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Warum Toniebox-Erfinder Boxine auf den 468 Spac bei der Börse setzt

Toniebox-Gründer prüfen Spac-Deal : Warum Boxine durch die Hintertür an die Börse will

Der Tonieboxen-Erfinder aus Düsseldorf wollen per Spac-Geschäft an die Börse – obwohl das Modell nicht unumstritten ist. Blickt man genauer hin, gibt es dafür aber gute Gründe. Und die liegen in der Geschichte des Unternehmens.

Tonies zum Traden – das könnte bald schon Realität sein. Das Düsseldorfer Unternehmen Boxine, das hinter den beliebten Lautsprecherwürfeln für Kinder steckt, prüft aktuell einen Börsengang. Am Donnerstag gab es bekannt, man sei in Gesprächen über einen Zusammenschluss mit dem 468 Spac, der seit Ende April an der Frankfurter Börse gelistet ist.

Sollte es so kommen, wäre es ein Börsengang durch die Hintertür – bei dem sich zeigt, wie das deutsche Start-up-Netzwerk inzwischen funktioniert. Denn der 468 Spac – Spac für „Special Purpose Acquisition Company“ – wurde Ende April quasi als leere Firmenhülle an die Börse gebracht, um mit dem Geld aus dem Börsengang ein Privatunternehmen zu übernehmen. Welches, das war für Investoren noch nicht klar. Es wurden nur Kriterien definiert, die man bei der Auswahl berücksichtigen wollte. So sollte die Firma aus Deutschland kommen.

Doch schon damals müssen die drei Köpfe hinter dem 468 Spac, Alexander Kudlich, Ludwig Ensthaler und Florian Leibert, Boxine als potentiellen Kandidaten im Blick gehabt haben. Denn aus Sicht des 468 Spacs spricht vieles für eine Übernahme: Die Tonieboxen haben sich in den vergangenen Jahren rasant in den deutschen Kinderzimmern verbreitet. Inzwischen ist das Unternehmen auch auf dem US-Markt aktiv, was weiteres Wachstumspotential verspricht.

Und das Geschäftsmodell hat sich in der Vergangenheit bereits als äußerst lukrativ erwiesen: Denn auf die Boxen kann man spezielle Figuren stellen, die sogenannten Tonies. Auf ihnen befindet sich dann jeweils Hörspiele oder Kindermusik. Kostenpunkt: 14,99 Euro pro Figur – und viele Familien haben davon gleich eine ganze Armada im heimischen Kinderzimmer. Und so wuchs der Umsatz in den vergangenen Jahren rasant. 2019 lag er bereits bei rund 100 Millionen Euro – bei knapp elf Millionen Euro Gewinn.

„Mit der Geschichte hätte es Boxine auch gut allein an die Börse geschafft“, sagt Philipp Klöckner, Investor und Tech-Experte, der in seinem „Doppelgänger-Podcast“ regelmäßig Geschäftsmodelle analysiert: „Aber man läuft natürlich auch Gefahr, dass sich das Börsenfenster schließt. Ein Spac bietet da einen Geschwindigkeitsvorteil. Und das Produkt ist aus meiner Sicht auch stark genug, um den Preis von einer Milliarde zu rechtfertigen.“

Boxine konnte angesichts des wirtschaftlichen Erfolgs zuletzt viele Investitionen aus eigener Kraft stemmen, doch für die weitere Expansion würden die Einnahmen aus einem Börsengang per Spac noch einmal mehr Möglichkeiten geben. Die Zusammenarbeit mit Investoren (und der damit verbundene Zugang zu neuen Netzwerken) hat sich für das Team um die beiden Gründer Patric Faßbender und Marcus Stahl schon in der Vergangenheit ausgezahlt.

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Nachdem anfangs unter anderem der Oetinger-Verlag und eine Düsseldorfer Kanzlei den Aufbau der Firma finanziell unterstützten, übernahmen 2019 die Münchner Industrie-Holding Armira und weitere Investoren für einen dreistelligen Millionenbetrag die Mehrheit. Faßbender und Stahl sind heute noch mit 16,9 Prozent an Boxine beteiligt.

Über Armira lernten die beiden auch die drei 468-Capital-Gründer kennen, die über ein ausgezeichnetes Netzwerk in der Wirtschaftswelt verfügen. Diese wiederum bekamen dadurch gute Einblicke in das Geschäftsmodell von Boxine. Die Wahl dürfte daher nicht zufällig auf die Düsseldorfer gefallen sein – man kennt sich, man schätzt sich.

Auf ein ähnliches Modell setzte zuletzt ein weiterer bekannter deutscher Investor: Klaus Hommels. Der Lakestar-Gründer zählt zu den führenden Wagniskapitalgebern Europas und brachte in diesem Jahr den ersten deutschen Spac an die Börse. Dieser prüft aktuell die Übernahme der Ferienhaus-Suchmaschine Hometogo aus Berlin – in die Hommels zuvor investiert hatte.

Sollten die beiden Börsengänge funktionieren, dürfte dies helfen, den Ruf des Modells Spac zu verbessern. Kritiker bemängeln, dass per Spac auch nicht geeignete Unternehmen den Weg an die Börse finden. Speziell in den USA taten sich einige Spacs zuletzt offenbar schwer, geeignete Übernahmekandidaten zu finden. Ein Wunder ist das allerdings nicht – erlebte das Segment doch einen regelrechten Boom. Gab es 2019 noch 59 Spacs in den USA, waren es in diesem Jahr laut dem Analysedienst Spacanalytics bereits 296.

Tech-Experte Philipp Klöckner sieht den geplanten Zusammenschluss von Boxine und dem 468 Spac hingegen eher positiv: „Boxine ist ein gutes Unternehmen. Damit es aber auch ein spannendes Investment wird, muss es international erfolgreich werden oder es müssen neue Produkte entwickelt werden, so dass man das Mattel, Hasbro oder Ravensburger der 2030er Jahre wird.“