1. Wirtschaft
  2. Unternehmen
  3. Start-ups

Tobias Kollmann veröffentlicht seinen Krimi "Startup.mord"

Tobias Kollmann veröffentlicht „Startup.mord“ : Vom Start-up-Beauftragten zum Krimi-Autor

Tobias Kollmann hat vor einigen Jahren die erste Start-up-Strategie des Landes NRW entwickelt. Als Professor wiederum bringt er Studenten die digitale Wirtschaft nahe – im Hörsaal und in Fachbüchern. Wie passt da ein Krimi in den Lebenslauf?

An der Wand eines Raums am Lehrstuhl von Tobias Kollmann ist ein Zitat von Henry Ford aufgemalt: „Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist“, soll der Gründer des Autobauers Ford mal gesagt haben. Der Satz soll die Studenten motivieren, die sich hier, im Gründerraum an der Universität Duisburg-Essen, mit Ideen für eigene Start-ups beschäftigen. Doch auch der Professor für E-Entrepreneurship und E-Business scheint sich den Satz zu Herzen genommen zu haben.

Tobias Kollmann ist Hochschul-Professor und Autor mehrerer Fachbücher, er hält Vorträge, sitzt nebenbei noch im Aufsichtsrat des Stahlhändlers Klöckner & Co., und war für einige Jahre Beauftragter für die digitale Wirtschaft des NRW-Wirtschaftsministeriums. Vor einigen Wochen hat er einen eigenen Podcast auf den Markt gebracht – und nun folgt auch noch sein erster Roman: Startup.mord.

Kollmann sagt, das Buch sei einerseits ein Experiment und andererseits die Erfüllung eines Traums. Knapp vier Jahre hat er an den 498 Seiten über den Aufstieg und Fall des fiktiven Start-ups Audioking gearbeitet – nicht kontinuierlich, sondern etappenweise. „Ich schlafe seit 20 Jahren mit Hörbüchern auf den Ohren ein. Ich habe versucht, diese akustische Welt dann in meinem Schreibstil zu übernehmen“, sagt Kollmann, der aber zugibt: „Der Wechsel im Schreibstil zwischen Fachbuch und Roman war unheimlich schwer. Ich musste mir dafür immer wieder Phasen frei schaufeln.“ Letztendlich habe die Corona-Pandemie dafür gesorgt, dass er die Zeit gehabt habe, die Geschichte zu beenden, weil er nicht mehr so viel Zeit im Auto verbracht habe, um zu Terminen zu fahren.

Herausgekommen ist eine Mischung aus Krimi und Fachbuch, „Lernroman“ nennt Kollmann das. „Ich habe schon viele Fachbücher geschrieben, aber dabei ist die emotionale Komponente bei der Gründung eines Start-ups zu kurz gekommen.“ Das Buch soll auch Laien verständlich machen, worauf es beim Aufbau eines Start-ups ankommt.

Dazu hat sich Kollmann die Geschichte des Start-ups Audioking ausgedacht, einer Art Youtube für die Ohren. Nutzer können sich dabei aus Musik und Inhalten ihr ganz individuelles Radioprogramm zusammenstellen – oder sogar selbst zum Produzent solcher Inhalte werden. Die Idee hatte Kollmann schon mal vor Jahren mit seinen Studenten entwickelt. „Es ist aber nie über den Status eines Experiments hinausgekommen“, sagt er. Stattdessen nutzte er die Idee nun als Rahmenhandlung seines Romans, der zum Großteil in Düsseldorf spielt. Hierhin hat Kollmann auch den Sitz der fiktiven University of Digital Business verlegt, an der die beiden Audioking-Gründer Alexander König und Moritz Hansen studieren. Später erlebt das Start-up in der Landeshauptstadt einen beispiellosen Aufstieg – und einen noch gnadenloseren Abstieg, Mord inklusive. „Für mich war logisch, die Geschichte in NRW anzusiedeln, weil ich an den Standort glaube“, sagt der in Bonn-Bad Godesberg geborene Kollmann. Seine Protagonisten widerstehen daher sogar einem Abwerbeversuch aus der deutschen Start-up-Hauptstadt Berlin, weil Gründer Alexander König angesichts seines Namens lieber von einem Büro an der Königsallee träumt.

Weil er keinen Verlag von seinem Projekt überzeugen konnte, hat Tobias Kollmann das Buch am Ende im Eigenregie herausgebracht. „Wenn man von einer Idee überzeugt ist, dann sollte man es einfach versuchen – genau so entstehen Start-ups ja auch“, sagt der Professor, der sogar die Aufnahme eines Hörbuchs selbst finanziert hat, das er von Schlagersänger und Moderator Maximilian Arland einlesen ließ. „Mir ist klar, dass ich die Kosten vermutlich nie wieder einspielen werde. Aber das Hörbuch erscheint an meinem Geburtstag – das ist dann auch ein persönliches Geschenk an mich selbst.“

Das Buch ist ab dem 29. März im Handel erhältlich. Und sollte es dort überzeugen, will Tobias Kollmann aus Audioking eine Trilogie machen. „Die Geschichte ist in sich geschlossen, kann aber weiterentwickelt werden“, sagt Tobias Kollmann: „Die Frage ist ja: Wie geht es weiter nach einem Scheitern? Diese Geschichte würde ich auch gerne noch erzählen.“