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Warum die Bücher Keinhorn, Neustaat und Blitzscaling lesenswert sind

Neustaat, Keinhorn und Blitzscaling : Diese neuen Start-up- und Digital-Bücher sollte man gelesen haben

Die Einschränkungen aufgrund des Coronavirus führen dazu, dass viele Menschen mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbringen. Wer da nach Zerstreuung sucht, sollte sich vielleicht mal diese neuen Bücher anschauen.

Bücher zu den Themen Digitalisierung und Gründung gibt es viele – vom Ratgeber bis zur Biografie. Es gibt Klassiker, die auch nach vielen Jahren nicht an Relevanz verlieren, die ich immer wieder aus dem Regal ziehe wie „Zero to one“ von US-Investor Peter Thiel oder die Elon-Musk-Biografie von Ashlee Vance. Andere Bücher lege ich schon nach der Einleitung beiseite. Drei Neuerscheinungen haben mir zuletzt jedoch gut gefallen. Hier erkläre ich, warum:

„Blitzscaling“ von Reid Hoffman und Chris Yeh (Plassen Verlag, 335 Seiten, 24,90 Euro)

Es ist ein Satz, der allem widerspricht, was man als deutscher Unternehmer im Heimatland der viel beschworenen schwäbischen Hausfrau üblicherweise so macht: „Ist ein Markt zu verteilen, ist das größte Risiko nicht die Ineffizienz, sondern dass man zu sehr auf Nummer sicher geht“, schreiben die Autoren Reid Hoffman und Chris Yeh in ihrem Buch „Blitzscaling – wie Sie in Rekordzeit weltweit führende Unternehmen aufbauen“ (Plassen Verlag, 335 Seiten, 24,90 Euro). Risiko statt Sicherheit, Tempo statt Quartalsgewinn – ungefähr so liest sich die Empfehlung. Es gibt wohl kaum jemanden, der geeigneter für das Verfassen eines solchen Buches wäre als Hoffman. Der Amerikaner hat unter anderem das Karrierenetzwerk Linkedin und den Bezahldienst Paypal mitgegründet. Wer die Wachstumskräfte der Digitalökonomie besser verstehen will, sollte dieses Buch daher lesen. Denn in „Blitzscaling“ beschreiben die beiden Autoren die Methode des blitzschnellen Skalierens sehr lesenswert an verschiedenen Beispielunternehmen wie Airbnb, Amazon oder Apple. Doch zu Beginn geht es zunächst um ein deutsches Start-up, dass sogar im Silicon Valley für Nervosität gesorgt hat.

„Keinhorn – was es wirklich heißt, ein Start-up zu gründen“ von Julian Leitloff und Caspar Tobias Schlenk (Campus Verlag, 295 Seiten, 22 Euro)

Die Geschichten erfolgreicher Gründer lesen sich oft wie eine Abfolge richtiger Entscheidungen, harter Rückschläge und noch größerer Triumphe. Die Geschichten erfolgreicher Gründer sind oft Geschichten wie aus einer anderen Welt. „Keinhorn – was es wirklich heißt, ein Start-up zu gründen“ (Campus, 295 Seiten, 22 Euro) will keine solche Geschichte erzählen. Die beiden Autoren Julian Leitloff und Caspar Tobias Schlenk kennen die Szene seit vielen Jahren, weil der eine (Leitloff) selbst Gründer ist und der andere (Schlenk) viele Jahre für das Portal „Gründerszene“ geschrieben hat. Sie erzählen vielmehr einen Lebensweg voller Höhen und Tiefen, dessen vorläufiges Ende für den Gründer Leitloff und sein 3D-Druck-Schmuck-Start-up nicht im Start-up-Olymp endet, sondern im soliden Mittelmaß – was ja unter dem Strich ebenfalls ein großer Erfolg ist. „Keinhorn“ ist eine Geschichte, in der deutlich wird, dass Gründen eben kein Lifestyle, sondern am Ende vor allem sehr, sehr harte Arbeit mit vielen Entbehrungen ist. Es ist eine Art Anti-Blitzscaling-Buch, aber gerade deshalb so wichtig.

„Neustaat“ von Thomas Heilmann und Nadine Schön (FBV, 315 Seiten, 24,99 Euro)

Zwei Dinge vorab: Ich habe erstens dieses Buch sehr früh gekauft, weil ich sehr neugierig war – und es dann doch einige Wochen auf dem Schreibtisch liegen lassen. Zweitens: Begriffe wie „Mutausbruch“ oder „Mutanfall“ sorgen bei mir eher für Ablehnung als für Aufbruchstimmung. Aber: Das Thema von „Neustaat“ (FBV, 315 Seiten, 24,99 Euro) ist zu wichtig, um es auf dem Schreibtisch verstauben zu lassen. Und gleichzeitig stecken in dem Buch der beiden Bundestagsabgeordneten Thomas Heilmann und Nadine Schön so viele Vorschläge, dass die Lektüre allein deshalb lohnt. Die große Frage, wie man den Staat modernisieren kann, lassen die beiden von verschiedenen Köpfen aus Politik und Wissenschaft diskutieren, wobei sich die CDU-Parteizugehörigkeit der beiden Autoren auch in der Auswahl der Mitwirkenden spiegelt. Es ist ein Buch voller Vorschläge – von der Auftragsvergabe bis hin zur Modernisierung der Datenschutzaufsicht – und voller Grafiken, Literaturangaben und Co., kurzum: Es ist ein Buch, das ich anders als die beiden anderen nicht mal eben so vor dem Einschlafen im Bett lesen konnte, sondern mir etwas mehr erarbeiten musste. Bereut habe ich es nicht.