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Warum Holtzbrinck Ventures in Schüttflix aus Gütersloh investiert

Frisches Geld für Schüttgut-Start-up : Wie es nach dem Holtzbrinck-Investment bei Schüttflix weitergeht

Das Geschäft mit Sand, Kies und Schotter entwickelt sich beim Gütersloher Start-up rasant. Nachdem bereits im April Investoren Millionen investiert haben, steigt mit Holtzbrinck Ventures nun ein ganz großer Name der Szene ein. Das hat Folgen.

Zalando, Flixbus, Delivery Hero oder Hellofresh: die Erfolgsbilanz des Risikokapitalgebers Holtzbrinck Ventures ist inzwischen europaweit bekannt. Viele der Unternehmen, die von den Berlinern finanziert wurden, haben sich zu hunderte Millionen oder gar milliardenschweren Unternehmen entwickelt. Ein Investment von Holtzbrinck ist eine sehr gute Visitenkarte in der Gründerszene – und dennoch musste sich der Investor ziemlich ins Zeug legen, um Christian Hülsewig zu überzeugen.

Hülsewig hat 2018 gemeinsam mit Thomas Hagedorn in Gütersloh das Start-up Schüttflix gegründet, eine Online-Plattform für Sand, Kies und Schotter. In der lange Zeit sehr analogen Bauindustrie wächst das Unternehmen seitdem rasant, weshalb es im Fall von Schüttflix Holtzbrinck Ventures war, das unbedingt ein Investment machen wollte.

Holtzbrinck Ventures investiert in Ostwestfalen

"Gütersloh ist bisher nicht die typische Investment-Region“, sagt Felix Klühr, Investment Manager bei dem Berliner Risikokapitalgeber. Doch dann gab es Gerüchte, dass ein anderer Risikokapitalgeber bei Schüttflix einsteigen könnte – und das Interesse bei Holtzbrinck war geweckt. Bis dahin hatten sich Klühr und seine Kollegen nie mit dem Potenzial des Schüttgut-Marktes beschäftigt. Durch Schüttflix erkannten sie dessen gewaltiges Potenzial. „Als wir dann noch mit Kunden und Erzeugern gesprochen hatten, waren wir so begeistert von den Chancen und Schüttflix, dass wir unbedingt investieren wollten“, sagt Klühr.

Das 2018 gegründete Start-up hatte eigentlich erst im April eine Finanzierungsrunde über acht Millionen Euro abgeschlossen – und dabei mit Speedinvest den ersten Risikokapitalgeber mit an Bord genommen, von dessen Interesse Holtzbrinck Wind bekommen hatte. Knapp vier Monate später wurde das Volumen nun sogar um weitere sechs Millionen auf 14 Millionen Euro erweitert – und das mitten in der Corona-Krise. "Für gute Unternehmen gibt es aktuell genug Geld – und wie man am Beispiel Schüttflix sieht, wird im Zweifel auch richtig geworben“, sagt Felix Klühr. Und Christian Hülsewig ergänzt selbstbewusst: "Es ist nicht so, dass wir dringend Geld gebraucht hätten. Aber die Wachstumsraten waren so gut, dass wir uns dazu entschlossen haben, den Turbo einzuschalten.“

Immer häufiger wollen Großkonzerne mit Schüttflix arbeiten

Seit Beginn des Jahres konnte Schüttflix seinen Umsatz vervierfachen. Gleichzeitig ergaben sich zunehmen neue Möglichkeiten für die Gütersloher. „Ich hatte ursprünglich gedacht, dass wir eine Lösung für kleine und mittelständische Anbieter bauen. Aber jetzt kommen immer häufiger auch Großkonzerne auf uns zu, weil sie unsere technische Lösung nutzen wollen“, sagt Hülsewig: „Dafür brauchen wir personell die richtigen Strukturen, um die vernünftig betreuen zu können."

Über Schüttflix können Kunden Schüttgut wie Sand oder Kies bestellen und auf die Baustelle liefern lassen. Das Start-up hat dazu eine Plattform aufgebaut, die diese Aufträge an die vielen kleinen und mittelgroßen Anbieter von Schüttgut vermittelt, gleichzeitig aber eine komplett digitale Abwicklung ermöglicht. Das hat auch das Interesse großer Bau-Unternehmen geweckt. "Die Konzerne haben das gleiche Problem wie alle in der Branche - die sehr analoge Bürokratie. Wenn bei einem Projekt von denen 2000 Lkw Schüttgut liefern, dann haben die am Ende eben 2000 Lieferscheine“, sagt Hülsewig.

Schüttflix will in Köln sein Team vergrößern

Mit dem zusätzlichen Geld der Investoren will Schüttflix nun sein Wachstum beschleunigen – und auch neue Geschäftsbereiche ausbauen. Hülsewig sieht beispielsweise im Bereich der Entsorgung von Baustoffen viel Potenzial. Um das Wachstum zu stemmen, soll gleichzeitig auch das Team ausgebaut werden, und das nicht nur in Ostwestfalen. „Zusätzlich zu Güterloh setzen wir auf Köln. Dort haben wir aktuell ein dreiköpfiges Team. Das wollen wir weiter ausbauen“, sagt Hülsewig.