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Tourismus-Firma Peakwork ersetzt ganzen Vorstand durch Gründer Ralf Usbeck

Reise-Software-Anbieter aus Düsseldorf : Peakwork ersetzt ganzen Vorstand durch den Gründer

Die Corona-Krise trifft auch den Düsseldorfer Software-Anbieter Peakwork, denn seine wichtigsten Kunden sind die großen Reiseanbieter. Deshalb geht Ralf Usbeck einen eigentlich ungeplanten Schritt – und kehrt an die Spitze zurück.

Das erste Mal hat Ralf Usbeck seine Pläne am 19. Januar geändert. „Wir waren damals auf Weltreise und befanden uns gerade in Thailand“, sagt der Chef des Düsseldorfer Reise-Softwareanbieters Peakwork. Als nächste Station stand China auf dem Programm. Doch Usbeck hatte Berichte über dieses Virus gelesen, dass sich gerade in China ausbreitet. Die Nachrichten beunruhigten ihn. Usbeck brach die Reise mit seiner Familie ab: „Am Tag, als wir planmäßig in Peking angekommen wären, wurde die Stadt abgeriegelt.“

Das zweite Mal hat Usbeck seine Pläne Ende Mai geändert. Da gab Peakwork bekannt, dass der Gründer von der Spitze des Aufsichtsrates zurück ins operative Geschäft wechselt – und dabei gleich den ganzen Vorstand ersetzt. Der bisherige Vorstandschef Jan Gerlach und die beiden anderen Vorständen verlassen das Unternehmen.

Usbeck betont, dass es diesen Wechsel ohne das Coronavirus vermutlich nicht gegeben hätte. Doch die Begründung für den Schritt klingt gleichzeitig wenig schmeichelhaft: „Wir brauchen in dieser Phase eine andere Kundennähe und viel technisches Verständnis.“ Das Coronavirus werde den Reisebereich langfristig verändern. Daher müsse man sehr genau überlegen, welche Produkte man entwickele. „In dieser Phase dürfen wir keinen Fehler machen“, sagt Usbeck.

Das 2009 von Usbeck und Mitstreitern gegründete Unternehmen entwickelt im Prinzip eine Software für Reisekonzerne oder Vermittler, mit denen deren Systeme Millionen von Suchanfragen gleichzeitig verarbeiten und Reiseangebote praktisch in Echtzeit darstellen können – vom Hotel über den Flug bis hin zu Pauschalreise-Paketen. Zu den Kunden zählen Reiseanbieter wie Tui ebenso wie die Hotel-Suchmaschine Trivago oder der Internet-Riese Google.

Es gab Zeiten, in denen man diese Liste mit weniger Stirnrunzeln betrachtet hätte. Denn die Reisebranche steckt durch das Coronavirus in einer tiefen Krise. Und weil Peakwork neben einer monatlichen Lizenzgebühr für seine Software anteilig an Transaktionen verdient, ist auch das Geschäft der Düsseldorfer unter Druck geraten.

„Wir haben deutliche Umsatzeinbußen“, sagt Usbeck, der auch nicht mit baldiger Besserung rechnet: „Momentan fühlt sich alles noch harmlos an, aber die Restrukturierungsmaßnahmen in der Branche beginnen gerade erst.“ So hätten die Fluglinien bereits viele Maschinen aus dem Markt genommen – wodurch die Kapazitäten auch im kommenden Jahr fehlen. „Das Niveau des Jahres 2019 werden wir nicht so schnell erreichen.“

Peakwork setzt daher noch stärker auf Individualreisen, bei denen die Leute ein Hotel ohne Flug buchen, auch wenn das Unternehmen an Pauschalreisen mehr verdienen würde. Auch Aktivitäten am Urlaubsort rücken in den Fokus. Kurzum: Trends, die es bereits vor der Coronakrise gab, verstärken sich gerade.

Die Verluste im Kerngeschäft wird das aber vorerst nicht ausgleichen. „Wir werden 2020 zum ersten Mal weniger Umsatz machen als im Vorjahr“, sagt Usbeck. Selbst 2019 habe man trotz der Pleite des zweitwichtigsten Kunden Thomas Cook das Ergebnis aus dem Vorjahr übertroffen. Damals erwirtschaftete Peakwork laut Bundesanzeiger einen Umsatz von 18 Millionen Euro.

Usbeck ist überzeugt, dass man dennoch gestärkt aus der Krise hervorgehen könne. Doch er gibt sich auch keinen Illusionen hin, dass es allen Unternehmen in der Branche so geht: „Corona trifft die Unternehmen wie die Menschen – mit Vorerkrankungen hat man eine höhere Sterblichkeitsrate.“