beim Super7000 wird häufiger gereinigt, die Kaffeeküche wurde hingegen geschlossen. Außerdem wurde der Publikumsverkehr eingeschränkt, momentan können nur Bestandsmieter die Räumlichkeiten nutzen. Letzteres gilt auch bei Wework in Köln, wo sogar Lieferungen von den Mietern an der Eingangstür abgeholt werden müssen. Gleichzeitig wird darauf geachtet, dass alle einen Sicherheitsabstand von mindestens 1,50 Metern einhalten. Beim Codeks achtet man darauf, dass sogar zwei Meter Abstand eingehalten werden. Dafür wurden sogar extra weitere Flächen zur Verfügung gestellt. Momentan löst sich das Problem aber offenbar auch so – nur knapp zehn Prozent der rund 200 Mitglieder arbeiten laut Florian Kroll den Co-Working-Space in gewohnter Form.

In der Szene sieht man auch große Chancen

Trotz Krise bleiben viele in der Szene optimistisch. „Dank Corona hat die Welt herausgefunden, dass sie vom Homeoffice arbeiten kann“, sagt Startplatz-Chef Lorenz Gräf: „Sie wird auch herausfinden, dass dies auf lange Sicht keine nachhaltige Lösung ist. Wir sind soziale Wesen und wir brauchen Gemeinschaft.“ Gräf ist überzeugt, dass Co-Working daher für viele nach der Krise noch interessanter wird. Bis dahin arbeitet sein Team an einem anderen Konzept: „Für die aktuelle Situation bauen wir mit Partnern aus ganz NRW ein virtuelles Co-Working auf, in dem sich Start-ups digital gestützt austauschen und neu vernetzen“, sagt Gräf.

Auch Markus Lezaun ist optimistisch: „So absurd es auch klingt: Wir verlieren gerade Geld ohne Ende – aber wir sind uns sicher, dass wir dieses Jahr nochmal um zehn bis 20 Prozent wachsen werden.“ Man merke jetzt schon, dass die Nachfrage nach Büroräumen und Arbeitsplätzen ansteigt. Und gleichzeitig ist Lezaun überzeugt, werde das Coronavirus auch das Umdenken in vielen Unternehmen beschleunigen. Man biete flexibel nutzbare Räume, so Lezaun: „Das ist genau das, was die Unternehmen jetzt in der Krise und ab dem Herbst nach der Krise buchen werden – kaum noch jemand wird nach dem Corona-Schock einen herkömmlichen Gewerbemietvertrag mit zehn Jahren Laufzeit unterschreiben wollen.“ Die aktuelle Entwicklung sei daher eine gigantische Chance für das eigene Geschäftsmodell. „Wir müssen nur schauen, dass uns nicht das Geld ausgeht.“